„Asia’s Naval Expansion – An arms race in the making?“

Wir haben an dieser Stelle Geoffrey Till und sein Buch Seapower – A Guide for the 21st Century bereits vorgestellt. Nun hat Till zusammen mit dem renomierten International Institute for Strategic Studies (IISS) in London sein nächstes Werk mit dem Titel „Asia’s Naval Expansion. An arms race in the making?“ veröffentlicht. Im Fokus stehen tatsächlich die maritimen Ansprüche Chinas in der Region und die Reaktion der USA auf diese.

Indeed, the most obvious and worrying example of a potentially dangerous operational specificity has to be the emerging competition between Chinese Anti-Access/Area Denial concepts on the one hand and American responses in the shape of the Air-Sea Battle on the other. Both concepts only really make sense, and justify their enormous budgets, when pitted against each other – just as did the German and British concepts of battlefleet operation of 1914.

China stellt verstärkt territoriale Forderungen nach Inselgruppen im Ostchinesischen Meer und steht dabei im Konflikt mit regionalen Nachbarn wie Japan, Phillipinen, Südkorea und Vietnam. Der Besitz der Inselgruppen soll sowohl wirtschaftliche Vorteile durch das Erschliessen von Ressourcen bringen, als auch die chinesische Einflusssphäre und Verteidigungslinie erweitern. Die Antwort der USA ist eine verstärkte Zuwendung zum pazifischen Raum. Beide Länder haben massiv mit der Aufrüstung und Ausweitung ihrer Marinestreitkräfte begonnen, beide haben strategische Konzepte entwickelt die jeweils auf den anderen abzielen:

Given [the] possible range of US responses, the PLAN [People Liberation Army Navy – Marine der Volksrepublik China] could not hope to overwhelm the US Navy for the forseeable future provided the US were able to concentrate sufficient assets in the area of concern. But the PLAN would nevertheless seem able to hold the US Pacific Fleet at increasing risk. At the very least, the US Navy’s capacity to provide ‚dominance on demand‘ in the waters of Northeast Asia is going to be significantly harder to achieve in the future that it has proved in the past.

While the US Navy’s planned expansion to a future fleet of 313 ships may seem unaffordable, its current level of 280 ships far exceeds the naval strength of any possible competitor. […] Its eleven fleet carriers and ten light carriers […] operate 980 aircraft, twice as many as those carried on all sixteen carriers of the next nine countries, put together. It will be many years before this commanding global lead in deployable naval power is seriously compromised: ‚The concensus of sources is that the size and level of operational experience of the US Navy and Air Force makes it nearly impossible for potential opponents to mount a serious challenge in the waters and air space over the world’s oceans. This is likely to continue until 2035.‘

Das bedeutet für die Region, dass trotz aller Anstrengungen China auch in absehbarer Zeit nicht dazu in der Lage sein wird, militärische maritime Fähigkeiten auf hohem Niveau zu realisieren.Till sieht die Gefahren eines Wettrüsten in der Region nicht, die in der Tat stattfindende Modernisierung und der Zuwachs von maritimen Fähigkeiten, besonders der neue chinesische Flugzeugträger, seien höchstens Symptome der konkurierenden politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen, aber kein Selbstläufer mit Automatismus zum bewaffneten Konflikt.

Was Till allerdings nicht berücksichtigt ist, dass China keine Parität der Mittel braucht um sowohl die USA in Südostasien auf Abstand zu halten und gleichzeitig selber in der Region zu expandieren. Genau aus diesen Gründen setzt China auf Asymetrie: Es reicht, die US Navy durch Uboote und Abstandswaffen wie Seezielflugkörper und ballistische Raketen aus den chinesischen Meeren heraus zu halten. Das dort entstandene Vakuum kann dann mit den vorhandenen chinesischen Mitteln gefüllt werden, die im Vergleich zu den meisten anderen Ländern in Südostasien ausreichend, wenn nicht sogar überlegen sind. Aus solch einer lokalen Dominanz ließe sich für China nicht un erhebliches wirtschaftliches sowie politisches Kapital schlagen.

