Die Marine im Spannungsfeld zwischen Auftragserfüllung und Attraktivität

Wie bereits angekündigt veröffentlichen wir heute den Essay von Oberleutnant zur See der Reserve Helge Adrians, B.A., dessen Ausführungen den dritten Platz im Aufsatzwettbewerb des DMI und der Deutschen Marine belegten:

Die Bundestagswahl 2013 war in mehrfacher Hinsicht eine Überraschung; Nicht nur dass weder CDU/CSU noch SPD es schafften, eine eigene Regierung zu bilden und eine unliebsame Große Koalition eingehen mussten, sondern auch weil die Ministerposten anders vergeben wurden, als von vielen Kommentatoren vorhergesagt und designierten Politikern herbeigewünscht. Verwunderung erregte dabei besonders die Aufstellung von Ursula von der Leyen als zukünftige Bundesministerin der Verteidigung; nach Stationen in sozial geprägten Ressorts auf Landes- und Bundesebene sorgte die Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel für viel Erstaunen, die niedersächsische CDU Politikerin künftig als Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt über die Bundeswehr einzusetzen.

Die Marke „Bundeswehr“

Ehe sich die öffentliche Verwunderung legen konnte, sorgte Ursula von der Leyen für weitere Verblüffung: Die Bundeswehr soll ihren Vorstellungen nach attraktiver werden Was?, dürften sich viele Beobachter gefragt haben. Attraktiv? Dieses Adjektiv wurde in der Vergangenheit hauptsächlich bei zivilen Arbeitgebern verwendet, nicht aber in Bezug auf eine eher strukturkonservative Organisation wie dem Militär.

Das Credo der Ministerin löste in traditionellen Kreisen dementsprechend große Skepsis aus. Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, General a.D. Harald Kujat, warf von der Leyen sogar vor, sie habe „keine Ahnung vom Militär“ …

Die Absicht der Ministerin, die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands zu machen, ist verständlich: Nach der Hals-über-Kopf-Aktion ihres Amtsvorgängers Karl-Theodor zu Guttenberg, die Wehrpflicht auszusetzen, musste die Truppe quasi von heute auf morgen ihre Rekrutierungsstrategie ändern. Einem „Weiter so!“ wurde damit ein abruptes Ende gesetzt. Denn trotz aller Romantik und staatsbürgerlicher Argumente für die Wehrpflicht ist die Einberufungspraxis spätestens seit Ende des Ost-West-Konflikts immer ungerechter geworden: Wer nicht gleich ausgemustert wurde oder sich ausmustern ließ, konnte sich de facto entscheiden, ob er lieber Zivil- oder doch Wehrdienst leisten möchte. Entschied man sich für letzteres, kam es nicht selten vor, dass nach der Grundausbildung lange Monate ohne sinnvolle Beschäftigung anstanden. Dass sich einige junge Männer dennoch motivieren konnten (oder vielmehr ließen), länger zu bleiben, erscheint retrospektiv eher als Glücksfall statt als Ergebnis eines wohl bedachten Prozesses.

Das Ende der Wehrpflicht im März 2011 legte nun schonungslos offen, in welchem Rückstand sich die Bundeswehr in Sachen Nachwuchswerbung gegenüber zivilen Arbeitgebern befand. Durch den kontinuierlichen Nachschub an Personal gab es für die deutschen Streitkräfte bisher keinen großen Anreiz, sich mit der Frage zu beschäftigen, worin ihr Alleinstellungsmerkmal auf dem Arbeitsmarkt besteht. Trotz Innerer Führung und des Konzepts vom Staatsbürger in Uniform wirkte die Bundeswehr eher verschlossen gegenüber gesellschaftlichren Entwicklungen. Das beste Beispiel dafür ist die Öffnung aller militärischen Verwendungen für Frauen: Statt einer inneren Eingabe war äußerer Zwang nötig, das Militär zu dieser Veränderung zu bewegen. Modern und zukunftsorientiert wirkt ein solches Verhalten nicht. Es ist jedoch verständlich: Nach der klassischen Staatstheorie besteht die Existenzberechtigung von Streitkräften darin, (äußere) Sicherheit herstellen und aufrechterhalten zu können, damit sich demokratische Werte wie Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit ausbilden können. Um diesen Auftrag zu erfüllen, ist eine Kommunikation nötig, die auf dem Prinzip von Befehl und Gehorsam basiert. Hieraus leitet sich eine hierarchische Organisation ab. Sie wird vor allem durch Werte wie Kameradschaft, Disziplin, Pflicht und Treue zusammengehalten. Nur wenn sich die Soldaten aufeinander sowie auf ihre Fähigkeiten verlassen können, sind sie stark. Das macht sie allerdings skeptisch gegenüber Einflüssen von außen. Es könnte schließlich sein, dass solche Einwirkungen dem inneren Gefüge der Kampfgemeinschaft schaden und damit die ganze Organisation auseinander zu brechen droht. Insofern verwundert es nicht, dass lange und ausgiebige Prüfungen vonnöten sind, bis externe Entwicklungen im militärischen Alltag ankommen und/oder akzeptiert werden.

