Bundespolizei See: Von 40 mm auf 57 mm

Wie sich die Zeiten ändern! In den Zeiten der Ost-West-Konfrontation verfügten die seegehenden Verbände des Bundesgrenzschutzes über acht Boote in der Ostsee, die mit 40 mm Bordkanonen ausgerüstet waren. Im Konfliktfall sollten sie aus der Ostsee in die Deutsche Bucht verlegt werden, um eingehende Atlantikkonvois auf der letzten Strecke zu begleiten. Das Ende des Kalten Krieges und das Bedürfnis nach der Friedensdividende führten dazu, dass die Bundespolizei See „entmilitarisiert“ wurde: Die 40 mm Bofors wurden abgerüstet.

BP 25 „Bayreuth“ auf Streifenfahrt. Quelle: Webseite BPol See.

Im Rahmen zunehmender internationaler Einsätze und dem maritimen Kampf gegen den Terrorismus und Piraterie flammt immer wieder die Frage auf, ob man die seegehenden Einheiten der BPol See mit Maschinenkanonen ausstatten sollte. Unter anderem war eine Containerlösung 27 mm Marineleichtgeschütz im Gespräch. Den Container hätte man aufgabenabhängig schnell einrüsten können. In einschlägigen Fachkreisen ist nun zu hören, der ausgeschiedene Bundesinnenminister Thomas de Maizière habe, als eine seiner letzten Amtshandlungen, die Bewaffnung seegehender Einheiten der BPol See bewilligt. Zum Erstaunen bei Vertretern deutscher wehrtechnischer Unternehmen ist das 57 mm Bofors Geschütz (BAE Systems) konkret in der Auswahl. Die modernste Version dieser bewährten Waffe ist unter anderem eingerüstet auf den schwedischen Korvetten der Visby-Klasse und den Cuttern der amerikanischen Küstenwache. Man darf spekulieren, dass es das Vorbild der US Coast Guard gewesen ist, das für die Entscheidung der BPol den Ausschlag gegeben hat.

Wir fragen uns in diesem Blog:

  1. Ist das 57 mm Geschütz nicht im Grunde eine „symmetrische“ Artilleriewaffe, wie die Einrüstung auf einem schwedischen Kriegsschiff und bei den größeren Einheiten der US Coast Guard – die im Spannungsfall unter das Kommando der US Navy tritt – zeigt?
  2. Wäre mit Blick auf die größere Wahrscheinlichkeit „asymmetrischer“ Bedrohungen auf See (schnelle Motorboote, Hubschrauber, Drohnen) ein kleineres, dafür dynamischeres Kaliber (zum Beispiel das verfügbare 35 mm Millennium Geschütz (Rheinmetall) die bessere Wahl gewesen?
  3. Kann man den Beschaffern der BPol den Vorwurf machen, nicht „outside the box“ gedacht zu haben?

5 Gedanken zu „Bundespolizei See: Von 40 mm auf 57 mm

  1. Das neue Beschaffungsprogramm der BPol See ist mit einer gewissen Verwunderung zu betrachten. Im Prinzip beschafft die BPol Korvetten (80m) mit starker Artilleriebewaffnung. Gegen wen? Andererseits kann es der Marine helfen, aus der Gefangenschaft der ganzen low intensity Missionen im Mittelmeer zu entfliehen und sich wieder auf das militärische Kerngeschäft zu konzentrieren. Das ist gut, wobei ich allerdings bezweifle, dass dahinter ein abgestimmter Gesamtansatz steht. Die US Coast ist übrigens den umgekehrten Weg gegangen. Die letzten großen Cutter hatten noch 76mm, die neuen nur noch 57mm,
    resümiert
    der Segler

  2. Segler schreibt: „Andererseits kann es der Marine helfen, aus der Gefangenschaft der ganzen low intensity Missionen im Mittelmeer zu entfliehen und sich wieder auf das militärische Kerngeschäft zu konzentrieren.“
    Das wäre ja ein vernetzter, gesamtstaatlicher Ansatz! Darauf ist in Berlin noch keiner gekommen. Lieber kocht jeder sein eigenes Süppchen. Im Übrigen, hat sich die BPol See bei der Auswahl des Geschützes von der Marine beraten lassen?
    Fragt Fleet

    • Früher hatten die BGS-Boote eine in der Marine eingeführte Waffe, und die Besatzungen wurden dort ausgebildet. Wie mag das jetzt geregelt sein,
      fragt sich
      der Segler

    • Und das, wo der Innenminister, der die Entscheidung dazu getroffen hat, früher Verteidigungsminister war,
      wundert sich
      der Segler

  3. Brauchen wir nicht eher eine europäische Diskussion über den künftig möglichen Einsatz von Küstenwachschiffen?
    Sollen diese bewaffneten Schiffe dann auch mitgerechnet werden im Gerangel um das 2% Ziel der NATO?

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