Wer nun einwenden möchte, es spiele keine Rolle ob chinesische oder amerikanische Kriegsschiffe dominieren und ob überhaupt diese Art von maritimer Hegemonie nötig sei, übersieht das Grundsätzliche: Die amerikanische Dominanz auf den Weltmeeren bedeutet freien Zugang zu Handel und Wirtschaft für alle Völker, die daran teilnehmen möchten. Eine chinesische Dominanz zur See, wenn auch nur lokal in den südostasitaischen Meeren, würde diese kompromislose Freiheit per Definition einschränken und somit vor Ort abschaffen.

Geoffrey Till: Asian’s Naval Expansion. An arms race in the making?
International Institute for Strategic Studies, London 2012

Ein Gedanke zu „„Asia’s Naval Expansion – An arms race in the making?“

  1. The Asia-Pacific region is likely to be the fulcrum of international security affairs in the twenty-first century. As the region’s economies become stronger, defence budgets are rising and navies are expanding and modernising. Some aspects of this procurement drive show signs of action–reaction dynamics between peer competitors – the hallmark of an arms race. Is the Asia-Pacific on the brink of an outright naval arms race, that could entail vast expenditures, threaten regional security and severely disrupt global trade? Or can rising naval capabilities and a desire for prestige among regional powers be reconciled with economic interdependence, freedom of navigation and managed competition between great powers?
    This Adelphi analyses the naval expansion of the four major Asia-Pacific powers – the US, China, India and Japan. It looks at recent and planned procurement to find examples of action–reaction behaviour, and analyses the underlying tensions and the potential for competition. It offers an insight into the size, expenditure and capability of the naval forces in each country and the role of the navy in overall military strategy; examines naval philosophies and specific security concerns, and how these will influence decision-making; and assesses how each nation’s naval strategy is evolving in response not only to global threats, but to shifts in the regional power balance.

    So lautet die Buchbeschreibung bei Amazon. Hilfreicher Tip: Kann für $ 9.99 als ebook auf Kindle heruntergeladen werden.

    Vom Inhalt geht es also nicht nur um China und die USA, sondern um die Marinen, die künftig eine wesentliche Rolle im regionalen Kontext spielen werden. Was ist eigentlich mit der Zusammenarbeit zwischen USA und Japan und künftig auch Indien? China fühlt sich hierdurch nicht bedroht?
    Vorsicht vor dem Geschrei um China. Von den ca 2.500 Inseln der Spratleys gehören China 7. Zu Taiwan braucht man nur Deng Xiaping zu zitieren: Taiwan kommt zu China, egal ob dies 20 Jahre, fünzig Jahre oder hundert Jahre dauert. Steht uns hier wirklich ein maritimer Gegensatz bevor?
    Zum Thema Sea Denial: Es hat noch keiner die Zielgenauigkeit der chinesischen D21 gesehen und ausgewertet. Hier geht es überwiegend um Spekulationen westlicher Geheimdienste.
    In den USA geht es – wie immer – um den Kampf ums Budget. Schauen wir mal was in den nächsten Tagen passiert.
    In China braut sich in der Gesellschaft erheblicher sozialer Zündstoff zusammen. Dort werden dann eher Gelder als in der Rüstung gebraucht.
    Dies ließe sich mit anderen Beispielen wie Flugzeugträger, Stealth Fighter etc. fortsetzen.
    Till hat in seinem Buch ein Fragezeichen gesetzt. Ja, man kann in Ruhe die Zeit nutzen, um miteinander zu reden. Die ASEAN Staaten werden immer zugänglicher zu dem was wir in Europa mit KSZE und KSE geschafft haben.
    Die bekannte westliche Schwarz-weiß Malerei hilft hier nicht weiter.

Ihre Meinung zählt!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s