Die überstürzte Abschaffung der Wehrpflicht und eine fehlende mehrjährige Übergangsphase ließen der militärischen Führung jedoch keine Zeit, die neue Lage auszuloten und sowohl Konzepte zu erarbeiten als auch Institutionen vorzubereiten. Stattdessen ist von der Politik eine enorme Dynamik, um nicht zu sagen: Hektik, ausgelöst worden, der zu allem Übel auch noch freien Lauf gelassen wurde. Gerade was das Kommunikative betraf, fühlten sich in der Folge diverse Dienststellen der Bundeswehr berufen, sich mit dem Thema Nachwuchsgewinnung beschäftigen zu müssen und es entstand schnell der Eindruck, die deutschen Streitkräfte stünden kurz vor dem personellen Aus. Allerdings mangelte es bei diesem Vorgehen an Koordinierung der Maßnahmen. Hierfür stehen sinnbildlich unterschiedlichste Layouts und Kommunikationsbotschaften. ob Karriereberatung, Jugendmarketing oder Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in jedem Bereich wurden kurzerhand eigene Richtlinien definiert und umgesetzt, der Bundeswehr ein neues Image zu verpassen. Im Endeffekt führte dies aber dazu, dass es bei allen Versuchen bis heute keine einheitliche Marke ,,Bundeswehr‘, gibt.

Fordern, Fördern, Fürsorge

Ursula. von der Leyen muss diesen und weitere Fehler bei der Formulierung ihrer aktuellen Attraktivitätskampagne im Blick gehabt haben: nur wenn sich weiterhin qualifizierte und motivierte junge Leute in größerer Anzahl für den Militärdienst melden, kann die Bundeswehr den an sie gerichteten Erwartungen gerecht werden. Die Auftragserfüllung ist somit in hohem Maße von den Bedingungen abhängig, wie sich die Streitkräfte nach außen wie nach innen präsentieren.

Die Pläne der Ministerin, Kasernenstuben unter anderem mit Flachbildschirmen und kleinen Kühlschränken auszustatten, lösten mancherorts jedoch Gelächter aus. Als hätte die Bundeswehr angesichts globaler Bedrohungen, schadhafter und mangelnder Ausrüstung sowie weiterhin zu geringer Bewerberzahlen in einigen Verwendungsbereichen nicht größere Probleme, als ihren Liegenschaften mehr Wohlfühlfaktor zu verpassen. Es regt(e) sich Unmut, der Ausbau von Kitas, flexiblere Arbeitszeitmodelle oder kostenloses WLAN würde die Bundeswehr als Kuschel-Armee dastehen lassen. Die Einsatzrealität sieht dagegen anders aus. Von daher bemängeln Kritiker, die Truppe würde bei ihrer Nachwuchswerbung verschleiern, welche Gefahren und Entbehrungen mit dem Beruf des Soldaten verbunden sind. In der Tat ist es so, dass die Kampagne „Aktiv. Attraktiv. Anders.“ insbesondere materielle Vergütungen in den Vordergrund stellt. Wer Soldat werden möchte oder es bereits ist, soll einen persönlichen Nutzen davon haben. Dieses ökonomistische Denken folgt einer Tendenz, die als Postmilitarismus bezeichnet werden kann. Damit ist nichts anderes gemeint, als die zunehmende Zivilisierung und Liberalisierung von (westlichen) Streitkräften. Die Zeiten, in denen gesellschaftliche Impulse bewusst oder unbewusst vom Militär ausgegangen sind, gelten damit als beendet. So haben sich allen voran zivile Unternehmen die Vorteile militärischer Führungs- und Organisationsabläufe zu Eigen gemacht und derlei Ansätze konsequent weiterentwickelt. Nicht nur große Konzerne sondern selbst kleinere Firmen geben heute den Ton an, was Innovationen im Managementbereich angeht. Dem Militär scheint damit eine seiner Kernkompetenzen entglitten. Weil Streitkräfte jedoch von einem stetigen intrinsischen Verbesserungspotential angetrieben werden, können sie heutzutage nicht anders, als sich jenen zivilen Strömungen zu öffnen. Das muss grundsätzlich nicht schlecht sein, führt an mancher Stelle aber zu Problemen.

