Wie wäre es mit einem Nationalen Hafenkonzept?

Am 13. Februar lesen wir in der Tageszeitung Die Welt folgendes:

Nationales Hafenkonzept gefordert
In der deutschen Hafenbranche und auch in der Politik diskutiert man nach wie vor darüber, welche Funktion der JadeWeserPort überhaupt wahrnehmen soll. Gegner der Elbvertiefung fordern ein nationales Hafenkonzept. Sie argumentieren, Wilhelmshaven könne mit 18 Metern Wassertiefe unabhängig von Gezeiten die besonders großen Containerfrachter abfertigen, die aus Asien nach Deutschland kommen. Die Vertiefung und Verbreiterung der Elbe sei deshalb unnötig.

Hamburgs Hafenwirtschaft hält dagegen, der JadeWeserPort sei „eine Ergänzung“ zu den bestehenden Kapazitäten in Deutschland, aber keineswegs ein Argument gegen die Elbvertiefung. Deutschlands größter Seehafen Hamburg müsse weiterhin für Containerschiffe aller Größen erreichbar bleiben.
Kurzarbeit am JadeWeserPort in Wilhelmshaven, von Olaf Preuß, Ludger Fertmann und Martin Kopp. Die Welt, 13. Februar 2013.

Hintergrund ist die zu geringe Auslastung des neu eröffneten JadeWeserPort in Wilhelmshaven – zur Zeit wird der Hafen bloß mit zwei Schiffen pro Woche von der Redeerei Mærsk angelaufen. In der Tat muß der Neuling JadeWeserPort erst seinen Platz in der bestehenden Hafenlandschaft finden, Verlaß auf planwirtschaftliche Versprechen aus der Zeit vor der Krise ist allerdings nicht:

Aus der Branche heißt es, Mærsk habe für das Terminal eine Mindestmenge an Containern zugesagt, halte diese aber nicht ein. Stattdessen bringe Mærsk mehr Ladung nach Rotterdam und nehme eine Konventionalstrafe in Kauf. Mærsk wies das zurück: „Wir laufen den JadeWeserPort mit einem Überseeschiff aus dem Fernostdienst AE-1 sowie mit einem Zubringerschiff für die Ostseeregion jeweils einmal in der Woche wie geplant an“, sagte Deutschland-Manager Thilo Heinrich der Welt. Verschiebungen von Ladung nach Rotterdam gebe es nicht.
Kurzarbeit am JadeWeserPort in Wilhelmshaven, von Olaf Preuß, Ludger Fertmann und Martin Kopp. Die Welt, 13. Februar 2013.

Wir sind gespannt, ob die neu gewählte rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen dieses Thema in der kommenden Legislaturperiode ernsthaft aufgreift. Sowohl die SPD als auch die Grünen haben in ihr jeweiliges Wahlprogramm Positionen zu den Hafenstandorten Hamburg und Wilhelmshaven gemacht, die auf jeden Fall ein übergeordnetes Hafenkonzept zur Folge haben müssten, ohne dass dieser Begriff jedoch fällt.

2 Gedanken zu „Wie wäre es mit einem Nationalen Hafenkonzept?

  1. Typisch für die Germanen! Es herrscht Kirchtumsdenken vor, statt des großen Wurfs: Natürlich braucht es eine nationale Hafenstrategie, im Rahmen einer nationalen maritimen Logistik- und Infrasturktur-Strategie – als Teil einer europäischen Gesamtstrategie. Es geht nicht um Hamburg gegen Wilhelmshaven, Rotterdam und Antwerpen sind einzubeziehen. Wenn man nicht in größeren Gebinden denkt, dann bleibt man tatsächlich bei der Elbvertiefung hängen.

  2. Vorsicht mit den Forderungen nach einer nationalen Hafenstrategie. Man sollte erst einmal genau hinschauen, auf welchen irrigen Annahmen in Wilhelmshaven gebaut wurde. Hier hat wohl sehr stark die Reederei Maersk ihre Finger im Spiel.
    Brauchen wir wirklich die Ultra large Container Carrier (ULCC), die schon jetzt nicht mehr durch den Suez Kanal passen. Man spricht dann eher von Malakkamax, da sie gerade noch durch die Straße von Malakka passen.
    An der Jade wurde auch einmal ein Ölterminal für sehr große Tanker gebaut. Nur sind diese bereitss seit Jahren von den Weltmeeren verschwunden.
    Und wenn schon von Kirchtumpolitik die Rede ist: man spircht sich als Bundesland Niedersachsen gegen die Elbvertiefung aus, um den JadeWeserPort zu stützen und ihm mehr Schiffe als bisher zuzuführen.
    Bevor wir in Diskussionen über nationale Hafensstrategien einsteigen – die müßten dann ja auch zu Entscheidungen über die Schließung unrentabler Häfen führen – sollten sich die Betreiber der Häfen mal an einen Tisch setzen, um sich abzustimmen.

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