Eine gemeinsame maritime Strategie für die Arktis?

Das „El Dorado unter dem Eis“ ist bereits vermessen! Wir lesen im Handelsblatt, das US Geological Survey vermute bis zu 90 Mrd Fuß Erdöl und annähernd 50 Bn Kubikmeter Erdgas in der Arktis. Dies entspräche rund 22% der bislang unentdeckten, technisch abbaubaren Ressourcen weltweit. Abbau dieser Rohstoffe und anderer Ressourcen (Manganknollen), Fischfang und Schifffahrt (darunter auch die beliebten Keuzfahrten!) machen dann einen Mrd-Beitrag aus. Die amerikanische Exxon redet bereits mit der russischen Rosneft über die Ölförderung.
Wäre es nicht an der Zeit, eine gemeinsame Strategie für diesen Raum zu entwerfen? Sollen dies allein die Anrainerstaaten tun oder muss der Zugang im Rahmen einer UN-Konvention für alle geregelt werden? Wahrscheinlich schaut man in Deutschland und der EU wieder in viele tote Augen.

Handelsblatt:
Freie Fahrt ins ewige Eis

3 Gedanken zu „Eine gemeinsame maritime Strategie für die Arktis?

  1. Die Diskussionen um Arktisstrategien sind neben der wirtschaftlichen Ebene auch auf verschiedenen politischen und geostrategischen Ebenen bereits heute weit fortgeschritten und schlagen sich in ersten Maßnahmen nieder. Norwegen beispielsweise strebt auf der einen Seite bilaterale Verständigungen vor allem mit Russland an, wappnet sich andererseits aber aktiv gegen zu befürchtende Interessenverletzungen in der Arktis. In dem Ende März 2012 verabschiedeten norwegischen Verteidigungsplan sind eine allgemeine Fähigkeitserweiterung der Luftstreitkräfte sowie die Bildung von Eingreifverbänden für den hohen Norden bestehend aus Luft-, See- und auch Landstreitkräften vorgesehen. Russland im Gegenzug stockt seine Truppen für die Arktisregion ebenfalls auf. Kein Grund zur Panik oder zur Angst vor einem Kalten Arktischen Krieg, aber man positioniert sich auch militärisch, um in einem abzusehenden politischen Interessensvergleich nicht den Kürzeren zu ziehen.

    Die EU verfolgt ebenfalls eine Arktispolitik. Ich bewerte diese allerdings – ähnlich wie beispielsweise die Politik der östlichen Partnerschaft – als eine kaum effiziente Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners. Zwar sind mit Dänermark, Finnland und Schweden (vielleicht auch bald Island) wichtige Anrainer der Arktisregion Mitglieder der EU, aber über Absichtserklärungen kommt die Interessenpolitik der EU im Norden bislang nicht hinaus. Immerhin wurde in einem 2011 verabschiedeten Papier für eine „sustainable EU policy for the High North“ der Kernpunkt zumindest schriftlich festgehalten, indem es heißt: „The EU stresses the need for a united, coordinated EU policy on the Arctic region, in which both the EU’s priorities and the potential challenges and a strategy are clearly defined.“ Wie dies mit Inhalt befüllt wird, bleibt abzuwarten.

  2. Wirkliche Arktisanrainer sind nur die Arctic Five, also Dänemark, Kanada, Russland, Norwegen und die USA. Die machen soviel wie möglich unter sich aus und haben kein Interesse daran, dass die EU zu sehr mitmischt. Das gilt auch für das EU-Mitglied Dänemark. Die übrigen EU-Staaten haben unterschiedliche Interessen und vor allem sehr unterschiedliche Möglichkeiten, diesen Interessen Beachtung zu verschaffen.

    Ein bisschen mehr Info zum Thema gibt’s hier: http://www.arcticgovernance.org/home.132703.en.html

  3. In der Arktis werden die Arctic Five, also Dänemark, Kanada, Norwegen, Russland und die USA, sehr darauf bedacht sein, die Dinge unter sich zu regeln. Das gilt auch für das EU-Mitglied Dänemark. Die treffen sich regelmäßig (s. hier: http://www.arcticgovernance.org/arctic-five-promotes-solution-to-arctic-problems-lavrov.4766480-154195.html) und klären die Dinge, die ihnen wichtig sind.
    Dann gibt es noch das Arctic Council (http://www.arctic-council.org/index.php/en/), dem neben den genannten Staaten Finnland, Island und Schweden angehören, die alle Territorien nördlich des Polarkreises haben. Auch da ist von EU nicht viel zu merken. Statt dessen gehen nationale Interessen vor denen der Gemeinschaft. Dem muss unsere Politik – leider – Rechnung tragen.

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