Ein großes Risiko ist, Entwicklungen und Errungenschaften aus der zivilen Wirtschaft quasi unhinterfragt zu übernehmen. Eben diese Gefahr besteht bei der Kampagne von Ursula von der Leyen: Mittlerweile scheint sich in den Köpfen vieler Führungskräfte der Bundeswehr der Glaube breit gemacht zu haben, alles müsse sozusagen hübscher werden. Doch indem die Bedeutung der Form über die des Inhalts gestellt wird, geraten Werte in den Hintergrund. Dies erklärt, warum sich viele jüngere Soldaten und davon speziell Offiziere in einer Art Sinnkrise befinden: Wofür steht die Bundeswehr? Wem dient man? Nach welchen Grundsätzen soll in der Heimat wie im Einsatz gelebt werden? Von diesen Fragen ist auch die Nachwuchsgewinnung betroffen: Wie können in einem von Freunden umzingelten Land junge Leute motiviert werden, zum Militär zu gehen, die abgesehen von Freiheit und Individualität selbst nicht genau wissen, was sie eigentlich wollen?

In diesem Zusammenhang dürfen zwei Aspekte nicht übersehen werden: zum einen ist Attraktivität nicht zwangsläufig mit einer schönen Ausstrahlung gleichzusetzen. Natürlich freuen sich Soldaten darüber, wenn ihr Dienst angenehmer gestaltet wlrd. Das können mehr Geld, angemessenere Arbeitszeiten oder bessere Ausrüstung sein. Für manche Personen erscheint es jedoch attraktiv, körperlich und geistig gefordert zu sein. So entscheiden sich viele junge Leute für eine Karriere bei der Bundeswehr, weil sie hoffen, an ihre psychischen und physischen Leistungen gebracht zu werden. Sie wollen sehen, was sie können, wo sie Nachholbedarf haben. Die postmoderne Gesellschaft westlicher Industrienationen gibt dazu aber nicht viel her. Dies mag eine Erklärung dafür sein, weswegen extremistische Organisationen gleich welcher politischer Richtung seit Jahren einen großen Zulauf erfahren. Dort erwarten neue Mitglieder zwar Disziplin, körperliche Anstrengungen und hierarchische Strukturen, doch auch Fürsorge, Werte und Förderung. Die Mischung wirkt auf Heranwachsende sehr attraktiv; Sie suchen nach Herausforderungen, wollen sich engagieren und hinter einer größeren Idee stehen. Es ist ein Irrglaube, Demokratie sei hierzu nicht in der Lage. Eine liberalistische Auffassung scheint dem jedoch entgegen zustehen; das Richtige darf nicht über dem Guten stehen. Soll heißen: Demokratische Prozesse müssen stets mit Werten gefüllt werden. Andemfalls werden sie ausgehöhlt und verkommen zu einer Fassade. Der britische Soziologin Colin Crouch prägte hierzu den Begriff Postdemokratie. Zum anderen darf nicht verkannt werden, dass Attraktivität je nach Zielgruppe unterschiedlich verstanden wird. Für einen ungedienten und ledigen Offizieranwärter ist es nach der Schulzeit beispielsweise überaus spannend wie reizvoll, ein paar Tage im Feld zu verbringen, nachts durch den Wald zu pirschen und Schützengräben auszuheben. Ein Portepeeunteroffizier mit Familie und Eigenheim hat hingegen andere Prioritäten: für ihn zeichnet sich ein attraktiver Arbeitgeber weniger durch körperliche Forderung, sondern mehr durch finanzielle und berufliche Förderung aus. Als würden Alter, Laufbahn und soziale Verhältnisse nicht schon zu einer großen Ausdifferenzierung führen, kommen weitere Kategorien hinzu, etwa Geschlecht, Dienstzeit, Lebensbedingungen am Standort oder die jeweilige Verwendung. Nicht zu unterschätzen ist auch die persönliche Anspruchshaltung. Natürlich kann es nicht jedem Soldaten recht gemacht werden. Eine solche Zielgruppenanalyse zeigt jedoch, dass eine von oberster Ebene verordnete Attraktivitätssteigerung leicht Gefahr läuft, an den Bedürfnissen derjenigen vorbeizulaufen, an die die Maßnahmen gerichtet sind.

