Casanova und der Seehandel

Er war nicht nur ein Meister der Liebe und Verführung, sondern verstand auch den Zusammenhang zwischen maritimer Abhängigkeit und Wohlstand! Folgende Worte formulierte der venezianische Schriftsteller und Lebemann Giacomo Girolamo Casanova (1725 – 1798) bereits im 18. Jahrhundert in seinen Notzien über seine Reise nach Preußen:

Anfang Juli 1764 in Berlin eingetroffen, weiß Casanova zumindest zweierlei: dass nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges, dessen Zerstörung und Kosten den Staat an den Rand des Bankrotts gebracht hatten, der preußische König auf der Suche nach neuen Geldquellen sein muss; und dass Preußen, nicht anders als in den anderen europäischen Staaten, durch eine weitere Erhöhung der Steuern aus der verarmten Bevölkerung keine zusätzlichen Gelder mehr herauszupressen sind. Dem Besucher entgeht nicht, dass es sich bei der jungen Großmacht nach wie vor um einen bitterarmen zurückgebliebenen Staat handelt. „Industrie“ und „Kapital“, notiert Casanova, würden auch hier zwar „Wunder wirken“, aber nicht ausreichen, um aus Preußen einen „guten Staat“ zu machen, solange der König den Handel nach Kräften behindere, um alles Geld im Lande und unter Kontrolle zu halten.

Giacomo_Casanova

Giacomo Girolamo Casanova, Gemälde von Anton Raphael Mengs.

Dass der König davor zurückgeschreckt sei, 50 Millionen Taler für den Aufbau einer eigenen Marine auszugeben, bemerkt der Venezianer Casanova in einer späteren Notiz, habe bittere Folgen gezeitigt: „Das sicherste Mittel, um die Macht eines Staatswesens zu vergrößern, ist die Schifffahrt; besonders wenn ein Export an überschüssigen Waren möglich ist. Der Überschuss hat ja für ein nicht seefahrendes Volk keinen Wert, oder dieser Wert hängt von dem Willen fremder Seefahrer ab.“
Hartmut Scheible: Sie sind ein sehr schöner Mann. Lotterien, Projektemacher, absolutistische Herrscher und bürgerliche Anstellungen: Giacamo Casanova bewirbt sich bei Friedrich dem Großen, versteht aber den König nicht. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. August 2012, S.N4.

Ein besonderer Dank für den Artikelhinweis geht an eine ganz bestimmte Spürnase aus dem DMI!

2 Gedanken zu „Casanova und der Seehandel

  1. Casanova zeigt, dass man auf dem reißenden Strom der Liebe unterwegs sein kann, ohne das Maritime aus dem Auge zu verlieren. Ein Ansporn für uns alle! 🙂

  2. Der Alte Fritz argumentierte, eine Fregatte koste soviel wie ein Regiment, und um auf See überhaupt etwas darzustellen, brauche man so viele Schiffe, dass das die Armee entscheidend schwächte. Der Casanova’sche Gedanke, dass eine Marine die wirtschaftliche Basis Preußens entscheidend vergrößern könnte, lag ihm fern. Darin Unterschied er sich von seinem Urgroßvater, dem Großen Kurfürsten.
    Im kontinental geprägten Deutschland machten auch ihn seine Siege zum „Großen“. Dabei wird übersehen, dass seine Konzentration auf die Armee neben dem Erfolg zugleich die Begrenzung Preußens auf eine regionale Großmacht bedingte. Diese Begrenzung betraf unter anderem die Möglichkeiten des überseeischen Handels. Das mag man als realistische Bescheidenheit preisen, darf dabei jedoch nicht übersehen, dass diese Bescheidenheit in erster Linie zu Lasten des Lebensstandards der Bevölkerung ging,
    meint
    der Segler

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