Australien & die U-Boote

Am 26. April 2016 wurde bekannt, dass die französische Werft DCNS den Zuschlag für den Bau von 12 U-Boote für die australische Marine im Wert von rund 35 Milliarden Euro erhalten habe. Die australische Entscheidung hat bei Beobachtern und Kennern der Materie Überraschung hervorgerufen – mit einem Sieg des französischen Angebotes hat eigentlich niemand wirklich gerechnet. Welche Gründe auch immer am Ende ausschlaggebend waren, der australische U-Boot Deal kann weitreichende Folgen für die europäische Schiffsbauindustrie haben.

Japan sei bereits früh aus dem Bieterrennen ausgeschieden, da das japanische Angebot aus Mangel an Erfahrung in diesem Bereich nicht ernst zu nehmen gewesen sei. Erst 2014 hatte das Land beschlossen, eigene Rüstungsexporte zu erlauben. Nach Bekanntgabe der Entscheidung berichtet die Financial Times, das japanische Angebot sei insgesamt unprofessionel, das Verkaufsteam unerfahren und schlecht vorbereitet gewesen. Tatsächlich ist interessant zu beobachten, dass die relevanten Gazetten in dieser Sache weniger über den Sieg Frankreichs, sondern vornemlich über das Ausscheiden Japans berichten.

DCNS_Australia_Sub

Das geplante Modell Shortfin Barracuda Block 1A für die australische Marine. Grafik: DCNS 2016.

Aber auch am französischen Angebot gab es Zweifel: Im Februar wurde bekannt, dass amerikanische Stellen ernste Sicherheitsbedenken bei einer möglichen Wahl des französischen Angebotes anmeldeten, da in den neuen U-Booten amerikanische Führungstechnik verbaut werden soll. Eine mit dem Beschaffungswesens des Pentagons vertraute Person wurde in der Financial Times wie folgt zitiert: “France is in Nato, the politics are delicate and it is true that US weapons have been integrated on to French vessels before,” said one person involved in Pentagon procurement issues. “But with technology this advanced there is real discomfort within the US military about putting it on a French boat.” (FT Online Februar 2016)

Die USA sehen sowohl Australien wie auch Japan als strategischen Partner in der pazifischen Region – ein Dreiecks-Bündnis ist in amerikanischen Interesse und wird auch angestrebt. Aus amerikanischer Sicht wäre eine engere Verzahnung der Partner in Canberra und Tokyo wünschenswert gewesen, besonders da man durch den geplanten Einbau amerikanischer Technologie in die U-Boote ebenfalls mit an Bord ist.

Tatsächlich waren die Australier gut beraten, sich grundsätzlich für einen Anbieter ausserhalb des Pazifiks und seiner strategischen Dynamik zu entscheiden – die Wahl der U-Bootplattform hätte engere politische, militärische sowie wirtschaftliche Bindungen nach sich ziehen können als einem vielleicht in Zukunft lieb gewesen wäre, zumindest hätte es in diesen Bereichen Entscheidungsfreiheiten eingeschränkt, bare Münze im politischen Geschäft: Mit einem ausserregionalen Partner agiert man in der Region politisch freier!

In Frankreich wurde die Entscheidung mehr als überschwänglich aufgenommen:

Paris hat begeistert auf einen milliardenschweren U-Boot-Auftrag aus Australien reagiert. Frankreichs Premierminister Manuel Valls sprach von einem „wunderbaren Erfolg“. „Stolz auf unsere Ingenieure, Techniker und Arbeiter“, schrieb er am Dienstag auf Twitter. Der Élyséepalast nannte die Wahl des französischen Anbieters DCNS für den Bau von zwölf U-Booten in einer Mitteilung „historisch“. „Frankreich ist dankbar für das Vertrauen, das Australien ihm beweist“, hieß es weiter. (dpa)

Könnte man sich ähnliche Reaktionen in Deutschland von Bundeskanzlerin Merkel und Wirtschaftsminister Gabriel vorstellen?

