Nach der Krim: Maritime Herausforderung Ostsee?

Die folgende Karte hat vor einiger Zeit in einigen englisch-sprachigen Medien die Runde gemacht, und sollte unter Anderem die maritime Bedeutung der aktuellen Krise zwischen der Ukraine und Russland aufzeigen:

MapUkraine

Quelle: The Washington Post/Royal United Services Institute.

Wir glauben, dass sich die maritime Bedeutung der Krim für Russland nicht in den Öl- und Gasfeldern des Asowsche Meeres erschöpft, sondern der Krim als Basis um maritime Interessen ins Schwarze Meer und darüber hinaus projizieren zu können. In der Zwischenzeit wurde die Lieferung der zwei Mistral Hubschrauberträger durch Frankreich an Russland auf Eis gelegt. Einer der beiden Träger, die Sewastopol, war für den Einsatz in und ausserhalb des Schwarzen Meeres bestimmt. Inwiefern die Schiffe europäischen Nutzern zugefügt werden könnten, bleibt offen.

Wir glauben unterdessen, dass nachdem sich die Pulverschwaden in der Ukraine verzogen haben, es eine handfeste maritime und sicherheitspolitische Herausforderung in und um die Ostsee geben wird. Auf die Frage, was ihrer Meinung nach Vladimir Putin antreibe, antwortete Angela Merkel am 8. September im Sat.1-Interview:
„Der russische Präsident versucht, seine Einflusssphäre abzustecken, auch unter Verletzung und Zerstörung der teritorialen Integrität anderer Länder […].“

Russland unter Vladimir Putin definiert seine Interessen also offen und scharf. Insgesamt bleibt die geostrategische Lage Russlands aus maritimer Sicht, auch wenn Moskau die Krim mit der wichtigen Hafenstadt Sewastopol halten kann, ungünstig: Die geostrategische Situation der russischen Flotte und ihrer Stützpunkte St.Petersburg und der Oblast Kaliningrad ist zwar eine andere als auf der Krim, Russlands Zugang zu den westlichen Meeren durch die Ostsee bleibt allerdings beschränkt und ist aus Moskauer Sicht unbefriedigend.

Das aggresisve russische Bestehen auf vermeintliche Interessenssphären kann man im Ostseeraum schon länger beobachten, die baltischen Staaten können ein Lied davon singen, Finnland ebenso. Seit diesem Jahr weiss auch Schweden, dass die russische Luftwaffe bewusst hoheitlichen Luftraum verletzt und Abwehrreaktionen zu Testzwecken provoziert. Deshalb glauben wir, dass es eine sicherheitspolitische, maritime Herausforderung für die westlichen Anrainerstaaten im Ostseeraum gibt, welche auf die deutsche und europäische Agenda gehört. Deutschland wird sich hier einbringen und einen gestaltenden Anteil einbringen müssen, denn anders als im Konflikt um die Ukraine sind wir durch den Seeweg direkt mit den betroffenen verbunden.

6 Gedanken zu „Nach der Krim: Maritime Herausforderung Ostsee?

  1. Dieser Denkanstoß kommt zur rechten Zeit: Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich die deutsche Sicherheitspolitik nun von der globalen expeditionären Perspektive wieder auf die „Kraut-und-Rüben“ vor der eigenen Haustür konzentrieren muss, dabei sollte doch alles anders sein. Es wird spannend, ob wir dafür gerüstet (im sprichwörtlichen wie direkten Wortsinn) sind!

  2. Wie das Schwarze Meer erfährt die Ostsee jetzt einen neuen Relevanzgewinn. Allerdings sollte man dabei die Verhältnismäßigkeit wahren. Politisch ist es am wichtigsten, jetzt Schweden und Finnland enger an die NATO heranzuführen, evtl. sogar mit Blick auf eine Mitgliedschaft. Aus der geografischen Natur des Schauplatzes heraus ist die Rückversicherung der Polen und Balten vor allem eine Aufgabe von Luft- und Bodenstreitkräften. Wichtig für die Marine dürfte vor allem Aufklärung (SIGINT) sein.

    • Ich stimme Ihnen in der Bewertung Schwedens und Finnlands völlig zu, auch wenn ich nicht davon überzeugt bin, dass sich die Notwendigkeit bereits bei allen (Schweden) rumgesprochen hat.

      Ich widerspreche Ihnen allerdings in der Meinung, dass die geografische Natur des Schauplatzes die Reaktion auf Luft- und Bodenbeschränkt: Natürlich finden Politik und die daraus entsehende Konflikte dort statt, wo die Menschen sind, und das ist an Land in den Ballungszentren – vom Wasser aus aber wirkt man dort hinein, wenn man denn über den Willen und die Fähigkeiten dazu verfügt. Wer eine schnellere Reaktionszeit von NATO-Truppen fordert, muss diese auch strategisch verlegen können! Wer Hoheitliche Aufgaben zusammen mit den Verbündeten durchführen möchte, um Grenzen und Ressourcen zu sichern, muss seine maritime Überwachung koordinieren!

      Mit anderen Worten: Die europäische Antwort auf die aktuelle Situation muss meiner Meinung nach eine starke und glaubwürdige maritime Komponente, im Verbund mit allen anderen Mitteln im Werkzeugkasten, beinhalten!

  3. Teile vollumfänglich die Meinung von Felix. Die Ostsee ist zurück im Fokus dt Sicherheitsvorsorge. Wir brauchen unter anderem ein permanentes Lagebild in der östlichen Ostsee mit Schweden & Finnen.

  4. Auf die Frage, ob wir für die neue Herausforderung gerüstet sind, erhalten wir dieser Tage eine ernüchternde, wenn auch nicht überraschende Antwort. Viele wollen es schon immer gewusst haben. Herr Kujat legt den Finger in eine Wunde, die er selber mitgeholfen hat zu reißen. War er doch der Leiter des Planungsstabs unter Minister Scharping, als die Grundlagen für die Umgestaltung der Bundeswehr gelegt wurden. Als Generalinspekteur hat er seine eigenen Ideen in die Tat umzusetzen gehabt. Da gilt,die Weisheit mit dem Glashaus!

    Unabhängig davon sind jetzt Konsequenzen zu ziehen. Putin respektiert Stärke, während ihn Schwäche reizt weiter zu provozieren. Das Gebot der Stunde ist es deshalb, in Ruhe die Lage zu analysieren und dann mit Priorität die vorhandenen Kräfte einsatzbereit zu machen. Das Geld ist offensichtlich da, wenn gemunkelt wird, aus dem Verteidigungshaushalt flössen wie im Vorjahr Gelder zurück an den Finanzminister.

    Einsatzbereitschaft des Vorhandenen muss vor langdauernden Neubeschaffungen gehen,
    meint
    der Segler

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