„Moin, moin, Weltwirtschaftslok“

Als maritimer Blog sind wir eingefleischte Logistikfreunde, und so freuen wir uns natürlich darüber, wenn deutsche Unternehmen alle möglichen Logistikketten bedienen und ihren Teil zu Handel und Wohlstand in der Welt beitragen. Deutschland ist immerhin Globalisierungsgewinner! Folgenden Artikel konnte man am 2. August auf Spiegel Online finden:

Deutsch-chinesische Güterstrecke: Moin, moin, Weltwirtschaftslok
Von David Böcking

Bahn-Chef Rüdiger Grube persönlich hat in Hamburg einen Zug mit 51 Containern aus dem chinesischen Zhengzhou begrüßt. Der Empfang zeigt: Selbst wenn sie stottert, weckt die „Lokomotive der Weltwirtschaft“ in Deutschland noch viele Hoffnungen.

[…] Von Chinas Wirtschaft kamen zuletzt eher unerfreuliche Nachrichten. Das Wachstum stockt, die Regierung muss um eine Rate von sieben Prozent kämpfen. Für solch einen Wert würden die meisten westlichen Regierungschefs zwar immer noch auf Knien danken. Doch China gilt bekanntlich als Lokomotive der Weltwirtschaft und diese, so wird neuerdings geraunt, gerate nun ins Stottern.

Das mit der Lokomotive war freilich immer ein etwa schiefes Bild, denn seine Waren bringt China bislang weniger übers Gleis als über die Meere in alle Welt. Nun aber kommt im Umschlagbahnhof Hamburg-Billwerder tatsächlich eine Lok an. Nicht weniger als 51 Containerwagen zieht sie hinter sich her, gefüllt mit Kleidung, Schuhen und Reifen. In den vergangenen 15 Tagen haben sie 10.214 Kilometer hinter sich gebracht – durch China, Kasachstan, Russland, Weißrussland und Polen.

Organisiert wurde die Fahrt von der Bahn-Logistiktochter Schenker. Die fährt schon länger nach China, unter anderem für BMW, das Teile aus Leipzig ins nordöstliche Shenyang bringen lässt. Der Transport ist zwar teurer als per Schiff, dauert dafür aber auch nur halb so lange.[…]
Spiegel Online:  Deutsch-chinesische Güterstrecke: Moin, moin, Weltwirtschaftslok. 2. August 2013.

Es ist also gelungen, 51 Container in etwas mehr als zwei Wochen von China nach Hamburg zu verfrachten, die Bahnstrecke schließt also die Zeitlücke zwischen Flugzeug und Seetransport für zeitsensible Fracht die zu schwer oder überdimensioniert für das Flugzeug ist. Gleichzeitig zeigt die Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Hamburg-Zhengzhou die Stärken des maritimen Transportweges, denn tatsächlich ist die Geschwindigkeit der einzige Vorteil der Eisenbahnstrecke: Handel und Transport über See ist günstiger und in größeren Mengen und Abmessungen möglich.

Zhengzhou Zug nach Europa Karte

Zugverbindung Zhengzhou – Hamburg. Quelle: DB Schenker.

Die Eisenbahnverbindung zeigt aber auch andere Probleme auf, selbst wenn diese nicht sofort sondern erst langfristig auftreten. Die hohe Zahl der Transitstaaten stellt an sich ein Problem dar: Zölle und Transitkosten, abhängig von der individuellen politischen und gesellschaftlichen Stabilität des Landes schwankende Versicherungsraten, unterschiedliche Währungen, politische Abhängigkeiten aufgrund all dessen. Desweiteren können Staaten zerfallen und neu entstehen, was die zuvor genannten Faktoren erneut durcheinander bringt. Die Weltmeere selbst sind frei von Zöllen und politischen Abhängigkeiten und die allermeisten Staaten haben über ihre Küsten Zugang zu diesen freien Meeren – sie können am globalen Handel teilnehmen, ohne von Dritten abhängig zu sein.

Zu Recht bietet DB Schenker in seinem Logistikportfolio die Verbindung Norddeutschland-China an und zeigt auf, daß das Koordinieren und Stellen der Weichen zu einer zusammenhängenden Strecke eine komplexe logistische Dienstleistung ist, denn die Strecke selber muss ja nicht erst neu erschlossen und verlegt werden – (sonst hätte es ja längst jemand anderes früher gemacht.

Es darf die Frage gestellt werden, ob auch die Strecke Hamburg-Zhengzhou aufgrund all dieser Faktoren nur eine Episode ist oder sich wirklich langfristig über mehrere Generationen etablieren kann. Vom Orientexpress oder der Transsibirische Eisenbahn ist außer dem nostalgischen Nachgeschmack nichts weiter geblieben, jedenfalls nicht der globalwirtschaftliche Footprint den man sich von ihnen erhofft hatte.

