Grand Strategy and Maritime Strategies: Eine Bestandsaufnahme vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis heute

Eine Buchrezension von unserem Gastautor Heinz Dieter Jopp:

Gerade in den USA mehren sich seit Monaten die Stimmen aus dem politischen wie wissenschaftlichen Bereich mit Fragen der Notwendigkeit einer neuen „Grand Strategy“ und daraus abgeleitet einer neuen „Maritime Strategy“. Da in Deutschland kaum eine Diskussion über Strategien, geschweige denn maritime Strategien stattfindet, kommt das Buch von Sebastian Bruns, der dem geneigten Leser aus Veröffentlichungen auch im Marineforum bekannt sein dürfte, just in time. Der Routledge Verlag legt die aktualisierte und inhaltlich erweiterte Version der Doktorarbeit von Sebastian Bruns zum Jahresbeginn 2018 vor. Diese befasst sich schwerpunktmäßig mit der Entwicklung und Fortentwicklung maritimer Strategien der U.S. Navy im Kontext der nationalen Sicherheit der USA.

Bruns beginnt nach willkommener Klärung einschlägiger Begriffe wie Seapower und Strategy sowie den Besonderheiten eines maritimen operativen Umfelds mit der strategielosen Zeit in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg und den negativen Erfahrungen aus dem Vietnam Krieg. Der Aufwuchs der sowjetischen Marine unter Admiral Gorschkow und deren mögliche Bedrohung des amerikanischen Festlandes führten zu einer Wiedergeburt strategischen Denkens in der U.S. Navy. Daraus entstanden in der Folge die erstmals öffentlich zugängige Naval Strategy von 1986 und nach dem Ende des Kalten Krieges weitere Konzepte und Strategien. Bruns kommen bei seiner detaillierten Analyse dieser amerikanischen Entwicklungen seine Studienaufenthalte in den USA und seine engen Kontakte mit Marineexperten von Think Tanks und dem Naval War College besonders zu Gute. Vor allem Peter Swartz, ein pensionierter Kapitän der U.S. Navy, der persönlich an der Entwicklung der 1986er Strategie mitgearbeitet hat, war eine besondere Quelle auch für die grundsätzlichen Fragen der Herangehensweise an maritime strategische Überlegungen und Formulierung einer maritimen Strategie.

Bruns endet mit dem Begründungsversuch für die Ausübung von Seemacht mittels Marineeinheiten im 21. Jahrhundert unter der Hervorhebung von politisch gewollter Machtprojektion durch Flugzeugträger und ihre weitreichenden Kampfflugzeuge. In seinem Schlusskapitel, das den Zeitraum von 2009-2016 abdeckt, macht er erneut deutlich, wie wichtig in einer immer chaotischer erscheinenden Welt global einsetzbare Seekriegsmittel zur Ausübung von Seemacht bleiben. Gerade für Leser, die diese Zeiten selber miterlebt haben, kann dieses Buch die roten Linien von Gedanken und deren Entwicklungen hin zu Strategien aufzeigen und verständlich machen. Dass er dieses Buch in Englisch verfasst hat, ist auch dem Umstand geschuldet, in einer internationalen Gemeinschaft als Wissenschaftler Gehör zu finden.

In der bekannt strategielosen Bundesrepublik Deutschland stellen die Gedanken von Bruns eine wertvolle geistige Unterstützung für eine weitere Beschäftigung dar, auch wenn der vom Verlag gewählte Verkaufspreis eher abschreckend wirkt. Eine weitere Beschäftigung sollte dann auch Fragen der operativen Umsetzung einer Strategie nachgehen. In heutiger Zeit bedeutet dies eine Beschäftigung auch mit der russischen und chinesischen Marine. Hier haben auch Teile der U.S. Navy ein Defizit festgestellt, da sie nicht mehr den im Kalten Krieg gewohnten Ansatz einer Überprüfung von operativen Konzepten mittels Übungen mit einem Red und Blue Team nachgegangen sind.

Sebastian Bruns: US Naval Strategy and National Security. The Evolution of American Maritime Power

ISBN 978-1—138-65173-9 (hbk), Routledge Abingdon, 270 Seiten, € 116,26

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