Buchtipp: Asia’s Cauldron – The South China Sea and the End of a Stable Pacific

Den amerikanischen Journalisten Robert D. Kaplan und sein Buch Monsoon hatten wir bereits vor einiger Zeit vorgestellt. Seine These in Monsoon: Das maritime 21. Jahrhundert wird vom Geschehen in und um den Indischen Ozean geprägt werden! Kaplan zeichnet sich durch eine treffsichere geopolitische Beobachtungsgabe und messerscharfe Analysen aus, beide präsentiert er sprachlich so leichtfüßig wie man es von angelsächsischen Autoren kennt. Auch sein aktuelles Buch, Asia’s Cauldron: The Souh China Sea and the End of a Stable Pacific, steht dem in nichts nach!

In Asia’s Cauldron wendet sich Kaplan dem Südchinesischen Meer zu, welches er mit seiner wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung für Asien mit der des Mittelmeeres für Europa vergleicht. Alleine hier liegen China, Malaysia, die Philippinen und Vietnam im Zwist über maritime Grenzverläufe und Gebietsansprüche. Tatsächlich wird fast das gesamte Südchinesische Meer von China für sich allein beansprucht.

Für Kaplan ist es das Südchinesische Meer, an dem sich der US-amerikanische Anspruch an globaler maritimer Dominanz messen und auch die entscheiden wird. In nicht allzu ferner Zukunft wird China über mehr Kriegsschiffe verfügen als die USA – und diese gebündelt in seinem direkten Umfeld einsetzen können, während die US Navy weiterhin global auftritt. Bereits 2020 soll China über dieselbe Anzahl an U-Booten wie die USA verfügen. Dies wird Washington’s Fähigkeit, Bündnispartner gegen deren großen Nachbarn zu unterstützen und eigene Interessen durchzusetzen zusehends schwächen.

Dabei bleibt Kaplan geopolitischer Realist anstatt Moralist. Er sieht Chinas wachsendes Bedürfnis, direkte Kontrolle über die eigene maritime Domaine auszuüben, als das natürliche Resultat des rasanten ökonomischen und politischen Wachstums des Landes an. Aus Kaplans Sicht muss Chinas Übernahme dieser Kontrolle (und Verantwortung) ohne militärische Konfrontation und dauerhafte Streitpunkte sowohl im Interesse Chinas als auch der USA sein. Aufgrund der politischen Dichte und geographischen Nähe der Akteure, werden die maritimen und politischen Grenzen im Südchinesischen Meer neu gezogen. Chinas Dominanz lässt sich weder bestreiten noch verhindern, im Interesse aller vielleicht mit so wenig Friktion wie möglich gestalten.

Die These der US-amerikanischen Professorin Alexis Dudden: In einigen Generationen werden die Weltmeere nicht mehr blau sein! Stattdessen werden die Weltmeere auf den Karten die Farben von Nationalstaaten annehmen, die sie beanspruchen. Es geht also nicht um Umwelteinflüsse und die „Gesundheit“ der Meere! Die aktuellen Entwicklungen im Südchinesischen Meer sprechen jedenfalls für diese These.

Kaplan’s Asia’s Cauldron ist ein sehr gut geschriebenes, hoch aktuelles und spannendes Buch – dringende Leseempfehlung unsererseits!

Robert D. Kaplan AsiasCauldron
Asia’s Cauldron: The Souh China Sea and the End of a Stable Pacific
Random House, 2014
Zum Beispiel bei amazon.de
Über eine deutsche Übersetzung ist uns zur Zeit leider nichts bekannt.

6 Gedanken zu „Buchtipp: Asia’s Cauldron – The South China Sea and the End of a Stable Pacific

  1. Sicher eine treffsichere Analyse, aber man sollte sich nicht von Zahlen einfangen lassen. China hat im Gegensatz zu den USA keine militärisch relevanten Verbündeten. Die USA können im pazifischen Raum auf Japan, Australien, Taiwan und eine ganze Anzahl weiterer Länder zählen, die an der Einhegung Chinas interessiert sind. China hingegen steht allein, schon deshalb, weil es sich nicht auf Bündnisse einlassen will, sondern darauf setzt, alle Beziehungen bilateral zu gestalten. Divide et impera heißt die Maxime.

