Maritime Sicherheit vor Westafrika – vernetztes Handeln gefordert!

Über Jahre hat die Piraterie vor Somalia für Schlagzeilen gesorgt. Kriegsschiffe aus NATO- und EU-Ländern wurden gegen die Piraten eingesetzt, und viele andere Nationen beteiligten sich am Kampf gegen den alten Schrecken der Meere, darunter China, Indien und Russland. Auch aus Westafrika hört man von Überfällen auf Schiffe, und doch ist dort alles ganz anders.

Anders deshalb, weil der Großteil der Überfälle in den Hoheitsgewässern von Ländern stattfindet, die im Gegensatz zu Somalia keine gescheiterten Staaten sind. Den Einsatz fremder Kriegsschiffe in ihren Gewässern sind sie nicht bereit zu akzeptieren. Sie bestehen – zu recht – auf ihrer Souveränität und ihrem staatlichen Gewaltmonopol für die Bekämpfung von Verbrechen in ihrem Territorium. Deshalb wird den Handelsschiffen, die westafrikanische Häfen anlaufen, zum Teil sogar verboten, bewaffnete Schutzkräfte mitzuführen.

Die Schifffahrt in dieser Region ist also weitgehend auf die örtlichen Sicherheitskräfte angewiesen. Die immer wieder gemeldeten Überfälle zeigen jedoch, dass diese nicht immer in der Lage sind, für ausreichenden Schutz zu sorgen.

Um diese Situation zu verbessern, helfen westliche Staaten seit längerem dabei, die Leistungsfähigkeit der Sicherheitskräfte in Westafrika zu verbessern. So entsenden die USA seit einigen Jahren im Rahmen des Programms „African Partnership Station“ Kriegsschiffe, die als schwimmende Klassenzimmer für Angehörige örtlicher Polizeien, Küstenwachen und Marinen eingesetzt werden.

Andere Nationen beteiligen sich an diesem Programm, und die deutsche Marine hat mehrfach Personal an Bord der US-Schiffe mitgeschickt. Im Frühjahr 2014 hat sich Deutschland erstmals mit einem ganzen Schiffsverband an dieser Aufgabe beteiligt. Der Einsatzausbildungsverband nahm am Manöver „Obangame Express“ teil, einer seit Jahren laufenden Übungsserie.

Dieser Beitrag der Seehandelsnation Deutschland zur maritimen Sicherheit hat in der heimischen Presse leider (zu) wenig Beachtung gefunden. Dabei ist ein solcher präventiver Einsatz sicherlich klüger als das Vorgehen auf der anderen Seite Afrikas, wo man das Kind hat in den Brunnen fallen lassen.

Das Beispiel sollte also zu denken geben. Auf Dauer ist das Problem der Piraterie nur innerhalb der Länder zu lösen, von denen die Gefahr ausgeht. Die Lösung liegt demnach also an Land und in der Stärkung afrikanischer Staaten, um zu vermeiden, dass externe Marineverbände in diesen Regionen dauerhaft präsent sein müssen. Hier sind die Protagonisten der Vernetzten Sicherheit – oder wie es jetzt heißen soll, des Vernetzten Handelns – gefordert!

5 Gedanken zu „Maritime Sicherheit vor Westafrika – vernetztes Handeln gefordert!

  1. Hilfe zur Selbsthilfe sollte mit dem Aufbau eines Grenzüberschreitenden maritimen Lagebilds ( Maritime Domain Awareness) beginnen. Und wenn wir hier Radargeräte u.ä. liefern, darf dies nicht mehr als Rüstungsexport verteufelt werden. Dazu benötigt man dann auch Daten einer großräumigen Seeaufklärung. Warum diese nicht mit einem Pool (z.B. der EU) von Aufklärungsdrohnen ausstatten, die dort zeitlich begrenzt zur Unterstützung vor Ort eingesetzt werden können. Dazu kommen dann noch kleine wendige OPVs.
    An Land können Innenministerium mit Polizeikräften der Bundespolizei See helfen, das benötigte kno how aufzubauen. Kriminalpolizei und Wirtschaftsfachleute können helfen, die Geldströme zu überwachen. Hier gibt es ja inzwischen einiges an Wissenaus dem Somalia Einsatz.
    Wär ein Gedanke für vernetztes Handeln (Personal könnte sich aus der EU rekrutieren).
    Machbar, wenn man politisch will. Sonst wird es – wie immer, wenn man zu spät handelt – sehr viel teurer.

  2. Volle Zustimmung, Herr Jopp! Sie haben die geforderten Macher angesprochen. Mir ging es noch um einen anderen Aspekt. Wenn der Einsatz der Marine dazu beiträgt, die örtlichen Kräfte zu ertüchtigen – das ist wohl der Ausdruck, den die Kanzlerin dafür gern benutzt -, sodass es erst gar nicht zum Ausufern der Piraterie kommt, dann ist das ein größerer Erfolg als die Bekämpfung der Symptome wie in Somalia. Mit anderen Worten, präventives Handeln, gern auch im Rahmen der eigenen Ausbildung, kann wertvoller sein als der so genannte mandatierte Auslandseinsatz. Nur ist es nicht so spektakulär, und es gibt keine Einsatzmedaille,
    konstatiert
    der Segler

    • Stimme uneingeschränkt zu. Präventive Massnahmen mögen unspektakulär sein. Bei erfolg wiegt das doch alles auf. Und wir könnten ja mit like minded Staaten wie Ghana anfangen.
      Nigeria und sein korruptes System wäre dann noch eine andere Hausnummer.

  3. Schöner Beitrag. Und den obigen Kommentaren kann ich so nur zustimmen. Am derzeitigen unabgestimmten Handeln/Nicht-Handeln in den betroffenen Ministerien kann man gut sehen wie weit wir tatsächlich, von dem aus DEU immer wieder belehrend kommenden Comprehensive Approach“, weg sind. Ressortführung mit Scheuklappen…
    P.S. Das System hat meinen Test des längeren Beitrags im anderen Thread doch tatsächlich überstanden..

  4. Man mag unzufrieden darüber sein, wie unsere Ressorts zusammenarbeiten. Wenn man sich aber andere Staaten ansieht wie z.B. die USA oder Frankreich, wird man feststellen, dass trotz zentraler Führung die Zusammenarbeit zwischen den Ministerien nicht viel besser ist. In Washington sind die Kämpfe zwischen „State“ und „Defense“ legendär und wer mit Paris versucht hat zusammenzuarbeiten, der weiß, was stovepiping ist, obwohl dieses Wort an sich bereits in Frankreich verboten ist,
    erinnert sich
    der Segler

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