Auf intellektueller Butterfahrt

Butterfahrt
Als Butterfahrt bezeichnete man (seit ca. 1970) eine Einkaufsfahrt auf einem Ausflugdampfer, die über die auf See gelegene Zollgrenze von Deutschland hinausführte. Der kurzzeitige Aufenthalt im Ausland ermöglichte es, zahlreiche Artikel wie Butter, Tabak, Spirituosen und Parfüm billiger einzukaufen und abgabenfrei nach Deutschland einzuführen.
Soweit Wikipedia.

Auf intellektueller Butterfahrt befand sich Sebastian Harmel, Direktkandidat der Piraten Sachsen für die kommende Bundestagswahl 2013 und ehemaliger Zeitsoldat mit Einsatzerfahrung, über die er am 25. Juli im Handelsblatt berichtete. Wir haben uns seinen Gastbeitrag angeschaut und möchten einige Passagen hervorheben, die für diesen Blog interessant sein könnten:

Warum die Verteidigungspolitik das Grundgesetz unterminiert
Der Pirat Sebastian Harmel glaubt, dass die neue Imagekampagne der Marine ein Schuss vor den Bug unserer Gesellschaft ist. Denn sie propagiere Wohlstand durch Militär. Dass es immer um Gewalt geht, wird verschleiert.
Von Sebastian Harmel.

Leipzig. Dank der Enthüllungen von Edward Snowden über „Tempora“ und „Prism“ wird klar, wie weit wir auf dem Weg zu einem weiteren Überwachungsstaat in Deutschland fortgeschritten sind. […]

Wer Weltmacht sein will, muss bereit sein, sich zu „beteiligen“, erzählen uns die Sicherheitspolitiker und Rüstungslobbyisten. Ja, woran eigentlich? In unserem Falle wohl an der Bespitzelung, Ausbeutung und Unterdrückung anderer Menschen und ganzer Gesellschaften. Natürlich nur im Sinne des Mantras von Verantwortung und Stabilität liefern wir Waffen in alle Welt, bilden Militärs zu besserer Gewaltanwendung – auch gegen die eigene Bevölkerung – aus und schicken unsere Flottendienstboote in trauter Zweisamkeit mit dem BND auf große Abhörfahrt. […]

Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler sprach aus, worum es wirklich [bei der Erweiterung des Sicherheitsbegriffs] geht. Unsere Kinder, Eltern und Geschwister, die Dienst in den Streitkräften leisten, sollen für wirtschaftliche Interessen und zur Sicherung von Ressourcen eingesetzt werden. Das Risiko ihres Todes oder ihrer Verwundung auf dem Weg zur Bereicherung wird in Kauf genommen. Die Bundeswehr hat nach der Neuausrichtung im Kern ein mindestens 10.000 Soldaten starkes Expeditionskorps, das flexibel weltweit eingesetzt werden soll. Die Aussetzung der Wehrpflicht war die dafür notwendige Kappung der Verankerung in der Gesellschaft. Truppengattungen oder Bereiche, die sich nicht mit einsatzrelevanten Fähigkeiten rechtfertigen können, werden abgebaut. Für den globalen Einfluss als Führungsmacht, wie ihn viele strategische Think-Tanks herbeischreiben und Politiker herbeisehnen, kommt der Marine als Mittel der Machtprojektion und Kanonenbootdiplomatie schon immer eine privilegierte Rolle zu. Dennoch sind allein damit die Kosten für fünf neue Korvetten mit 1,2 Milliarden Euro in Zeiten der Krise und des Sozialabbaus schwer schmackhaft zu machen. […]

Da erscheint die Imagekampagne „Meer. Für Dich“ für die Marine genau zur richtigen Zeit. In bunten Videos, die sich um Benzin, Mobiltelefone und Bananen drehen, wird eine falsche Verknüpfung zwischen Wohlstand und der Marine hergestellt. Bei den zahlreichen Explosionen ist kein Blut zu sehen, aber letztendlich ist das Töten von Menschen die logische Konsequenz der dargestellten Gewalt. Ähnlich wie beim Slogan „Geiz ist geil“ wird durch die Kampagne an einen diffusen Egoismus appelliert. […]
Sebastian Harmel: Warum die Verteidigungspolitik das Grundgesetz unterminiert. 25. Juli 2013, Handelsblatt Online.

Wir begrüßen, daß die Piraten in Sachsen es nicht scheuen, solch komplexe Themen wie Sicherheits- und Sozialpolitik, persönliche und wirtschaftliche Freiheit, Auftrag der Marine und Verankerung der Streitkräfte in der Gesellschaft zu einer zusammenhängenden Meinung zu formulieren:  Nicht weniger als unser Grundgesetz und der Weltfrieden sind bedroht! Wir halten dies für intellektuell schlichtes Geschwurbel.

Der Autor begibt sich auf die sprichwörtliche Butterfahrt, um sich wohlfeil im Krämerladen der abgedroschenen Klischées zu bedienen. Er polemisiert (tun wir auch, jetzt gerade zum Beispiel), vereinfacht Zusammenhänge und liegt nicht selten sachlich daneben. Das ist im politisch-medialen Mastbetrieb nicht ungewöhnlich, muss aber nicht immer unwidersprochen bleiben.

Dem Schlusswort des Beitrages stimmen wir allerdings uneingeschränkt zu:

Sprachliche Nebelkerzen und politisches Neusprech sind zu dekonstruieren. Veränderung und Umdenken beginnen bei dir. Bring dich ein, entscheide mit und geh wählen!

2 Gedanken zu „Auf intellektueller Butterfahrt

  1. Vor der Landtagswahl in Niedersachsen gab es hier einen Überblick über die Positionen der Parteien zu maritimen Dingen. Bekommen wir das auch noch vor der Bundestagswahl,
    fragt
    der Segler

    • Der Beitrag ist bereits geschrieben und wird am kommenden Sonntag den 1. September hier im Blog freigeschaltet – 3 Wochen vor der BTW, damit sich zeitnah Gedanken um die Positionen der Parteien gemacht werden kann!

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