    Es wird sich herausstellen, wessen Machtpolitik die erfolgreichere sein wird,
    meint
    der Segler

  2. Stimme Segler zu! Gleichzeitig soll man Chinas asymmetrischen Aufstieg nicht als Begründung für eigenes Rüsten nutzen. Beijing ist nicht das Moskau des Kalten Krieges. Die Chinesen haben den Niedergang der Sowjetunion genau studiert und werden den Fehler eines symmetrischen Wettrüstens mit den USA nicht wiederholen. Die neue maritime Ausrichtung Chinas wird von den pazifischen Ländern, die der Segler bereits genannt hat, aufmerksam beobachtet. Setzt Beijing ausschließlich auf militärische Macht und power projection, wird es im pazifischen Raum und vor allem im Südchinesischen Meer auf Widerstand stoßen.

  3. Danke an die Redaktion für diese sehr frühzeitige Leseempfehlung, denn das Buch ist erst im März 2014 erschienen. Und Kaplan sollte man lesen, denn wie in „Monsoon“ breitet er die geopolitischen Gegebenheiten – nun im südchinesischen Meer – vor uns aus und verweist angesichts vermehrter Rufe des Pentagons auf Containment Chinas erneut auf die eigene Entwicklung der USA nach dem Bürgerkrieg und der Erorberung des Westens der USA Ende des 19. Jahrhunderts. Der Schutz des Küstenvorfelds Chinas ist und belibt für Kaplan legitim. Und es macht keinen Sinn, von Machtpolitik und Nullsummen Spielen zu reden.
    Sind Japans nationalistische Gedankenspiele wirklich harmlos?
    Gerade angesichts der Vorgänge um die Krim und in der Ukraine sollte es uns Europäer daran erinnern, dass wir die längste Friedenszeit für diesen Kontinent der Bereitschaft zum nationalen Verzicht und zur Kompromissbildung verdanken. Hier sieht Kaplan durchaus Möglichkeiten auch für den Kessel Südchinesisches Meer. Kaplan kommt in seiner Einschätzung der weiteren Entwicklung Chinas den Überlegungen von David Shambaugh in seinem Buch „China goes global. The Partial Power“ sehr nahe.
    Lassen Sie uns der Empfehlung der Redaktion folgen: lesen wir Kaplan und beschäftigen uns mit den anhaltenden Veränderungen im asiatischen Raum.

  4. Noch eine Leseempfehlung zu diesem Thema, wenn auch nicht mit diesem Tiefgang: http://www.focus.de/politik/experten/jaeger/finanzschlacht-statt-militaerischer-krieg-wie-die-usa-ihre-neue-weltmachtpolitik-an-russland-testen_id_3788826.html

    Thomas Jäger ist Professor für Außenpolitik an der Uni Köln. Er beschreibt die Ukraine-Krise als einen ersten Testlauf finanzbasierter amerikanischer Außenpolitik, die Präsident Obama bei seiner anstehenden Südostasienreise in diese Region weitertragen wolle. Dabei geht es zunächst darum, an Russland auszuprobieren, ob man ein Land zum Paria der Finanzmärkte machen kann, um es so in die Knie zu zwingen. Dieser Finanzkrieg sei alles andere als kalt.

    Lesenswert
    meint
    der Segler

    • Danke für diesen Hinweis. Erinnert wieder an eine Studie von zwei Obersten der PLA von 1999, die in den USA inzwischen als „Drei Säulen Strategie“ bezeichnet wird. Zur dritten Säule gehören: Financial Warfare, Trade Warfare, Resources Warfare, Economic Aid Warfare, Regulatory Warfare, Sanction Warfare, Media Warfare, Ideological Warfare. Beide lagen nach eingehender Analyse von US Papieren gar nicht so schlecht.

  5. Dies ist in der Tat eine neue Dimension: Währung und „Kontinentalsperre“ gegen China als Mittel der Eindämmung. Fleet empfiehlt zu diesem Thema das Buch „The Power of Currencies and the Currencies of Power“ (IISS, London)

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