Krisenherd West Pazifik. Die Bedeutung des Maritimen

Ein Gastbeitrag von Heinz Dieter Jopp

 

Die schnelle Zuspitzung der Krise mit Nord Korea anlässlich deren sechsten Nuklearversuchs im September 2017, der Streit mit China um befestigte Korallenriffe im Süd-Chinesischen Meer, die Nicht-Anerkennung des Schiedsspruchs von Den Haag durch China sowie die immer stärker wachsende Rüstungsspirale gerade maritimer Mittel in der Region erwecken nicht nur im fernen Europa und damit auch in Deutschland wachsende Ängste um Krieg und Frieden.

Zeitgerecht hierzu ist beim NOMOS Verlag ein Buch von Michael Paul in der Reihe Internationale Politik und Sicherheit der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) Anfang August 2017 erschienen, dass in einem umfassenden und vor allem maritimen Ansatz die sicherheitspolitischen, geostrategischen, wirtschaftlichen wie rüstungspolitischen Entwicklungen des West-Pazifischen Raumes in unserem noch relativ jungen 21. Jahrhundert analysiert, um hieraus Empfehlungen mit Schwerpunkt der sino-amerikanischen Rivalität abzuleiten.

Die Monographie stellt eine Zusammenfassung und Aktualisierung diverser Veröffentlichungen aus vierjähriger Forschungsarbeit dar. In diesen vier Jahren wurden wir nicht nur Zeugen eines selbstbewussten Auftretens chinesischer Außenpolitik sondern auch einer stürmischen Entwicklung chinesischer Wirtschaft, Gesellschaft und Militär. Gleichzeitig konnte sich die chinesische Volksbefreiungsmarine (PLAN) aus einer von der U.S. Navy belächelten Küstenschutzmarine hin zu einer Marine entwickeln, die bereits heute der U.S. Navy regional Paroli bieten kann. Und China ist weiter auf dem Weg zu einer künftig weltweit einsetzbaren (blue water) Marine.

Folgerichtig beginnt Paul mit einer Betrachtung maritimer Aspekte des geopolitischen Wandels, beleuchtet Chinas Großstrategie und mir ihr die Entwicklung einer maritimen Strategie Chinas und deren spürbaren Einfluss auf chinesische Außenpolitik. Er beleuchtet in der Folge die Akteure und Instrumente chinesischer Sicherheitspolitik mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen, die Erweiterung des Aktionskreises der PLAN auf Indischen Ozean, Mittelmeer und Arktis und den Aufbau hierzu erforderlicher Stützpunkte und seegestützter Logistik.

In einem weiteren Kapitel beleuchtet er chinesische Abschreckungsstrategien und deren Einsatzmittel bei den Raketenstreitkräften. Hierbei wird deutlich, dass China bis heute eine Nuklearstrategie der minimalen Abschreckung verfolgt.

Auf dieser Grundlage analysiert er amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik mit Blick auf China von Clinton bis Bush, um dann sehr eingehend den Schwenk amerikanischer Sicherheitspolitik Richtung Asien unter Obama zu beleuchten. Dabei wird auch sehr deutlich, welchen Einfluss der neue Verbund chinesischer See-, Luft- und Raketenstreitkräfte zur glaubwürdigen regionalen Abhaltung amerikanischer Marinestreitkräfte gewonnen hat. Dies führt bei der U.S. Navy inzwischen auch zu Überlegungen einer in der Fläche weit verstreuten, aber vernetzten Flotte, um der Bedrohung durch ballistische Raketen Chinas besser entgehen zu können. Im Grunde geht es wieder um die Frage der Ausübung von Sea Control versus Sea Denial. Dies wird auch deutlich über die Analyse regionaler Akteure, Konflikte und Risiken mit den ASEAN Staaten, Japan, Süd-Korea, Taiwan, Philippinen, Indonesien und Vietnam.

Paul beschließt sein Buch mit Perspektiven sino-amerikanischer Rivalität sowie einer kurzen Bilanz all seiner Betrachtungen.

Neben der eher (banalen) Feststellung, dass dieses Buch eine der sehr wenigen Betrachtungen der sicherheitspolitischen Veränderungen im west-pazifischen Raum in deutscher Sprache darstellt, kann man dem Autor nur attestieren, dass er in seinem Quellenstudium die führenden westlichen Experten in Wissenschaft und Militär umfassend genutzt hat und darüber hinaus bemüht war, die wenigen offen zugänglichen Quellen aus China zu nutzen. Auch hat er die Expertise im eigenen Haus zur Vertiefung eigener Argumente genutzt. Das Buch bietet daher eine fundierte Basis zur weiteren Beschäftigung für Politiker, Ministerien, Wissenschaftler und an der Materie interessierten gesellschaftlichen Gruppen. Hierzu trägt nicht nur eine gute Auswahlbibliographie sondern auch eine Quellenübersicht von Beiträgen und Blogs im Internet bei. Trotz seines Preises von € 64,00 sollte es Eingang in Bibliotheken und private Sammlungen finden. Für Marineoffiziere in Deutschland als (weihnachtlicher) Geschenkwunsch eine gute Investition.

Heinz Dieter Jopp Barmstedt, 07. September 2017

Ein Gedanke zu „Krisenherd West Pazifik. Die Bedeutung des Maritimen

  1. Hallo Dieter,

    herzlichen Dank für Deinen Beitrag. Ich wollte ohnehin etwas im Editorial unseres Blättchens zur geopolitischen Lage im indo-asiatisch-pazifischen Raum sagen.

    Herzlichen Gruß

    Morgan

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