Deutschland ist Logistikstandort Nr.1…

…so urteilt die Weltbank in ihrem Logistikleistungsindex LPI. An zweiter und dritter Stelle finden sich die Niederlande und Belgien. Das bei der letzten Erhebung 2012 noch bestplatzierte Singapur stürtze um vier Plätze auf Rang 5 ab.  Laut dem Branchendienst Deutsche Verkehrs-Zeitung DVZ wurden für das Ranking über 160 Länder auf Faktoren wie „Zollabfertigung, Vehrkehrs- und IT-Infrastruktur, Dienstleistungsqualität, Möglichkeiten zur Sendungsverfolgung und Pünktlichkeit“ untersucht.
Hier gelangen sie zum englisch-sprachigen Bericht der Weltbank!

Und so sieht die Top 10 der Logistik-Weltrangliste aus:

#1   Deutschland
#2   Niederlande
#3   Belgien
#4   Großbritannien
#5   Singapur
#6   Schweden
#7   Norwegen
#8   Luxemburg
#9   USA
#10 Japan

Trotz aller offensichtlicher Unterschiede zwischen armen und reichen Ländern, global betrachtet steigert sich die Logistikleistung: In allen Regionen der Erde wuchs der Logistikindex im Durchschnitt an. Am Beispiel von Kambodscha wird deutlich woran das liegen kann:

„In Ländern mit niedrigen Einkommen werden die größten Zunahmen in der Regel durch Verbesserung der Infrastruktur und bei Grundlegenden Fragen der Grenzkontrolle erzielt“, heißt es in dem Bericht [der Weltbank]. Das könne Beispielsweise die Reform einer Zollbehörde sein. So hat sich Kambodscha von Rang 101 in 2012 auf aktuell Rang 83 verbessert, weil die Zollprozeduren automatisiert wurden. Die Abfertigung dauert im Schnitt 1,4 Tage, 2010 waren es noch 5,9 Tage.
Es zeigt sich insgesamt, dass die armen Länder aufholen, allerdings verringert sich die Lücke zur Spitze nur langsam.

Deutschland fährt also mit einem Weltmeistertitel im Gepäck zur WM nach Brasilien!
Nachdem wir uns kurz darüber freuen durften braucht man gar nicht lange Luft zu holen um festzustellen, dass diese Platzierung nicht zum Ausruhen und Selbstbejubeln einladen sollte. Vielleicht verrät sie sogar mehr über die Schwächen der Anderen als über Deutschlands logistische Stärken.

Ener der Vorteile der Logistik ist es ja, dass man auch dann wirtschaftlich und politisch relevant bleibt, wenn man die Produkte der Konkurrenz transportiert. Ein Anderer, dass man logistische, und dadurch gesellschaftliche, Standards definiert anstatt sie nur umzusetzen.

Daraus leitet sich ab, dass wer ganz oben mitspielt oder eben mitspielen will, sich seiner Verantwortung bewusst sein muss – mindestens gegenüber den Nutzern der Infrastruktur. Dazu gehört aber auch die strategische Sicherheit der maritimen Transportketten. Man könnte auch sagen: Adel verpflichtet!

Die Realität in Deutschland sieht jedoch etwas anders aus – eine Meldung aus dem DVZ-Brief von Ende März informiert:

Der Hamburger Hafenlogistiker HHLA macht sich so seine Sorgen um die nächsten Monate. Dabei spielen nicht nur die offenen Fragen nach Elbvertiefung und konkreter Planung zum Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals eine Rolle. Es geht auch darum, wie gut die HHLA mit den Problemen der Infrastruktur zurechtkommen wird. In Hamburg wird ab Sommer die A7 im großen Stil auf Jahre hinaus und auf vielen Kilometern aufgerissen und mit einem Deckel versehen. Containertrucker schimpfen seit Wochen über die zähe Abfertigung im Hafen. Wenn sich nicht bald etwas zur Klärung der Lage ergibt, wird sich der aktuelle Protest gegen den zu erwartenden Stau im Sommer wie ein Therapiegespräch ausnehmen.
DVZ-Brief 28. März 2014

Das diese Problematik nicht reine Schwarzmalerei ist, sondern wir als Logistikstandort Nr.1 bereits mitten im übertragenen und tatsächlichen Stau drinn stecken, entnimmt man folgender Meldung:

            Lkw-Fahrer erheben Stau-Zuschlag für Hamburg

Transportunternehmen wollen bis zu 80 Euro mehr pro Container für Fahrten zum Hafen. Krisentreffen mit Senator.

Die Dauerstaus rund um Hamburg werden jetzt teuer für den Hafen. Mehr als 30 Transportunternehmen wollen vom 14. April an einen Aufschlag auf die Transportpreise erheben, der je Containerzustellung zwischen 20 und 80 Euro liegen soll. Es geht um die Kosten der andauernden Verkehrsbehinderungen auf den Straßen rund um die Hansestadt, die wegen der vielen langfristigen Baustellen etwa auf der Autobahn7 entstehen.
Lkw-Fahrer erheben Stau-Zuschlag für Hamburg, in: Hamburger Abendblatt, 5. April 2014.

2 Gedanken zu „Deutschland ist Logistikstandort Nr.1…

  1. Dieser Beitrag zeigt die Komplexität der erweiterten Sicherheitsvorsorge, die mancher in Deutschland noch nicht zur Kenntnis genommen hat. Sicherung der fragilen logistischen Infrastruktur, das Setzen international gültiger Standards wie good governance, anti corruption and rule of law sowie ein Verständnis von den ‚logistischen Treibern‘ (Reedereien, Flug- und Eisenbahngesellschaften, internationale Logistikunternehmen) zeichnen die Champions League der global agierenden Logistikstandorte aus. Und wie der Fussball Champions League wird der Pokal immer wieder neu ausgespielt.

  2. Besonders bedenklich ist, dass Situationen wie am Hamburger Hafen lokal und nicht überregional betrachtet werden. Logistik ist kein Selbstzweck, sie dient anderen Zweigen der Wirtschaft. Deshalb müssen zeitweilige Engpässe über andere Häfen in der Umgebung ausgeglichen werden wie z.B. Bremerhaven oder Wilhelmshaven. Und wieder kommt die Frage auf nach dem nationalen Hafenkonzept …

    Die hatten wir schon öfter,
    meint
    der Segler

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