„Zukunftsperspektiven der maritimen Wirtschaft in Deutschland“

Am 8. und 9. April findet die Achte Nationale Maritime Konferenz in Kiel statt, organisiert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Die Eröffnungsrede hält Bundeskanzerlin Angela Merkel, Verkehrsminister Peter Rammsauer und Umweltminister Peter Altmaier werden zum Abschluss der Konferenz das Wort an die Telnehmer richten.

Auf der Konferenz sollen insgesamt sieben Themen behandelt werden, entsprechende Workshops sollen dabei Handslungsempfehlungen für die Bundesregierung erarbeiten:

  • Schiffbauindustrie,
  • Hafenwirtschaft und Logistik,
  • Seeschifffahrt,
  • Meerestechnik,
  • Offshore-Windenergie,
  • Klima und Umweltschutz im Seeverkehr sowie
  • Maritime Sicherheit.

Im Februar veröffentlichte die Bundesregierung in Vorbereitung für die Konferenz ihren dritten Bericht über die Entwicklung und Zukunftsperspektiven der maritimen Wirtschaft in Deutschland – hier finden Sie eine kurze Auswahl der wichtigsten Aussagen:

  • Die maritime Wirtschaft bleibt eine Zukunftsbranche, auch wenn das Wachstum gegenwärtig durch eine gedämpfte globale Wirtschaftsentwicklung und den Auswirkungen der Euro- und Bankenkrise spürbar gebremst wird. Energiewende, Klima- und Umweltschutz, Rohstoffversorgung – zu diesen zentralen Zukunftsfragen kann die maritime Wirtschaft wichtige Antworten geben. Seeschifffahrt, Häfen, Schiffbau und -zulieferindustrie, die Meerestechnik, die Offshore-Windenergie sowie maritime Forschung und Entwicklung gehören deshalb weiterhin zu den Kernbereichen unseres nationalen maritimen Interesses. Durch eine integrative maritime Politik sollen Beschäftigung, Wertschöpfung und Ausbildung gesichert und der maritime Standort Deutschland gestärkt werden.
  • Deutsche Reeder stellten 2012 nach vorliegenden Angaben 163 neue Schiffe in Dienst, darunter 54 Containerschiffe. Aufgrund erhöhter Verschrottungen und Schiffsverkäufe zur Tonnageverknappung schrumpfte die deutsche Flotte aber insgesamt leicht. Deutschland besitzt dennoch mit 3 750 Handelsschiffen (Stand 30. September 2012) und einem Marktanteil von 9,4 Prozent nicht nur die drittgrößte Handelsflotte weltweit, sondern auch die jüngste und modernste. Im Bereich Containerschifffahrt verfügt Deutschland über ein Drittel der weltweiten Containerschifffahrtskapazitäten (4,8 Mio. TEU) und ist damit weiterhin international führend.
  • Im Zuge des weltwirtschaftlichen Konjunkturabschwungs hat sich auch das Wachstumstempo des Güterumschlags  in den deutschen Seehäfen verlangsamt. Nachdem der deutsche Seegüterumschlag 2011 um rund 11 Prozent auf 295 Mio. t Güter stieg, nahm der Gesamtumschlag 2012 um etwa 3,5 Prozent auf 304 Mio. t zu und liegt damit  noch um 5 Prozent unter dem Vorkrisenniveau (2008: 318 Mio. t). Gleichzeitig entwickelte sich der Hinterlandverkehr der deutschen Seehäfen weiter sehr dynamisch. Dabei wurden aber Engpässe in der Schienen- und Straßeninfrastruktur im Hinterlandverkehr erneut deutlich sichtbar. Langzeitprognosen gehen davon aus, dass sich das Güterverkehrsaufkommen in den deutschen Seehäfen deutlich steigern wird. Das dadurch zu erwartende weitere dynamische Wachstum der Seehafenhinterlandverkehre erfordert vor allem den zügigen Ausbau einer leistungsfähigen, bedarfsgerechten Verkehrsinfrastruktur. Dies ist ein Kernziel des Nationalen Hafenkonzepts für die See- und Binnenhäfen. Der Ausbau der seewärtigen Zufahrten deutscher Seehäfen und leistungsfähiger Hinterlandanbindungen ist einer der investitionspolitischen Schwerpunkte der Bundesregierung.

Quelle: Dritter Bericht der Bundesregierung über die Entwicklung und Zukunftsperspektiven der maritimen Wirtschaft in Deutschland, 25. Februar 2013.