Bei aller Kritik am Inhalt der Kampagne von Ursula von der Leyen war die Aktion dennoch nötig: Die Bundeswehr braucht ein neues Selbstverständnis, wie einerseits junge Leute für den Dienst an der Waffe begeistert und wie andererseits langjährige Soldaten motiviert werden können. Eine besondere Rolle spielen dabei Vorgesetzte: Wenngleich Attraktivität das falsche Wort sein mag, muss diese Art der Fürsorge und Förderung zu einem wichtigen Führungsprinzip werden. Das ist an sich keine neue Erkenntnis, bekommt nach Aussetzung der Wehrpflicht und mit zunehmenden Einsatzverpflichtungen aber eine neue Dimension.

Warum Marine?

Im Unterschied zu den anderen Teilstreitkräfte besteht für die Deutsche Marine die Herausforderung darin, dass die Rahmenbedingungen unveränderbar sind; Seefahrt ist seit jeher mit Entbehrungen wie räumlicher Enge, Seegang und Abwesenheiten von zu Hause verbunden. Hieran wie an den Aufgaben von Seestreitkräften wird sich auch zukünftig nichts tun: Die Freiheit der Meere lässt sich niemals kontrollieren. Demgemäß wird es auf See immer Gefahren und Bedrohungen geben. Entscheidend ist nur, inwieweit nationale Regierungen auch weiterhin bereit sein werden, hierauf mit hoheitlichen Sicherheitskräften zu reagieren und diese der internationalen Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. An der Existenzberechtigung von Kriegsschiffen ändert dies nichts. Über Jahrhunderte reizte junge Männer am Dienst bei der Marine die Aussicht, von Daheim wegzukommen und fremde Länder kennenzulernen. Der rapide Anstieg des Wohlstands und die Verbilligung von Reisekosten lassen diese Ziele heutzutage zivil problemlos erreichen. Zudem macht es der Siegeszug des Internets möglich, mit wenigen Klicks binnen Sekunden zu entlegenen Räumen zu gelangen. Wozu sollte man in Zeiten boomender Kreuzfahrtreisen noch zur See fahren und dabei gleichzeitig arbeiten? Es gibt schließlich kein Muss: Bei aller Bedeutung des internationalen Seehandels ist selbst die Volkswirtschaft des Export-Weltmeisters Deutschland hiervon weniger abhängig, als oft behauptet wird. Fallen Handelsschiffe aus, weil sie von Piraten angegriffen wurden, ist dies zwar unglücklich für diejenigen, deren Waren sich an Bord befinden. Nichtsdestotrotz wird der Güterverkehr aufgrund der Masse an Schiffen sowie wegen den Alternativen an Seeverbindungen und/oder Umschlagplätzen nicht zum Erliegen kommen. Selbst wenn die Transportkosten steigen würden, wären die Auswirkungen mittelfristig überschaubar. Eine Argumentation mit der Bedeutung der maritimen Wirtschaft für den persönlichen und kollektiven Konsum wird deshalb die wenigsten jungen Leute motivieren, sich für eine Karriere bei der Marine zu entscheiden.

Wer Marinesoldat werden möchte oder dies bereits ist, verrichtet seine Arbeit in der Regel aus innerer Überzeugung. Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben: Sei es eine Leidenschaft für das Meer, die Ausübung eines nicht alltäglichen Berufs oder ein sicherer und gut bezahlter Arbeitsplatz. Hieran zeigt sich, dass die mit der Auftragserfüllung verbundenen Strapazen nicht hinreichend abschreckend sind, Menschen davon abzuhalten, der Marine dienen zu wollen. Worauf es ankommt, ist der richtige Wille. Hierin kann der praktische Anknüpfungspunkt für Attraktivitätsmaßnahmen gesehen werden.

Die Frage lautet: Mit welchen Mitteln und Botschaften schaffe ich es, sowohl intem, als auch extern Wertschätzung für eine herausfordernde Tätigkeit zu generieren? Der erste Schritt hierzu besteht in einer ehrlichen Kommunikation: Ja, der Dienst bei der Marine ist mitunter anstrengend und sicherlich nichts für jedermann. Dahinter steckt die Aussage, dass nicht jeder Bewerber geeignet ist. Denn welcher Arbeitgeber wird als attraktiv wahrgenommen, der jede dahergelaufene Gestalt in seine Reihen aufnimmt? Denn zur Vermittlung von Werten gehört auch, Ansprüche zu besitzen und hiernach zu handeln. Das Signal sollte dementsprechend lauten, dass selbst bei geringeren Bewerberzahlen nicht jeder Kandidat genommen wird und es ein Privileg ist, Marinesoldat sein zu dürfen. Gleichsam müssen diejenigen die es geschafft haben, entsprechend ent- beziehungsweise belohnt werden; sie sollen wissen, dass sich ihr Dienstherr um sie kümmert auch nach der aktiven Dienstzeit – und er sie nicht nur als austauschbare Angestellte betrachtet.

