Warum Elbvertiefung & Globalisierung zusammengehören

„Kapitän hält Elbvertiefung für unverzichtbar
Die umstrittene Elbvertiefung ist nach Ansicht des Kapitäns des derzeit weltgrößten Containerschiffs unbedingt erforderlich. „Die Hamburger Elbe muss dringend vertieft und verbreitert werden. Wir benötigen acht Stunden, um im Hafen anzukommen. Das bringt die Dinge ins Stocken“, sagte Zlatko Kapovic, einer der beiden Kapitäne der „Alexander von Humboldt“, heute in Hamburg. Der 396 m lange Frachter der französischen Reederei CMA CGM, auf den rund 16 000 Teu passen, soll heute Abend in Hamburg getauft werden. Die „CMA CGM Alexander von Humboldt“ hatte am Dienstag im Hafen festgemacht.“
Quelle: DVZ Brief-Express, 30. Mai 2013

Spiegel Online meint dazu:

„Alexander von Humboldt“: Größtes Containerschiff der Welt wird in Hamburg getauft
[…] Mit der Taufe in Hamburg will die Reederei auch ein politisches Zeichen setzen: Für den dortigen Hafen sind die Containerriesen bislang zu groß. Wenn die Elbe nicht vertieft wird, könnten die Schiffe mit ihren bis zu 16 Metern Tiefgang den Hamburger Hafen nicht voll beladen anlaufen. Die geplante Erweiterung der Elbfahrrinne wird derzeit vom Bundesverwaltungsgericht geprüft, Umweltschützer befürchten dadurch ökologische Schäden. […]

Inwieweit eine französische Reederei politische Zeichen in Hamburg setzt oder setzen möchte sei dahin gestellt. Wenn schon handwerklich notwendige Infrastrukturmaßnahmen als politisches Manöver wahrgenommen werden, zeigt dies, daß a) man das Problem für die Schifffahrt nicht mehr ignorieren kann; und daß b) hier (einseitig) ideologische Grabenkämpfe ausgetragen werden, wie sie sich bei allen (deutschen) Großvorhaben der jüngeren Zeit beobachten lassen.

Tatsächlich haben wir in Deutschland und Europa ein Problem mit der Globalisierung insgesamt, das Maritime ist dabei nur eines von mehreren Leidenskapiteln (wenn auch eines der wichtigeren), welches sich daraus ableitet:
Das grundsätzliche Problem in Deutschland ist nicht ‘Sea blindness’; es ist eine tief greifende Skepsis gegenüber der Dynamik der Globalisierung, Man exportiert gern, will aber die Sicherung der globalen Ströme – und die sind im Wesentlichen maritim – nicht wahrnehmen. (Somit bleibt die Elbvertiefung ein lokales Thema.) Es schadet aber nicht, wenn man im Lande und vorallem an der Spree mehr über die See weiß,
so Heinz Schulte, Chefredakteur griephan Briefe, im April.

Die Welt ist groß und kompliziert, mit der Globalisierung verstärkt sich die Vernetzung von Menschen, Ideen, Waren und ihren Strömen – ein Prozess der den modernen Menschen von Anfang an begleitet. Die Antwort darauf kann nicht das Einfrieren von lokaler Flora und Fauna als Mittel zur Wahrung des eigenen, bequemen Weltbildes sein.

Wenn wir über maritime Infrastruktur sprechen, meinen wir natürlich nicht nur die Schiffe und ihre Häfen – denn alles was aufs Schiff rauf geht muss auch wieder herunter. Wie schaut es eigentlich mit dem Ausbau der Bahnanbindung in Norddeutschland (Y-Trasse, JadeWeserPort) aus? Was macht das nationale Hafenkonzept?

Eine dazu passende Meldung am Rande auf Spiegel Online vom 31. Mai 2013:

Kanzlerin vs. Rot-Grün: Merkel erwägt milliardenteure Wahlkampfgeschenke
[…] Ferner habe Merkel zugesichert, dass sie im Falle eines Wahlsiegs in der kommenden Legislaturperiode jährlich eine Milliarde Euro mehr in die Infrastruktur investieren wolle, vornehmlich in Straßen, Schulen und das Breitbandnetz. […]

Ob die Elbvertiefung ihren Weg in diese Fördermaßnahme finden wird?

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