Über das wachsende maritime Potential von Drohnen

Enwticklung und Einsatz ferngesteuerter und unbemannter Systeme zu Wasser, Land und in der Luft reichen zurück hinein in den Zweiten Weltkrieg. Während des Kalten Krieges wurde ihre Entwicklung vernachlässigt, stattdessen wurden Verbesserungen der klassischen bemannten Plattformen stark voran getrieben. Seit den US-amerikanisch geführten Einsätzen in Afghanistan und Irak ab 2001 im Rahmen des War on Terror haben unbemannte Systeme eine ungeahnte Renaissance erlebt, besonders die unbemannten Luftfahrzeuge UAV – und heute nach etwas mehr als zehn Jahren stehen wir immer noch erst am Anfang dieser Entwicklung!

So berichtet Jane’s Defence Weekly im Februar:

Fifty countries currently operate UAVs, but the United States is expected to maintain its dominance and account for nearly 60 per cent of the end-user market by 2020. Northrop Grumman and General Atomics continue to lead the market for UAV development, although there are substantial global opportunities for other suppliers to increase their market share.

Dass die USA diesen Markt sowohl technologisch als auch finanziell anführen, und auf absehbare Zeit der dominante Player bleiben werden, kann nicht überraschen. Allerdings bedeutet diese Marktstellung der USA nicht automatisch deren absolutes Monopol, denn gerade in dieser Pionierphase lebt das Geschäft von Innovationen, die auch vergleichsweise kleinere Firmen leisten können. So plant die Deutsche Marine die Beschaffung des Camcopter S-100 von Schiebel, einer österreichischen Firma, für den Einsatz auf ihren K-130 Korvetten.

Schiebels Camcopter S-100 im maritimen Versuch.

Schiebels Camcopter S-100 im maritimen Versuch

Weiter heißt es in Jane’s:

Major emerging markets are China, India, Russia and South Korea, while in 2011 Brazil emerged as a potential future major player. Non-US indigenous capabilities are on the increase; there is the prospect of increasing exportability from these countries, and international collaboration is likely to expand. The UAV market is in the early stages of its market life-cycle with R&D accounting for a large part of the growth. However, production sales are increasing and there is a significant services market unfolding.

Wie gesagt, wir stehen gerade erst am Anfang! Die US-amerikanische Teal Group geht davon aus, dass sich die weltweiten Gesamtausgaben für UAVs von heute $5,9 Mrd in den nächsten zehn Jahren bis 2022 auf $11,3 Mrd etwa verdoppeln werden. Wenn man sich die Liste der aufschliessenden Länder anschaut, Brasilien, China, Indien, Russland und Südkorea, so dürfte klar sein, dass die maritimen Fähigkeiten der Drohnen eine Schlüsselrolle spielen werden, denn alle diese Länder haben ein Interesse an der Überwachung ihrer langen Küstenlinien.

UAVs have demonstrated their high value in Iraq and Afghanistan and will continue to grow in importance, with many more having an armed capability. Border surveillance and homeland security are also very important applications. Despite the increasingly constrained global defence budget environment, UAVs are seen as having major significance in future operations. The US is forecast to remain the largest end-user of UAVs, with most of the concept, design, development and demonstration/validation programmes stemming from its requirements.

Derrick Maple: Global UAV market forecasts to 2020, in IHS Jane’s DS Forecast 8. 2. 2012.

Bis heute dominieren die militärischen Anforderungen die Forschung, Entwicklung und den Einsatz von Drohnen, aber das wird in dieser Form nicht so bleiben. Tatsächlich wird der aufgezeigte UAV-Aufwuchs nicht unerheblich durch den nicht-militärischen Bedarf bestimmt, die Stichworte sind Border Surveillance/Patrol und Homeland Security! Was bedeutet das für den maritimen Sektor?

