Nobody asked me, but…..

Ein Gastbeitrag von Heinz Dieter Jopp

Die Irritationen über den tatsächlichen Standort der Trägerkampfgruppe um die USS Carl Vinson Anfang April 2017, nachdem US Präsident Trump den Befehl zur Verlegung in die See Räume in Reichweite Nordkoreas gegeben und öffentlich von einer großen Armada sprach, die er zur Abschreckung Nordkoreas entsandt habe, hinterließen in der Öffentlichkeit angesichts der Nordkoreanischen Reaktionen auch die grundsätzliche Frage, ob die aus der Vergangenheit gewohnte abschreckende Wirkung überhaupt noch vorhanden ist. Anders noch als Mitte der 1990er Jahre unter Präsident Clinton, wo Machtprojektion mittels Trägerkampfgruppen ein probates politischen Mittel zur Erzwingung von Wohlverhalten eines politischen Gegners war, muss dies 2017 nicht nur angesichts der (vermeintlichen) Irrationalität des Nordkoreanischen Präsidenten sondern auch technologischer und Waffensystemveränderungen in anderen Konfliktregionen der Welt zunehmend hinterfragt werden.

Die erste Frage stellt sich damit zum zukünftigen Zuschnitt der US Navy. Folgt man den Plänen zu einer 355 Schiffe Navy (U.S. Navy Program Guide 2017), die bereits vor Antritt des neuen US Präsidenten vorbereitet in der Schublade lagen, so kann man diese mit „Von allem ein wenig mehr“ beschreiben. Die Antwort des Congressional Budget Office (CBO) vom April 2017 über die bei der Umsetzung zu erwartenden Kosten kommt unter anderem auch zu der Feststellung, dass neben einem deutlichen Anstieg der Ausgaben für die Navy Produktionsschwierigkeiten bei den Werften (können derzeit den erforderlichen Anstieg der Baulose personell nicht unterfüttern) und Personalschwierigkeiten bei der Navy (große Probleme bei der Rekrutierung) keinen kurzfristigen Anstieg von Plattformen zulassen. Diese Feststellung wird noch untermauert durch die Forderung der Navy, erste Budgeterhöhungen ausschließlich für dringend erforderliche Wartungs- und Instandsetzungsmaßnahmen zu verwenden. Dazu gehört auch die Instandsetzung abgeflogener Triebwerke ihrer F/A-18 Hornets, die bereits jetzt zu einer Ausfallrate von mehr als 50% führten.

Die zweite Frage stellt sich somit zu den Prioritäten, aber auch den künftig benötigten Waffenplattformen. Hier hat Verteidigungsminister James Mattis bereits einen Drei-Phasen Plan vorgegeben: 1. Einsatzbereitschaft, 2. Modernisierung und erst 3. neuer Zuschnitt der Navy. Während die (Wieder)Herstellung der Einsatzbereitschaft selbstredend ist, stellen sich bei der Modernisierung allerdings mit Blick auf 2017 und die Zukunft einige, eher grundsätzliche Fragen, die Admiral James A. Winnefeld Jr, U.S. Navy (retired) bei einem Vortrag am 21. Februar 2017 bei der WEST Konferenz und Ausstellung stellte und die nun in gekürzter Form unter dem Titel „Break out or Fail. If the U.S. military is to maintain its edge in capabilities, it must embrace new concepts with new technologies and take some risks“ in der Aprilausgabe der U.S. Naval Institute Proceedings abgedruckt wurden.

Winnefeld stellt unter anderem die Frage, ob die amerikanischen Konzepte zu einem A2AD und die damit einhergehende Modernisierung nur den eigenen Vorstellungen einer künftigen Kriegführung entsprechen, die beispielsweise mit den immer klarer Zutage tretenden Vorstellungen der chinesischen und russischen Marine nicht in Einklang zu bringen sind. Elektronische Kriegführung, Schwarmangriffe mit bewaffneten Drohnen und weitreichende ballistische Raketen sowie Cruise Missiles zur Seezielbekämpfung sind einige Beispiele dazu. Dies gipfelt für Winnefeld in der bereits von Admiral Greenert (früherer CNO der U.S. Navy) bekannten Forderung nach innovativen Zuladungen und Bewaffnung für vorhandene und geplante neue Plattformen.

Und er stellt dann angesichts der bisher wenig erfolgreichen Entwicklungen der U.S. Navy zur Minenabwehr und Bekämpfung die ketzerische Frage: Was ist mit einer offensiven Minenkriegführung? Moderne Technologien und Verbringungsmethoden würden der Navy recht preiswerte und Erfolg versprechende Optionen bieten, die Bewegungsfreiheit gegnerischer Seestreitkräfte regional räumlich und zeitlich deutlich zu begrenzen.

Warum die Navy diesen Weg bisher nicht einschlägt? Dies beantwortet Winnefeld mit fehlenden Unterstützern in den USA zur Entwicklung und Bau derartiger Minen und dem unverrückbaren Glauben, dass die Mine nur etwas für kleinere, schwache Marinen sei. Die von Navy Kommandanten und Befehlshabern im Verlauf des Golfkrieges zur Befreiung Kuwaits 1991 gemachten Erfahrungen sind nicht in weiterführende Gedanken und Konzepte umgesetzt worden; die Zeitzeugen inzwischen alle in Pension. Was aber macht ein Navy Kommandant, wenn er weiß, dass große Marinen wie die Chinesische und Russische Minen in ihrem Bestand haben, modernisieren und planen – wo immer möglich – diese einzusetzen? Oder auch in einem Einsatz im Persischen Golf in dem Wissen, dass Iran die 1991er Erfahrungen analysiert und in eigene, erfolgsversprechende Pläne und Operationen umgesetzt hat? Bei dieser Frage bemüht der Autor (aus Verzweiflung?) Liddell Hart, der Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts gesagt hat: „The only thing harder than getting a new idea into the military mind is getting an old idea out“.

Und hier stellt sich für mich die Frage: Wie gut sind wir (noch) in Europa? Wer kennt denn bei den jüngeren Offizieren der Deutschen Marine noch Begriffe wie protektives, defensives oder offensives Minenlegen? Wer kennt die rechtlichen Zwänge und Begrenzungen? Wäre offensives Minenlegen in der Ostsee für NATO wie EU Partner eine Option, russischem A2AD erfolgversprechend zu begegnen? Wie gut sind unsere Minensuch- und Minenkampfboote sowie technologische Fähigkeiten einschlägiger Rüstungsbetriebe zur Fortentwicklung von Minen? Könnte sich hier künftig eine Unterstützung für die USA und ihre Marine ergeben? Könnte diese nicht ähnlich gestaltet werden wie das derzeitige Angebot der norwegischen Kongsberg zur Verwendung ihres NSM an Bord amerikanischer Schiffe? Immerhin sind sie dort nun in der Endausscheidung. Fragen über Fragen.

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