Buchtipp: Unterwegs auf den Weltmeeren – Die Geschichte der großen Handelsrouten

Unterwegs auf den Weltmeeren – Die Geschichte der großen Handelsrouten ist die 2005 erschienene deutsche Ausgabe des französischen Buches Marchands au long cours von 2003. Der Autor François Bellec, Konteradmiral der französischen Marine, beschreibt angenehm verdichtet und vor allem bildgewaltig über 2000 Jahre Geschichte der Handelsrouten und Handelsschifffahrt.
Auf Wunsch eines einzelnen Herren bringen wir nun unseren Buchtipp!

Seltene Substanzen, Mineralien und pflanzliche Produkte […] hielt man eine Zeizlang für so kostbar, dass man keine Mühe scheute und sich unvorstellbaren Gefahren aussetzte, um sie von einem immer weiter entfernten „Jenseits der Meere“ herbeizuschaffen.

Egal ob Duftstoffe, Pfeffer und Gewürze, Seide, Porzellan, Kaffee und Tee, Gold und Schätze, es hat immer das Bedürfnis zum Handeln gegeben, das die Menschen aufs Meer trieb. Und eben weil das Überqueren der Meere so mühevoll und gefärhlich war, wurde die Not zum großen Antreiber menschlicher Neugier und Erfindergeistes. Das geschickte Ausnutzen der Gezeiten und Winde und schließlich die Industrialisierung der Zähmung des Windes, wie Bellec es nennt, ließen die Entfernungen auf unseren Planeten immer kleiner erscheinen. Mutige Pionierarbeit, technischer Fortschritt und der ewige Drang ins Ungewisse sind die Umstände, durch welche die Welt, die wir heute kennen, über Jahrhunderte hinweg überhaupt erst erschlossen wurde.

Im 2. Jahrtausend v. Chr. stellten die Ägypter sich vor, irgendwo jenseits des Roten Meeres gebe es ein geheimnisvolles Land des Weihrauchs, das Königreich Punt. Seit undenklichen Zeiten schon gelangten Duftstoffe wie durch Kapillaren über die verdorrten Grenzgebiete Eritreas und Nubiens ins Niltal. Man wusste, dass sie aus einer Gegend stammten, die zu weit weg lag, um im Gedächnis des Reiches verankert zu sein…

Auf 175 Seiten bringt Unterwegs auf den Weltmeeren 115 Abbildungen unter. Darunter sind auch einige Fotografien, aber die deutliche Mehrzahl der Bilder stellen alte Seekarten und zeitgenössische Kunst in Bild und Stich. Der Eindruck durch die Bilder steht bei Unterwegs auf den Weltmeeren eindeutig im Mittelpunkt – und der Autor weiß, was er tut! François Bellec, selbst jahrelang der offizielle Marinemaler der französischen Streitkräfte, hat bei der Auswahl für sein Werk Händchen bewiesen. Die ausgewählten Abbildungen entstammen unter anderem dem Rjksmuseum in Amsterdam, der British Library in London, der Bibliothèque national in Paris sowie einer Vielzahl hochwertiger Privatsammlungen. Tatsächlich machen die Abbildungen den Hauptreiz von Unterwegs auf den Weltmeeren aus, denn sie laden dazu ein das Buch immer wieder in die Hände zu nehmen.

Der Ferne Osten war zu einem strategischen Streitobjekt geworden, weshalb man China und Japan, die sich bis dahin immer isoliert hatten, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewaltsam dazu zwang, sich dem Westen zu öffnen.

Unterwegs auf den Weltmeeren ist ein dimensional großzügiges und hochwertiges Buch, dass den Handel und Wandel zwischen den Zivilisationen über das Meer beeindruckend präsentiert. Damit eignet es sich nicht nur als Präsent zur Verabschiedung von Admirälen, sondern für jeden der sich für Seefahrt und die Geschichte der maritimen Globalisierung interessiert.

Die wohlriechenden Fährten dieser exotischen und abenteuerlichen Kommunikationswege haben wie ein virtuelles Netz unauslöschliche Spuren im Gedächtnis der Menschheit hinterlassen. Denn jeder neue Seeweg war seinerzeit der Beweis für die Emanzipation eines Volkes.

François Bellec
Unterwegs auf den Weltmeeren – Die Geschichte der großen Handelsrouten
Knesebeck, 2005

Leider nicht mehr verfügbar!
Bei der Recherche über dieses Buch stießen wir auf das Problem, dass weder die großen deutschen Buchhändler noch Ebay (!) Unterwegs auf den Weltmeeren im Angebot hatten. Auf Anfrage per Email reagierte der Verlag Knesebeck leider nicht. Nur bei amazon.de werden noch ein paar versprengte Gebrauchtexemplare angeboten.

2 Gedanken zu „Buchtipp: Unterwegs auf den Weltmeeren – Die Geschichte der großen Handelsrouten

  1. „Denn jeder neue Seeweg war seinerzeit der Beweis für die Emanzipation eines Volkes.“ Welch ein Wettbewerb! Welche Spuren sind geblieben bei den „entdeckten Völkern“ und bei ihren Entdeckern? Was hat sich in das kollektive Gedächtnis derer eingebrannt, die daran aktiv oder passiv beteiligt waren? Und wie unterscheidet sich das historische Bewusstsein der europäischen Völker, die nicht nach Übersee strebten, von dem der anderen? Viele Fragen zum Nachdenken!

  2. Mich fasziniert besonders die Entwicklung Japans – das Land hatte eigentlich die besten geographischen und kulturellen Vorraussetzungen, um das England seiner Region werden zu können. Man stelle sich vor, Japan und England hätten sich bei ähnlicher Entwicklung quasi in der Mitte auf der Höhe ihrer Zeit getroffen! Stattdessen wählte Japan ganz bewusst die Isolation und musste aus dieser mit der Androhung von Gewalt zurück in die Gemeinschaft der handelnden Völker gebracht werden.

    Die in Unterwegs auf den Weltmeeren abgebildete „Nambankunst“ illustriert diese Entscheidung Japans beeindruckend!

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