Globale Überfischung – es ist noch nicht ganz 5 vor 12

Um mal in Frau Käßmanns Bauchladen des Offensichtlichen zu wildern: Nichts ist gut in unseren Weltmeeren.  Stimmt leider, Vermüllung, Versauerung, Klimawandel und nicht zuletzt Überfischung sind gut dokumentierte und bekannte Probleme, an denen unsere Ozeane leiden. Das alles kann nicht ohne Folgen für die Meeresbewohner bleiben, von denen wir nicht unwesentlich abhängig sind: Die globalen Bestände sind derartig dezimiert, sodass trotz stetig verbesserter Fangmethoden immer weniger Fisch gefangen wird.

Tatsächlich sind über 22 Jahre die globalen Fischerträge um etwa 18% gesunken – von etwa 80 Millionen Metrischen Tonnen 1988 auf etwa 66 Millionen MT 2010. Gobal sind es die bekannten Faktoren Überfischung, aber auch die Veränderung des Welt- und Ozeanklimas, welche die Bestände an maritimen Leben insgesamt dezimiert haben und weiterhin bedrohen. Ein „weiter so“ kann es jedenfalls nicht geben, da anhand dieser Zahlen die globale Fischversorgung und die Gesundheit der maritimen Ökosysteme auf dem Spiel steht. Bei uns vor der Haustür sind von 1700 untersuchten Arten an Fischen, wirbellosen Tieren und Großalgen in den deutschen Nord- und Ostseegewässern etwa 30 Prozent gefährdet, so das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn.

You’ve heard of Peak Oil – maybe this is Peak Fish? I hope not…„, so die amerikanische Meeresbiologin Jackie Savitz in ihrem sehr aufschlussreichen TED-Talk im Oktober 2013. Bei allen ökonomischen und ökologischen Problemen, von denen unsere Ozeane geplagt sind, weist Savitz darauf hin, dass die Bestände sich erholen können, wenn man sie nur läßt:

Bei einer nachhaltigen Erholung der globalen Fischbestände bei gleichzeitiger inteligenter Befischung wären laut Savitz deutlich höherer Fangmengen möglich, selbst die 1988 erreichte Spitze von 80 Millionen MT Fischfang könnte deutlich übertroffen werden. Dies wiederum könnte helfen die globale Ernährungslage zu verbessern.

In der Tat muss der Zustand der Weltmeere Anlass zur Sorge geben, dabei hängt so viel von ihnen ab. Wie schwierig selbst nationale Bestrebungen zur Verbesserung der Situation sind, kann zur Zeit in den USA beobachtet werden: US-Präsident Barack Obama prescht

So berichtet Spiegel Online diese Woche:

Umwelt-Erlass: Obama will mehr Meer schützen
Barack Obama schafft beim Umweltschutz offenbar erneut Tatsachen: Der US-Präsident will laut einem Zeitungsbericht bestehende Meeresschutzgebiete im Pazifik deutlich ausweiten – per Erlass, ohne Zustimmung des Parlaments.

Die Hoffnung, den Umweltschutz im Konsens mit den oppositionellen Republikanern voranzutreiben, hat Barack Obama offenbar endgültig aufgegeben. Erst Anfang Juni hat der US-Präsident den Kohlekraftwerken in seinem Land verbindliche Emissionsregeln vorgeschrieben – mithilfe der Umweltschutzbehörde EPA, vorbei am Parlament.

Jetzt plant Obama offenbar ein ähnliches Vorgehen beim Schutz der Meere. Wie die „Washington Post“ unter Berufung auf Regierungsbeamte berichtet, wird der Präsident am Dienstag die Ausweitung bereits bestehender Meeresschutzgebiet im Pazifik verkünden. Auch hier will sich Obama demnach nicht um eine Mehrheit im Parlament bemühen, sondern die Veränderungen per Erlass durchsetzen. Sollte der Plan Bestand haben, würde sich laut dem Bericht die globale Gesamtfläche geschützten Meeresgebiets auf einen Schlag verdoppeln.