Wir halten fest: Die Bedeutung der maritimen Wirtschaft ist für Deutschland gleichbleibend hoch, trotz internationaler Währungs- und Wirtschaftskrisen. Trotz langfristig guten wirtschaftlicher Prognosen ist der aktuelle Sturm jedoch noch nicht ausgestanden, Wirtschaft und Politik suchen sich gegenseitig zu stützen. Dabei wird der maritime Sektor bereits jetzt mit Zuschüssen von etwa 90 Millionen Euro im Jahr bedacht. So reist der Verkehrsminister mit der Forderung nach Kiel, die maritime Wirtschaft, und dabei die Reeder und Werften im Besonderen, auch in Zukunft verstärkt mit Bundeshilfe zu unterstützen. Mit Beginn der Konferenz in Kiel ist mit einem Ausbau staatlicher Unterstützung – oder zumindest den Forderungen danach – zu rechnen:

„[…]Die Banken hätten sich weitgehend aus der Schiffbaufinanzierung zurückgezogen, klagte er und forderte finanzielle Hilfen: „Wir brauchen deshalb weiter gemeinsame Bund- und Länderbürgschaften. Der Bund darf die Länder in dieser schwierigen Situation nicht allein lassen.“
Es dürfte schwierig werden, den Verkehrsminister in dieser Frage noch zu bewegen. Ramsauer reist mit der Botschaft nach Kiel, dass die Reeder von der Bundesregierung Kontinuität erwarten dürfen. Nicht mehr und nicht weniger. So sei die Tonnagesteuer eine wesentliche Rahmenbedingung für die Wettbewerbsfähigkeit des Schifffahrtsstandortes Deutschland, lobte Ramsauer.
„Damit dies so bleibt, wird die Bundesregierung auch daran festhalten“, stellte er klar. Wichtig sei aber: „Die deutschen Reeder müssen im eigenen Interesse dafür sorgen, dass die Voraussetzungen für dieses wichtige Instrument eingehalten werden. Wir brauchen als Grundlage für die Tonnagesteuer auch eine starke Handelsflotte unter deutscher Flagge.“ […]
Auch, so betont der Verkehrsminister, habe die Bundesregierung für die Seeschifffahrt rund 60 Millionen Euro in den Haushalt eingestellt. Diese stünden als Zuschüsse für die Lohnnebenkosten und für Ausbildung bereit. „Das werden wir auch in 2014 so machen“, versprach Ramsauer.“
Quelle: Werften und Reeder wollen mehr Geld vom Bund, Welt Online 7. April 2013.

Das sind die Rahmenbedingungen für die maritime Wirtschaft im Jahre 2013. Wir sind gespannt, welche Handlungsempfehlungen erarbeitet werden und wie eine neue Regierung ab Herbst 2013 diese angehen wird!

3 Gedanken zu „„Zukunftsperspektiven der maritimen Wirtschaft in Deutschland“

  1. Was fehlt ist die politische Leidenschaft für das Maritime. Leidenschaft ist nicht als unseriöse Sentimentalität im Kieler Matrosenanzug zu verstehen. Es geht um das strategische Verständnis von der Bedeutung des Maritimen für eine führende Handelsnation im globalen Kontext. Daher genügt auch kein Koordinator für die maritime Industrie – neben dem Koordinator für die Luft- und Raumfahrtindustrie – im Wirtschaftsministerium; dies ist einfach das Abhaken von Themenfeldern in einer Koalitionsregierung. Es bedarf des Koordinators der Bundesregierung für die strategische Industrie, angesiedelt im Kanzleramt! Zu seinen/ihrern Aufgaben gehören neben dem Maritimen die Sicherung der Rohstoffversorgung sowie der kritischen Infrastruktur.

  2. Wie stark sich der Seeverkehr entwickeln soll, kann man hier (http://n-tv.de/wirtschaft/Seeverkehr-schwillt-an-article10435346.html) gut nachlesen. Schade, dass die Kanzlerin bei der Maritimen Konferenz zwar hehre Worte über die Bedeutung der deutschen Seehäfen gefunden hat, aber keine konkreten Maßnahmen ergreift, um die Infrastruktur auszubauen. Nur ein paar Beispiele für Handlungsbedarf:
    – Bahnanbindung (Y-Trasse, JadeWeserPort)
    – Elbvertiefung
    – Nord-Ostsee-Kanal
    – Küstenautobahn (A 20)
    Es hilft auch nicht, einen norddeutschen Verkehrsminister zu fordern, solange sich die Küstenländer gegenseitig Steine in den Weg legen, sei es aus sachlichen Eigeninteressen oder aus ideologischen Gründen. Erst wenn sich alle auf ein gemeinsames Mindestkonzept für die Stärkung der Seewirtschaft einigen, wird man vom Bund erfolgreich Hilfe einfordern können,
    meint
    der Segler

  3. Ein Teil der Zukunftsperspektiven der deutschen Wirtschaft sind sichere Seewege. Interessantes dazu gibt es bei der 14. Combating Piracy Hamburg, 23. – 26. April in Hamburg
    Volker Niebergall

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