„Das Wissen um maritime Räume“

„Man muss nicht jeden Fachbegriff übersetzen! Was sich jedoch hinter ‚Maritime domain awareness‘ verbirgt, geht über das hinaus, was man allein innerhalb der Community zu besprechen hat: ‚Das Wissen um maritime Räume‘ sollte nationaler Anspruch sein und Teil der Großen Erzählung, die es transatlantisch neu zu schreiben gilt,“ so Heinz Schulte, Chefredakteur von griephan, in seinem Vorwort für die aktuelle Aprilausgabe der Fachzeitschrift MarineForum.

„Es genügt, den Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Ulrich Grillo, zu zitieren: ‚Vier Fünftel des Welthandels und weit mehr als die Hälfte des deutschen Güterverkehrs sind auf sichere maritime Handelswege angewiesen. Diese Routen sind die logistischen Pulsadern unserer Weltwirtschaft. Und diese Pulsadern dürfen nicht durchtrennt werden.‘ Aus eben diesem Grund muss Berlin an einer umfassenden Sicherheitsvorsorge ein (industrie)strategisches Interesse haben […]. Der Begriff ‚Supply chain management‘ wird primär technisch definiert; er hat aber auch eine politische Dimension. Sicherheit der logistischen Ketten beruht auf stabiler Infrastruktur und diese wiederum stützt sich auf politisch und gesellschaftlich feste Fundamente.

Die Premiumklasse der Globalisierung – und damit besonders anfällig – ist ‚Just in time logistics‘. Sie setzt ein außergewöhnlich hohes Maß an Zuverlässigkeit der logistischen Ketten voraus. […] Berlin sollte sich der Herausforderung stellen, europäische Gestaltungsmacht auf dem Gebiet der Sicherung globaler Ströme zu sein – im Dialog mit Singapur, dem diese Aufgabe in Asien zufällt. Und was ist Vorraussetzung für eine derartige, globale Rolle? Das Wissen um maritime Räume!

MaritimeSurveillanceMap

Globale Schiffsbewegungen.
Quelle: Earth Imagin Journal eijournal.com

Und was hat es mit der neuen ‚Großen Erzählung‘ auf sich? Bekanntlich hat der amerikanische Präsident den Europäern jüngst eine transatlantische Freihandelszone angeboten. Es oblag einem Briten, Phillip Stephens (Financial Times), die strategische Dimension auf den Punkt zu bringen: Die Vorteile einer transatlantische Freihandelszone sind geopolitischer Natur! Von erweiterten transatlantischen Strömen, vom Setzen internationaler Standarts bei der Sicherung der logistischen Ketten profitiert besonders Deutschland. […]

Was bedeutet all dies für die Deutsche Marine? […] Der personelle und investive Verteilungsschlüssel hatte seine Legitimation im Kalten Krieg. Eine moderne Marine leitet sich aus dem strategischen Interesse Deutschlands als europäische Gestaltungsmacht auf dem Gebiet der Sicherung der globalen Ströme ab. Dies ist mehr als Bekämpfung der Piraterie. […]

Das grundsätzliche Problem in Deutschland ist nicht ‚Sea blindness‘; es ist eine tief greifende Skepsis gegenüber der Dynamik der Globalisierung, Man exportiert gern, will aber die Sicherung der globalen Ströme – und die sind im Wesentlichen maritim – nicht wahrnehmen. (Somit bleibt die Elbvertiefung ein lokales Thema.) Es schadet aber nicht, wenn man im Lande und vorallem an der Spree mehr über die See weiß.“

Ein Gedanke zu „„Das Wissen um maritime Räume“

  1. Inhaltlich ist diesem kurzen, knackigen Statement von Heinz Schulte aus dem Marineforum 04-2013 nichts hinzuzufügen. Es erschien sogar vor der nationalen maritimen Konferenz in Kiel vom 08.04.-09.04.13. Nur, dort scheint die Botschaft nicht angekommen zu sein.
    Da maritime Sicherheit nicht erst seit heute das Bohren äußerst dicker Bretter bedeutet, sollte man vielleicht diesen Artikel an Herrn Bagger als Leiter Planungsstab des AA, an Herrn Pofalla im Bundeskanzleramt und an die Staatssekretäre im BMWi und BMVBS schicken mit der Bitte, die Position ihres Hauses hierzu darzulegen.
    Sonst werden nur die Gläubigen noch gläubiger.

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