Maritime Fragen an die Denkfabrik

Am vergangenen Wochenende hat die Verteidigungsministerin bei einem großen Auftritt an der Hamburger Bundeswehruniversität die neue Denkfabrik der Bundeswehr aus der Taufe gehoben. Das Gemeinschaftsprojekt der Führungsakademie und der Helmut-Schmidt-Universität soll unter dem Namen „German Institute for Defence and Strategic Studies“ (GIDS) einen Beitrag zur Strategiefähigkeit der Bundeswehr und der Bundesregierung als Ganzes leisten, wie es die Ministerin ausdrückte.

Meer verstehen teilt die Auffassung der Gründer dieses Instituts, dass es in Deutschland ein erhebliches Defizit an strategischem Denken gibt. Es hofft, dass das GIDS einen Beitrag leisten kann, diese Lücke zu füllen.

Gemäß der Zielsetzung auf der Homepage des GIDS https://gids-hamburg.de will es strategische Fragestellungen aus sicherheits- und verteidigungspolitischer Perspektive untersuchen. Meerverstehen war neugierig, welche maritimen Themen sich das Institut auf die Fahne geschrieben hat.

Soweit ist man dort aber wohl noch nicht. Deshalb haben wir drei für Deutschlands Sicherheit und Wohlstand strategisch wichtige Fragen mit maritimem Bezug formuliert, entlang derer das GIDS in See stechen kann.

1. 3D-Druck und Robotik werden die Industrieproduktion in den kommenden Jahren dahingehend revolutionieren, dass die Anzahl der Zwischenstufen zwischen Rohstoff und Fertigprodukt drastisch reduziert wird. Die Produktion wird sich von Niedriglohn- und Schwellenländern dorthin verlagern, wo die kaufkräftigsten Endabnehmer leben, also unter anderem zurück in die alten Industrieländer. Das wird die Warenströme auf See deutlich reduzieren. Was bedeutet das für eine Nation wie Deutschland, deren Wohlstand auf Export, Logistik und Seehandel beruht?

2. Mehr als andere Länder setzt Deutschland auf eine regelbasierte internationale Rechtsordnung, um seine Sicherheit und seinen Wohlstand zu bewahren. Das gilt vor allem auf See. Inwiefern gefährden chinesische Versuche, das Seerecht mit robusten Mitteln bis hin zu einer Art Lawfare in seinem Sinne zu verändern, Deutschlands politisches und wirtschaftliches Erfolgsmodell.

3. Chinesische Wissenschaftler berichten offen über ihre Fortschritte bei der akustischen Überwachung der Ozeane mittels militärischer und ziviler Netzwerke unter Wasser. Neue Möglichkeiten der Datenfusion vieler unabhängiger Sensoren machen die Weltmeere in einer noch vor kurzem nicht für denkbar gehaltenen Weise transparent. Insbesondere die großen strategischen U-Boote werden möglicherweise in absehbarer Zeit kaum noch unerkannt operieren können. Welches Signal wird uns da gesandt mit Bezug auf die nukleare Zweitschlagfähigkeit der Atommächte?

Diese Fragen sind unbequem, aber wir haben verstanden, dass gerade die Befassung mit wenig willkommenen Themen die neue Qualität der Politikberatung durch das GIDS ausmachen soll. Jetzt sind wir gespannt auf seine maritimen Beiträge zur Strategiedebatte in Deutschland.

4 Gedanken zu „Maritime Fragen an die Denkfabrik

  1. Diese drei durchaus berechtigten Fragestellungen könnten auch eingehen in die leider nicht veröffentlichte Maritime Strategie der Deutschen Marine. Angepaßt an das Hier und Heute und ergänzt durch neue Ergebnisse der Strategischen Vorausschau könnte das Papier an der FüAkBw diskutiert und dann dem Ministerium vorgelegt werden.

    • Als erstes könnten diese Thesen hier diskutiert werden. Auf LinkedIn gab es bereits Kommentare. Sie lassen erkennen, dass die angesprochenen Themen noch nicht in ihrer strategischen Diskussion verstanden worden sind,
      findet
      der Segler

    • Achtung, das ist Werbe-Spam. Wer auf „
      Karina“ klickt, kommt auf eine kommerzielle Seite, warnt der Segler

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