Außerdem werde der Präsident laut dem Bericht ein umfassendes Programm zum Kampf gegen Betrug und Schwarzmarkthandel in der Fischerei auflegen. Erst vergangene Woche hat die US-Regierung ein Gesetz verabschiedet, das es der Öffentlichkeit ermöglicht, weitere Meeresschutzgebiete entlang der US-Küsten und in den Großen Seen zu benennen.
Spiegel Online, 17. Juni 2014

Nun könnte man die beschriebene Ablehnung der Maßnahmen als grundsätzliche Fundamentalopposition der Republikaner abtun. Die geäußerte Kritik erscheint allerdings berechtigt, wenn denn die gewünschten Maßnahmen nicht auf solidem politischen Fundament gebaut sind nützen sie langfristig wenig.

Wie nötig nationale Initiativen dennoch sind, zeigt folgende Statistik: etwa 7x soviele der weltweiten Fänge werden innerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszone eines Landes, d.h. das Gebiet jenseits des Küstenmeeres bis zu einer Erstreckung von 200 sm (370,4 km), gefischt im Vergleich zur Hohen See. Das heißt, die betroffenen Länder können direkt politischen und handwerklichen (Überwachung) Einfluss nehmen. Die multi- oder sogar supranationale Lösung der Problematik muss sich dann als Folgeschritt aus dem individuellen Interesse der jeweiligen Staaten heraus ergeben.

2 Gedanken zu „Globale Überfischung – es ist noch nicht ganz 5 vor 12

  1. Es ist gut, dass ein Blog des MARITIMEN Instituts diesen Aspekt aufgreift! Augenscheinlich handelt es sich bei dem Thema „Überfischung der Weltmeere“ nicht länger um ein esoterisches Anliegen notorischer Latzhosenträger, sondern ist in die Mitte der globalen Diskussion getreten. Wer das Maritime Ernst nimmt, muss das Meer in seinerm ökölogischen Dimension in Rechnung stellen.
    Meint Fleet

  2. Wie dramatisch die Lage ist, zeigt der Jahresbericht 2014 des United Nations Environment Programme:

    „Plastic waste in oceans is causing $13 billion of damage each year, according to the UNEP report, and that figure could be much higher. Worldwide plastic production is projected to reach 33 billion tons by 2050, and plastic makes up 80% of litter on oceans and shorelines.“
    So berichtet CNN Online vorab aus dem Bericht, der auf der Website demnächst verfügbar ist.
    „Ten to 20 million tons of plastic end up in the ocean each year, from litter, runoff from poorly managed landfills, and other sources. Once it’s in the water, plastic does not degrade but instead breaks into smaller pieces and swirls in massive ocean gyres, creating soupy surfaces peppered with the material.
    ‚It’s not just an ocean problem, it’s a business and a municipal issue,‘ Woodring said. ‚The ocean is just downstream of our activities. The real solution is upstream at the producer and user end.'“

    (CNN Artikel: http://edition.cnn.com/2014/06/24/world/ocean-plastic-trash/index.html?hpt=wo_c2)
    (UNEP: http://www.unep.org/yearbook/2014/)

    Ich persönlich möchte daran glauben, dass es mit moderner Technologie und Einfallsreichtum möglich ist, die Meere drastisch zu säubern und dann auch sauber zu halten – sowohl durch entsprechende Maßnahmen zur See als auch durch Anpassung durch die Konsumgesellschaften.

    Für die bitter nötigen Aufräumarbeiten bieten sich zum Beispiel halb- oder vollautonome Dronen im Schwarm und Verbund zu Wasser und in der Luft an, die zBsp. die schwimmenden Müllhaufen identifizieren, umschließen oder einfangen und einem Aufnahmeschiff zuführen. Problematisch könnte allerdings auch hier lebender Beifang sein.

    Die Frage ist doch weniger die technische Machbarkeit, sondern viel mehr wer soll zu welchem politischen und wirtschaftlichen Preis die Verantwortung und Durchführung übernehmen kann und will…

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