Konzeptzeichnung des US Naval Air Systems Command

Diese Konzeptzeichnung des US Naval Air Systems Command zeigt die maritime Version der RQ-4 Global Hawk Drohne im Einsatz

Durch den Einsatz von Drohnen wäre in Zukunft zum ersten Mal eine flächendeckende Überwachung des Schiffverkehrs auf den Weltmeeren in Echtzeit denkbar. Standort und Bewegung von gekaperten und entführten Schiffen könnten so besser überwacht werden, ein nicht unerhebliches Problem. Illegale oder gefährliche Kursabweichungen, wie im Falle des italienischen Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia, könnten direkt verfolgt und entsprechend korrigiert werden. Durch die ständige Vernetzung der Schiffe untereinander und mit dem Gesamtlagebild der Drohnen könnte der maritime Verkehr gerade in stark frequentierten Seegebieten wie dem Ärmelkanal oder der Straße von Malakka effizienter und sicherer gestaltet werden. Auch ließen sich Schmuggel und Verstöße gegen Waffenembargos, wie den jüngsten dubiosen Fall eines deutschen Frachtschiffes mit verbotener militärischer Ladung für Syrien, die vor allem über See stattfinden, besser nachverfolgen und eindämmen.

Weitere Links:
– Homeland Security News Wire:
Worldwide UAV market to reach more than $94 billion in ten years

– Spiegel Online:
Deutscher Waffenfrachter vor Syrien – Das Rätsel der „Atlantic Cruiser“

– Die Welt Online:
Türken entern verdächtigen deutschen Frachter
– IHS Jane’s delivers unrivalled news, insight and analysis to support maritime defence and security organisations in their critical processes and decisions.
Visit www.ihs.com to learn more.

5 Gedanken zu „Über das wachsende maritime Potential von Drohnen

  1. Drohnen sind nur ein kleiner Teil einer neuen technologischen Revolution: Robotik. Diese dürfte sich in den nächsten Jahren ähnlich exponentiell entwickeln wie die Informationstechnologie seit 1982. Während die USA seit Jahren diese Tehnologie vorantreiben und unter anderem Drohnen für den Luftkrieg, Landkrieg und Seekrieg (Über- und Unterwasser) entwickeln und operativ einsetzen, haben bei uns insbesondere die Entscheider aus der Luftwaffe diese Entwicklung nachhaltig verzögert. Im Gegensatz dazu haben die chinesischen Streitkräfte bei der Entwicklung von unbemannten Fluggeräten deren Potenzial seit Jahren erkannt und entwickeln in diesem HighTech Bereich eigene Plattformen.
    Wer näheres erfahren will, kann dies sehr eloquent bei P.W.Singer: Wired for War. The Robotics Revolution and Conflict in the 21st Century tun.

  2. Die „zögerliche“ Haltung der Luftwaffe ist durchaus verständlich. Wer schafft sich schon gerne selber ab? Während andere Nationen konsequent und zielorientiert das Ende der bemannten militärischen Luftfahrt einleiten, kleben unsere Jungs eben an ihren Stühlen. Vielleicht war es in der Vergangenheit nicht immer hilfreich, dass nur Jetpiloten auch Inspekteure werden dürfen; das engt den gedanklichen Horizont nämlich etwas ein. Aber es scheint nicht nur ein Problem der Luftwaffe zu sein – da es bei uns keine unabhängigen „Think Tanks“ (wie etwa in den USA) gibt, wird jegliche Innovation in den Streitkräften, egal ob in technischer oder personeller Hinsicht, durch den Status quo beeinflusst und somit nicht immer optimal.

  3. Mit der Auwertung durch Drohnen , ließe sich ja Wirkungspektrum dieser Schiffe erheblich erweitern. Sollte es von der Antriebsseite her weiterhin Probleme geben, dann könnten die Korvetten alsDrohnenplattformen mit den ohnehin reichlich vorhandenen Marineschleppern verholt werden. Teure Auf -und Umrüstungen könnten die Marine sich dann ersparen.

  4. „Sollte es von der Antriebsseite her weiterhin Probleme geben, dann könnten die Korvetten als Drohnenplattformen mit den ohnehin reichlich vorhandenen Marineschleppern verholt werden.“
    Fies! 😀
    Aber an der Idee ist was drann, wie ja auch der Kommentator Jopp im Flugzeugträger-Beitrag beschrieben hat.
    https://meerverstehen.net/2012/05/22/warum-es-keinen-deutschen-flugzeugtrager-geben-wird/

    Ich kann mir gut vorstellen, dass es DEN Träger innerhalb einer Flotte nicht mehr geben wird, sondern durch die Weiterentwicklung der Drohnen eine Dezentralisierung dazu führt, dass viele Schiffe im Verband in der Lage sind Fluggeräte aufzunehmen und zu führen…

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