Chancen und Risiken aus der Tiefe – die Manganknolle

Die Manganknolle, sie sieht aus wie eine Kartoffel, liegt locker in vier- bis sechstausend Metern Meerestiefe auf Grund und hat, möglicherweise, schon mehrere Tausend Jahre Reifeprozeß hinter sich. Sie ist ein wahres Rohstoffpaket: Mangan, Kupfer, Zink, Nickel, Kobalt, Eisen, Molybdän, Selen und Tellur sind in der Knolle enthalten. Begehrt wegen der enthaltenen Metalle, die zur Verarbeitung u.a. in der Stahl- und Elektroindustrie dringend benötigt, und derzeit teuer auf den Weltmärkten nach Deutschland importiert werden müssen. Die wirtschaftlich wichtigsten Elemente machen dabei gerade einmal 2,9% einer Knolle aus, nämlich Nickel (1,4%), Kupfer (1,3%) und Kobalt (0,2%). Seltene Erde 6000 m unter dem Meer!

Vor einhundert Jahren wurde sie schon entdeckt aber bisher hat es nicht zu einem effizienten Abbau gereicht. Immerhin jedoch steckt so viel Potenzial in der Knolle, dass sie nicht einfach vom Meeresboden abgelesen werden darf. Die Meeresbehörde der Vereinten Nationen in Jamaika regelt die Erforschung und den Abbau durch die Vergabe entsprechender Lizenzen. Die Vorkommen u.a. zwischen der mexikanischen Westküste und Hawaii, im Indischen Ozean und im Peru-Becken werden derzeit von China, Indien, Japan, Südkorea, Frankreich, Russland, Deutschland und Kuba (!!!) erkundet. Bereits 1978 gab es einen Testabbau, der, durch Preussag durchgeführt, mit einer Tageskapazität von rund 800 Tonnen nicht rentabel war. 5000 Tonnen müssten es schon sein, allerdings sind kräftig steigende Rohstoffpreise ein Motor für Rentabilität. Die Spuren des Testabbaus sind übrigens heute noch sichtbar! Wenngleich der Abbau trotz der enormen Wassertiefe technisch keinerlei Problem darstellt, wirbelt das Aufsammeln Sediment auf. Es steht zu befürchten, dass sich enorme Schlammfahnen als tödlich für die meisten dort beheimateten – und noch immer nicht erforschten – Organismen erweist. Die ökologischen Folgen sind nicht absehbar! Wer Interesse am Weiterlesen hat, dem sei ein umfangreiches Dossier zum Thema Manganknollen zur Lektüre empfohlen.

Während wir die wirtschaftliche Nutzung des Meeresbodens zum Rohstoffabbau betrachten, darf eine Gefahr nicht verschwiegen werden. In deutlich geringerer Tiefe lagert Methanhydrat, der Energielieferant schlechthin. Kälte und Druck halten Methanhydrat stabil, käme es an die Wasseroberfläche würde es sofort verdampfen. Gelänge es ein effizientes Abbauverfahren zu entwickeln, erschlösse man sich ein gewaltiges Energievorkommen. Der aufmerksame Leser Frank Schätzing’s „Der Schwarm“ kennt aber auch die Risiken des Methanhydrats. Eine zunehmende Erwärmung unserer Meere kann die Stabilisatoren Kälte und Druck verändern, bisher hat es „nur“ eine zunehmende Versauerung der Meere zur Folge; Korallen und Muscheln sind derzeit schon die Leid tragenden, während die Krone der Schöpfung (noch) verschont bleibt. Es könnte jedoch in Folge einer Kettenreaktion zu einer gewaltigen Verdampfung des Methanhydrats führen; neben der Zerstörung der Vegetation vor Ort wären gewaltige Tsunamis zu erwarten, von der Methananreicherung unserer Atmosphäre ganz zu schweigen. Die gute Nachricht: vermutlich wird es dazu innerhalb der nächsten einhundert Jahre nicht kommen, wir haben also noch Zeit – was uns (und die, die wir wählen) nicht davon abhalten sollte, JETZT anzufangen, an einer Lösung zu arbeiten.

Die maritimen Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe schreiben in der Juni-Ausgabe des Fachmagazins Schiff & Hafen:

Zukünftiger Bedarf der deutschen Industrie
Vor dem Hintergrund der sich verteuernden und verknappenden metallischen Rohstoffe hat der BDI im Jahr 2007 Bedarf und Verfügbarkeit von metallischen Rohstoffen für die deutsche Industrie unter der Fragestellung „Rohstoffsicherheit – Anforderungen an Industrie und Politik“ untersucht. Eines der wesentlichen Ergebnisse dieser Studie war, dass die High-Tech- und Eyport-Industrie in besonderem Maße von strategischen Rohstoffen abhängig ist.
In der Studie „Einfluss des branchenspezifischen Rohstoffbedarfs in rohstoffintensiven Zukunftstechnologien auf die zukünftige Rohstoffnachfrage“ wurde deutlich herausgestellt, dass die deutsche Industrie und speziell die High-Tech-Industrie in hohem Maße von der sicheren Verfügbarkeit von metallischen Rohstoffen abhängig ist. Diese Entwicklung wird weiter voranschreiten.
Im Rahmen zukünftiger Aktivitäten sollte daher die Bedeutung der marinen mineralischen Rohstoffe als eine Option der industriellen Rohstoffversorgung aufgezeigt sowie die technologischen Herausforderungen eines umweltverträglichen Tiefseebergbaus verdeutlicht werden. Wesentliches Ziel dabei ist es, die Potenziale für die deutsche Wirtschaft herauszuarbeiten.
Technologische und rohstoff-politische Potenziale für die deutsche Wirtschaft, in: Schiff & Hafen Juni 2012 Nr.6.

Weitere spannende Berichte aus der Unterwasserwelt entnehmen wir der Website des bereits bei Schätzing erwähnten und real existierenden Forschungsschiffs „Sonne“.
Hier finden Sie ein Video von Dr. Michael Wiedicke-Hombach von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe über die Erkundung von Manganknollen.

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