6 Gedanken zu „„Moin, moin, Weltwirtschaftslok“

  1. „Die Eisenbahnverbindung zeigt aber auch andere Probleme auf, selbst wenn diese nicht sofort sondern erst langfristig auftreten. Die hohe Zahl der Transitstaaten stellt an sich ein Problem dar: Zölle und Transitkosten, abhängig von der individuellen politischen und gesellschaftlichen Stabilität des Landes schwankende Versicherungsraten, unterschiedliche Währungen, politische Abhängigkeiten aufgrund all dessen. Desweiteren können Staaten zerfallen und neu entstehen, was die zuvor genannten Faktoren erneut durcheinander bringt. Die Weltmeere selbst sind frei von Zöllen und politischen Abhängigkeiten und die allermeisten Staaten haben über ihre Küsten Zugang zu diesen freien Meeren – sie können am globalen Handel teilnehmen, ohne von Dritten abhängig zu sein.“
    Diese sehr treffenden Aussagen einfach an Frau Merkel, Herrn Westerwelle und Herrn Rössler weiterleiten. Vielleicht werden diese Häuser ja noch wach. Wäre dann noch rechtzeitig vor dem EU Gipfel im Dezember 2013, bei dem es um eine neue Europäische Sicherheitsstrategieund maritime Strategie gehen soll. Dann bräuchten allerdings die Delegationen klare Weisungen und nicht nur das von Deutschland in diesem Kontext gewohnte Schweigen (die anderen werden es schon richten)!!

  2. Stimme den beiden zu. Wir müssen die verschiedenen logistischen Ströme in einen großen Kontext stellen. Es bleibt die wesentliche Aufgabe, die Bedeutung der (maritimen) logistischen Ströme in das politische Bewusstsein zuheben.

    Zu diesem Themenkomplex lese ich im DVZ-Brief Express (08.08.2013):
    USA verschärfen Security-Auflagen für Inboundflüge
    Die USA haben die Sicherheitsauflagen für Aircargo-Transporte in das Land deutlich verschärft. Sendungen mit Ursprung in 26 Staaten müssen am letzten Flughafen vor der Landung auf US-Boden einen speziellen Sicherheits-Check durchlaufen. Zu diesen Staaten gehören die Türkei, Ägypten, Äthiopien, die Vereinigten Arabischen Emirate und auch Südafrika, erfuhr die DVZ. Jedes Frachtstück muss jetzt bei der Zwischenlandung etwa am Frankfurter Flughafen einzeln überprüft werden. Dadurch kann es beim Transit zu erheblichen Verzögerungen kommen. Außerdem sind durchgehende Sammelsendungen etwa von Kairo via Frankfurt in die USA nicht mehr möglich.

  3. Man kann der Bahn zu dieser Leistung nur gratulieren. Natürlich wird eine solche Strecke nie die Transportmengen des Seeweges aufnehmen können. Aber sie ist eine Ergänzung und ein Beweis für die Leistungsfähigkeit der deutschen Logistik. Wir können mehr als Chemie und Autos bauen, sondern sind in der strategischen Top-Sparte Logistik ganz vorn. Deshalb ist es Pflicht der deutschen Politik, dieser Sparte zu pflegen, unter anderem, indem sie den ihr möglichen Schutz zur Verfügung stellt, natürlich in Verbindung mit geeigneten Partnern. Das gilt nicht nur für die euro-atlantische Region sondern global, d.h. überall wo wir Geschäfte machen. Wir müssen uns umsehen, wer uns wo zur Seite stehen kann, um die Sicherheit des Handels zum Wohle aller Beteiligten zu garantieren,

    meint
    der Segler

    • Man sollte dann aber auch die richtigen weiteren Überlegungen anstellen. Was passiert in Deutschland, wenn Seehandelswege für kurze Zeit unterbrochen werden? Welche Güter könnten oder eher müßten dann mit der Bahn befördert werden, um die Logistikkette möglichst wenig negativ zu beeinflussen?

  4. Genau aus diesem grund muss es eine Gesamtstrategie Logistik auf nationaler, europäischer und – für den Fall des Zustandekommens einer transatlantischen Freihandelszone – atlantischen Ebene geben. Diese Gesamtstrategie hat ein sicherheitspolitisches und militärisches Kapitel.

  5. Noch eine kurze Antwort zu Jopp: dass eine durch mehrere Länder laufende Eisenbahnlinie zeitweilig unterbrochen wird, erscheint mir nicht nur aus politischen, sondern auch aus betrieblich-technischen Gründen sehr viel wahrscheinlicher, als die Sperrung von Seewegen, wenn man von Kanälen mal absieht. In jedem Falle ist man flexibler, wenn man von dem einen auf den anderen Weg ausweichen kann,
    meint
    der Segler

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