„Die militärstrategische Bedeutung des Südchinesischen Meeres“

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein erneuter Vorfall den Inselstreit im Südchinesischen Meer wieder ins Schlaglicht rückt und die Frage nach Chinas Absichten aufwirft. Beijing wird in dem Konflikt meist Hegemonialstreben unterstellt. Dieser Lesart zufolge versucht China, schrittweise die Kontrolle über das Südchinesische Meer zu gewinnen, um eine nach allgemeiner Überzeugung strategisch bedeutsame Region zu dominieren. Eine Untersuchung der militärischen Dimension des Inselstreits kann dazu dienen, manche dramatisierende Darstellung als fragwürdig zu erweisen. Denn die militär-strategische Bedeutung der umstrittenen Inseln ist bei weitem nicht so groß, wie meist behauptet wird. Außerdem liegt zumindest aus militärischer Sicht die Vermutung nahe, dass Beijing im Südchinesischen Meer eher defensive Ziele verfolgt.

Major i.G. Dr. Christian Becker
Die militärstrategische Bedeutung des Südchinesischen Meeres
Überlegungen zum chinesischen Kalkül im Inselstreit
SWP-Aktuell 2015/A 82, September 2015, 8 Seiten

6 Gedanken zu „„Die militärstrategische Bedeutung des Südchinesischen Meeres“

  1. Schade, dass nur die Zusammenfassung abgedruckt wurde. Man sollte daher das Papier erst in Ruhe lesen.
    Das Hegemonialstreben wird übrigens von einem Nichtanrainer besonders betont, der damit eigene Rüstung begründen möchte.

  2. Habe die Zusammenfassung als „Appetitanreger“ verstanden, sich bei Interesse die ganze Studie runterzuladen. Ich denke, dass es dem Charakter eines Blogs entspricht, hinzweise & zu verknüpfen.
    Zum Inhalt: hdj hat Recht! Andere nutzen das chinesische Handeln gern zur Begründung für eigene Interessen. Es ist die seriöse Aufgabe, Fakten von Interessen zu trennen,
    ist Fleet übwerzeugt.

  3. Die (Gesamt-)Studie ist wirklich lesenswert. Sie betrachtet die Situation nüchtern und relativiert den militärischen Nutzen der Inselbesetzungen für China. Was mir dabei etwas zu kurz kommt, sind die politischen und wirtschaftlichen Aspekte.

    Politisch setzt China ein Zeichen, dass niemand es bei seiner offensiven Strategie bremsen kann. Es will seine kleineren Nachbarn einschüchtern. Ob das in allen Fällen gelingt, sei dahinggestellt. In jedem Fall werden Fakten geschaffen und damit zugleich die Grenzen der amerikanischen Schutzmacht aufgezeigt, die das nicht verhindern kann.

    Wirtschaftlich haben diese Fakten über das Symbolische hinaus durchaus Bedeutung. China erhebt Anspruch auf die umliegenden Seegebiete als seine Wirtschaftszone. Die besetzten Inseln dienen an Anspruchsgrundlage, und wer diesen Anspruch in Frage stellt, bekommt die chinesischen Sicherheitskräfte zu spüren. Das geschieht gerade noch unterhalb der Schwelle militärischer Gewalt.

    Die militärischen Erwägungen des Artikels greifen auch insofern zu kurz, als sie auf den offenen Krieg mit den USA abstellen. In einer militärischen Auseiinandersetzung mit jedem der Anrainerstaaten können die Inseln durchaus verteidigt und genutzt werden. Sie stellen also im Frieden und auf vielen Stufen eines eskalierenden Konflikts eine veritable Machtbasis dar, die man nicht unterschätzen darf.

    Das ändert nichts daran, dass eine solche Studie ein wertvoller Beitrag zur sachlichen Diskusssion dieses brisanten Krisenherdes ist,

    findet

    der Segler

  4. @HDJ: Um die Erfahrung zu entwickeln, sind sachlich-kritische Hinweise unumgänglich. Aus meiner Sicht ist die Betrachtung zu sehr darauf fokussiert, ob im großen Krieg die Stellung gehalten werden kann. Das wird diesem maritimen Thema nur teilweise gerecht,
    meint
    der Segler

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