Eine besondere Bewandtnis erfährt letzterer Aspekt auf See, während längerer Übungen sowie im Auslandseinsatz. Attraktivität darf sich nicht verzögert allein dadurch zeigen, dass erhöhte Geldbeträge ausgezahlt werden. Die postmoderne Gesellschaft, zu der auch Soldaten gehören, möchte im Jetzt leben und an sie betreffenden Maßnahmen teilhaben. Freie und wenn möglich kostenlose Kommunikation fem der Heimat ist genauso wichtig wie frühzeitige Informationen und möglichst transparente Abläufe. Es darf nicht das Gefühl entstehen, vom Rest der Welt abgehängt zu sein. Dies richtet sich wieder an Vorgesetzte: Ein attraktiver Arbeitergeber kümmert sich um seine Mitarbeiter zu jeder Zeit; er will wissen, wie es ihnen geht und wie sie sich fühlen; er beteiligt sie an Diskursen; er bemüht sich um bestmögliche Ausstattung. Im Endeffekt muss jeder Soldat stolz sein, dass er nicht nur etwas sinnvolles tut, sondern von den höheren Stellen auch als Individuum beachtet wird. Bei einem schrumpfenden Personalkörper und kleineren Besatzungen hängt das Gelingen von Aufträgen in Zukunft folglich in viel stärkerem Maße von einzelnen Personen statt von gesichtslosen Gruppen ab.

Attraktivität durch Ehrlichkeit

Das Maßnahmenpaket der Kampagne von Ursula von der Leyen wird das Leben in der Kaserne sowie den alltäglichen Dienst sicherlich ein Stück weit angenehmer machen. Attraktivität geht aber über die angekündigten Veränderungen hinaus und muss immer von den bestehenden Stereotypen in der Bundeswehr gedacht werden. Der Impuls von oben ist ein richtiges und wichtiges Zeichen. Es liegt allerdings an den unmittelbaren und nächsthöheren Vorgesetzten, dass aus der Bundeswehr einer der attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands wird. Die bisherige Führungskultur muss sich dahingehend stärker den Wünschen der Soldaten öffnen. Es darf nicht vergessen werden: Zwischen Attraktivität und späterer Auftragserfüllung besteht eine Kausalkette.

Die Marine kann im Vergleich zu den anderen Organisationsbereichen am wenigsten an den Rahmenbedingungen des dortigen Dienstes verändern. Insofern ist sie von der Aussetzung der Wehrpflicht überaus stark betroffen, da es allein durch den demographischen Wandel und die zunehmende Technisierung immer schwieriger werden wird, geeignetes Personal zu rekrutieren. Hinzu kommt die wahrscheinlich zunehmende Beanspruchung von Kriegsschiffen durch die Politik, etwa zur Pirateriebekämpfung oder Flüchtlingshilfe. Diese Anforderungen dürfen seitens der Führung aber nicht ausschließlich als Belastung betrachtet werden, sondern auch als Chance: Die Marine ist überaus wichtig und braucht Menschen, die sich den Herausforderungen der Gegenwart stellen. Das kann zwar nicht jede Person – und das ist gut so.

(Marine)Soldat zu sein bedeutet, zu einer exklusiven Gruppen zu gehören. Das mag elitär klingen, ist aber ein Aspekt, der dem Selbstverständnis der Bundeswehr fehlt: Sie ist eben nicht irgendein Arbeitgeber unter vielen. Und die Marine ist mehr als nur bewaffnet zur See zu fahren. Die Bundeswehr muss sich als außergewöhnlicher Arbeitgeber verstehen und präsentieren und die Marine muss sich als besonderer Teil der Organisation in Szene setzen. Auch wenn es manch älteren Kameraden schwer fällt und einige Bereiche der Gesellschaft es nicht so recht wahrhaben möchten: Die Zeiten der gemütlichen Bundesmarine sind vorbei. Vom Einsatz her zu denken, beschränkt sich nicht allein auf Ausbildung und Ausrüstung, sondern ist ein ganzheitliches Konzept. Wer nicht ehrlich kommuniziert, wird rasch an Attraktivität verlieren. Ohne Kampfmoral keine Auftragserfüllung.

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