Buchtipp: Monsoon – The Indian Ocean and the Future of American Power

Monsoon – The Indian Ocean and the Future of American Power, bereits 2010 erschienen, ist kein neues, dafür aber ein aktuelles Buch. Autor Robert D. Kaplan beschreibt historisch und aktuell die Dynamik der Region in dessen Zentrum der Indische Ozean liegt. Seine These: Europa und der Atlantik prägten das 20. Jahrhundert, der Indische Ozean wird das 21. Jahrhundert prägen. Kaplan, Jahrgang 1952, ist amerikanischer Journalist, Senior Fellow eines Washingtoner Think Tanks und seit 2009 Mitglied des US Defense Policy Board.

Der Indische Ozean war durch die Geschichte hindurch schon immer für eine besondere Dnyamik für die Beziehungen der von ihm abhängigen Menschen verantwortlich. Kaplan bezieht den Titel Monsoon von dem Monsun-Windsystem: Einerseits ist der Monsun das prägende Wetterphänomen, welches sich auf alle Menschen der Region seit Jahrtausenden auswirkt. Andererseits verliehen die Monsunwinde der Region erst ihre Dynamik, da sie die Überquerung des Indischen Ozeans in beide Richtungen – und somit die Verbreitung von Waren und Ideen – sehr früh und sehr schnell ermöglichten. Heute leben etwa 1/3 der Weltbevölkerung in den Ländern um den Indischen Ozean herum, etwa 70 Prozent des weltweiten Rohöltransports kommen von dort. Große Armut aber auch großes Potenzial finden sich in den Ländern dieser Region heute wieder.

Politisch/Geographische Übersicht Indischer Ozean

Die Arabische Welt, Australien, China, Indien, Indonesien, Iran, Malaysia, Neuseeland, Pakistan, sowie die Südasiatischen Staaten haben alle Interessen in und am Indischen Ozean. Hier finden die religiösen und politischen Konflikte statt, die uns alle betreffen und bereits jetzt globale Auswirkungen haben. Die Zukunft des Islam wird hier ebenfalls entschieden wie die imensen ökologische Herausforderungen unserer Zeit. Wirtschaftlicher und technologischer Fortschritt befreien immer mehr Menschen von Armut und Krankheit, sodass noch ungeahntes politisches und wirtschaftliches Potential freigeschaltet wird.

Laut Kaplan ist die Neuentdeckung des Indischen Ozeans – aus der Sicht des Westens – als eine strategisch relevante Region blos die Rückkehr zum eigentlichen Normalzustand. Es ist sind die Länder am und um den Indischen Ozean herum, in denen die globalen Herausforderungen Bevölkerungswachstum, Klimawandel, Politik- und Systemwandel geballt liegen und im eigenen Kontext gelöst werden müssen. Die Argumentation ist bestechend, denn Politik und Ökonomie – bzw. die dazu gehörenden Konflikte – finden dort statt wo Menschen sind. Das klingt banal, widerspricht in der Konsequenz allerdings ganz klar den gängigen Analysen, welche den Pazifik zum Subjekt der amerikanischen und somit internationalen Sicherheitsarchitektur erheben: Denn wenn die global relevante Dynamik in und um den Indischen Ozean herum stattfindet, reduziert sich die Bedeutung des menschenleeren Pazifiks auf seine Verbindung zwischen Asien und Amerika quasi zu der des Zubringers!

Monsoon liest sich auch dann mit Gewinn, wenn man nicht an der spezifischen sicherheitspolitischen Interpretation für die USA interessiert ist: Das Buch vermittelt dem Leser neben einem fast schon ehrfürchtigen Verständnis für strategische Zusammenhänge zwischen Kultur, Politik, Religion und Wirtschaft, und dem Indischen Ozean als Medium der all diese Aspekte über Raum und Zeit verbindet, auch eine gehörige Portion Reisefieber…

Robert D. KaplanCover Kaplan: Monsoon
Monsoon – The Indian Ocean and the Future of American Power
Random House, Oktober 2010
Zum Beispiel bei amazon.de
Über eine deutsche Übersetzung ist uns zur Zeit leider nichts bekannt.

Ein Gedanke zu „Buchtipp: Monsoon – The Indian Ocean and the Future of American Power

  1. Danke für den Hinweis, den ich bisher übersehen hatte! Für uns Deutsche und Europäer liegt der Indik in der Tat auch geografisch näher als der Pazifik, den wir schon auf Grund seiner Ferne gern meinen verdrängen zu können. Das ist falsch, und wir sollten diesen Fehler beim Indischen Ozean vermeiden. Vielleicht gelingt das ja wegen der größeren Nähe und unserer bereits seit Jahren bestehenden Marinepräsenz in diesen Gewässern, meint
    der Segler

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