Unbeeindruckt vom Knallen französischer Champagnerkorken stellen unabhängige Beobachter allerdings die Frage, ob sich der gewonnene Auftrag nicht doch noch zu deren Nachteil entpuppt – mit anderen Worten, was ist wenn die französischen Werften vor Kraft nicht laufen können und ernsthafte Probleme bei der Einhaltung ihrer Verträge bekommen? Ist man in Berlin darauf vorbereitet, dass der französische Präsident die Bundeskanzlerin beim nächsten Treffen dezent an die Seite nimmt und anbietet, Anteile des australischen Auftrages an Deutschland abzugeben? So rosig sieht die französische Realität nämlich nicht aus, als dass man davon ausgehen könne, dass dieses Projekt 100 % gallisch zu vollenden sei. Der Preis könnte eine Konsolidierung der relevanten maritimen Wirtschaft nach Vorbild der Luftfahrt- (Airbus) und neuerdings auch der Landsystemindustrie (KMW + NEXTER = KANT) sein.

Es ist offenkundig, dass es zwei Verlierer geben muss, wenn drei Bieter um ein Rüstungsvorhaben buhlen. Und danach beginnt das Lecken der Wunden: Haben wir alles richtig gemacht? Hatten wir die falsche Unterstützung vor Ort? Haben unsere Politiker die richtigen Hände geschüttelt? War das siegreiche Angebot technologisch besser oder einfach preislich attraktiver? Welche geopolitischen Einflüsse haben gewirkt?

An dieser Stelle kann jeder aussuchen, welchem Argument er den Vorzug gibt: Ist es richtig, dass es technologisch einfacher ist ein vorhandenes französisches Nuklear-U-Boot großer Reichweite zu kürzen und konventionell umzurüsten denn eine Designstudie zur Verlängerung eines bestehenden U-Bootes aus Kieler Fertigung anzunehmen? Ist es richtig, dass Washington ermuntert hat, ein japanisches Boot zu beschaffen um die Allianz gegen China zu stärken? Wer bestätigt oder widerlegt glaubhaft, dass es chinesischen Druck gegeben hat, kein japanisches U-Boot anzuschaffen? Treffen Berichte in internationalen Gazetten zu, dass sich die Japaner siegessicher und gleichzeitig inkompetent im Auftreten gezeigt haben?

Am Ende gibt es einen Gewinner und zwei zweite Plätze. Und der Konvoi segelt weiter nach Oslo: Für die finale Runde beim U-Boot-Vorhaben hat Norwegen TKMS und DCNS ausgesucht.

3 Gedanken zu „Australien & die U-Boote

  1. In den meisten dieser Fälle werden im Laufe der Zeit die wahren Entscheidungsgründe bekannt. Wir sollten in Ruhe abwarten, was die Motive Australiens waren. Es wäre nicht verwunderlich, wenn über finanzielle und technische Überlegungen hinaus im Hintergrund geostrategische Interessen den Ausschlag gegeben haben,

    mutmaßt

    der Segler

    • Ergänzend und ganz im Sinne des oben Vermuteten empfehle ich diesen Artikel aus der Welt: http://hd.welt.de/Wirtschaft-edition/article154899746/Deutschland-verspielt-den-Jahrhundert-Deal.html.

      Hier werden zwei Ursachen für den französischen Erfolg vermutet, erstens ein unbekanntes Koppelgeschäft im nuklearen Bereich und zweitens bessere Lobbyarbeit der Regierung. Wenn es um nukleare Antriebe für Uboote und womöglich eine Option für nukleare Waffen geht, kann Deutschland nicht mithalten. Hinsichtlich der Regierungsunterstützung wird darauf verwiesen, dass Deutschland bei Rüstungsgeschäften gegenüber Frankreich häufig den Kürzeren zieht, so zum Beispiel bei den Jagdflugzeugen für Indien.

      Das mag man bedauern, weil unsere Rüstungsindustrie dadurch einen strukturellen Exportnachteil hat. Schaut man jedoch nicht nur auf die Rüstung, sondern auf die Exportwirtschaft im Ganzen, so wissen wir alle, dass Deutschland gewaltige Exportüberschüsse erzielt, während Frankreich unter seinem permanenten Außenhandelsdefizit leidet.

      Ob die aggressive Lobbyarbeit der Regierung einem Land wirklich dauerhafte wirtschaftliche Vorteile bringt, sei also dahingestellt,
      findet
      der Segler

Ihre Meinung zählt!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s