Maritime Zahlen & Fakten – der Jahresbericht 2013

Jedes Jahr veröffentlicht das „Dezernat Handelsschifffahrt und Marineschifffahrtleitung“, angesiedelt im Marinekommando der Deutschen Marine, seinen Jahresbericht über die maritime Abhängigkeit Deutschlands. Dass der Bericht nicht aus dem Bundeswirtschaftsministerium stammt mag die Frage aufwerfen, ob man dort dem Thema weniger Bedeutung zumißt als ihm eigentlich zusteht. Andererseits zeigt es auf, dass die Deutsche Marine ihre Rolle in der maritimen Erzählung verstanden hat – denn die Aufgaben einer modernen Marine definieren sich genau aus diesen maritimen Abhängigkeiten heraus, wie sie sich für Deutschland in einer vielfältig politisch und ökonomisch vernetzten Welt ergeben.

Der Jahresbericht fällt auch diesmal mit über 265 Seiten sehr üppig aus. Wir geben zunächst eine sehr knappe Vorschau zu den Zahlen und Themen, die uns beim Blättern zunächst aufgefallen sind. Über die kommenden Wochen werden wir die einzelnen Kapitel dann genauer unter die Lupe nehmen!

Aus dem Jahrbericht 2013 – Zahlen und Fakten zur maritimen Abhängikeit Deutschland:

ContainerUmschlagJahresbericht2013

Container beim Umschlag.
Quelle: Hapag-Lloyd.

Deutsche Handelsflotte
„Die Anzahl der unter deutscher Disposition fahrenden Handelsschiffe ist im Jahr 2012 um 3,3 % leicht gesunken. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Schiffe unter deutscher Flagge um 15,5 % abermals deutlich verringert. Die deutschen Reeder und Schifffahrtsgesellschaften bereederten am 31.12.2012 […] 3.671 Handelsschiffe mit 89,14 Mio. BRZ. Davon fuhren 106 Schiffe mit 2,82 Mio. BRZ unter fremder Flagge und waren in ausländischen Registern eingetragen. Das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik […] registrierte am 1.1.2013 4.027 Schiffe (darunter 387 Schiffe unter dt. Flagge) in deutscher Hand. Dies entspricht 8,5% der Welttonnage und reicht hinter Griechenland, Japan und China zu Rang vier der Nationenwertung. 448 Seeschiffe fuhren unter deutscher Flagge. Ihre Tragfähigkeit betrug 15,27 Mio. dwt (13,2 % der gesamten deutschen Eignertonnage). Die von deutschen Reedern kontrollierte Containerschiffsflotte
ist nach wie vor die größte der Welt und umfasste zu Beginn des Jahres 2013 insgesamt
1.887 Containerschiffe über 1.000 BRZ mit 71,4 Mio. dwt und verfügte mit 5,57 Mio. TEU über 34,3 % der weltweiten Containerstellplatzkapazitäten. Allerdings führten nur 278 von diesen Schiffen die deutsche Flagge.“
Zusammenfassung Jahresbericht 2013, S. 5.

Containerschifffahrt
„Die Top 15 der Containerreedereien kontrollieren zu Beginn 2013 66,4 Prozent der Containerschiffe. Die seit vielen Jahren größte Containerschiffsreederei Maersk Line [Dänemark] verfügt über eine Flotte von 556 Schiffen. Auf Rang zwei folgte die Schweizer Reederei MSC vor der französischen Reedereigruppe CMA-CGM. Die beiden großen deutschen Reedereien Hapag Lloyd und Hamburg Süd lagen auf den Plätzen sechs und elf. Den größten Zuwachs an Stellplatzkapazität in den letzten fünf Jahren konnte die China Ocean Shipping Compnay (COSCO) mit 57 Prozent verzeichnen.“
Jahresbericht 2013, S. 41.

JahresberichtMarineAbhängigkeit2013Top10Container

Tabelle Top 10 der Containerschiffseigner nach Ländern.
Quelle: Jahresbericht Maritime Abhängigkeit Deutschland 2013, S.43.

Deutscher und internationaler Schiffsbau
„Auch 2012 haben die Akquisitionserfolge deutlich gemacht, dass die deutschen Werften in einem schwieriger werdenden Wettbewerbsumfeld in der Lage sind, attraktive Aufträge zu gewinnen. Die Bestellungen zeigen, dass die Ausrichtung auf Marktnischen, in denen individuelle Lösungen für spezielle Einsatzanforderungen gefragt sind, erfolgreich ist. Schiffskonzepte, die energieeffiziente und umweltschonende Lösungen anbieten und dem Reeder einen kostenoptimalen Betrieb während der gesamten Lebensdauer erlauben, haben dabei die besten Chancen. Davon unabhängig ist jedoch zu beachten, dass in zahlreichen Konkurrenzländern die Regierungsunterstützungen für den Schiffbau gestiegen sind und den Wettbewerb verzerren. Erschwerend wirkt sich für die deutschen Werften zusätzlich die Zurückhaltung vieler Banken bei Unternehmens- und Auftragsfinanzierungen aus. Um in der Akquisition gegenüber staatlich unterstützten Konkurrenten bestehen zu können, sind wettbewerbsfähige Finanzierungskonzepte unabdingbar.“
Jahresbericht 2013, S.79.
Siehe auch „Mut zur Lücke – Deutscher Schiffsbau bedient verstärkt Nischensegmente„.

Fazit
Zunächst gibt es keine großen Überraschungen – die Entwicklung der Weltwirtschaft hat bei der Containerschifffahrt und den Schiffsbauern international ihre Spuren hinterlassen. China und Südkorea holen weiterhin kräftig auf beim Schiffsbau, die Chancen der etablierten westlichen Werften liegen vermehrt bei technischer Innovation und Hightech-Nischenprodukten. Deutschland ist wirtschaftlich weiterhin dramatisch vom freien maritimen Zugang abhängig. Interessant wird die Analyse, welche Trends für das nächste Jahr sowie mittelfristig zu erwarten sind – und ob und wo sich in dem Bericht 2013 doch noch Überraschungen verstecken!

Anmerkung: Sobald der komplette Bericht online verfügbar ist wird er hier verlinkt!

2 Gedanken zu „Maritime Zahlen & Fakten – der Jahresbericht 2013

  1. Es ist gut, dass die Deutsche Marine trotz Umbau weiterhin diesen Service bietet. Schade, dass das Wirtschaftsministerium immer noch nicht mitmacht.
    Bei den dargebotenen Zahlen taucht die Frage nach einer Handelsflotte der USA auf. Diese ist im Vergleich substantiell kaum vorhanden. Dennoch schützen gerade die USA die weltweiten Handelswege. Wann und in wlcher Form will den Deutschland im Kontext der EU mehr Verantwortung übernehmen?

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