Zehn maritime Fragen an die Zukunft

Die lebende Generation kann sich nicht entsinnen, jemals so schnell Gewissheiten schwinden zu sehen, wie wir das in den vergangenen Jahren erlebt haben. Dies geht einher mit neuen politischen, gesellschaftlichen und technischen Trends, deren Folgen niemand abschätzen kann. Die Themen Digitalisierung, Cyber und Klima sind aus der maritimen Welt genauso wenig wegzudenken, wie aus der aktuellen politischen Diskussion.

„Meer verstehen“ stellt zehn Fragen zur Sicherheit auf See in den Raum, um die Diskussion anzuregen:

  1. Welche Rolle können und sollen die Ozeane als Lieferanten von Rohstoffen und Energie spielen?
  2. Können Robotik und 3D-Druck die Industrieproduktion aus den Schwellenländern zurück nach Europa und in andere Hochlohnländer verlagern lassen und damit den Seeverkehr und seine Emissionen deutlich verringern?
  3. Wie kann die strategische maritime Infrastruktur, und angesichts ihrer Bedeutung für Informations- und Energieversorgung insbesondere Seekabel und Pipelines, geschützt werden?
  4. Wohin entwickelt sich das Seerecht angesichts neuer Seemächte mit starken Eigeninteressen, z.B. mit Blick auf das Südchinesische Meer und die Nordostpassage?
  5. Werden künftige Handelsschiffe unbemannt sein, und wenn ja, wie werden sie z.B. gegen Cyber-Piraterie geschützt und welchen Rechtsstatus haben sie?
  6. Was bedeutet die immer dichter werdende Satellitenüberwachung der Erd- und Meeresoberfläche für die Operationen von Seestreitkräften?
  7. Wie können der Seeverkehr und die Bewegungsfreiheit der Seestreitkräfte gegen neue Bedrohungen wie etwa neuartige Flugkörper mit großer Reichweite und Überschallgeschwindigkeit oder Angriffe unbemannter Boote sichergestellt werden?
  8. Ist es zu verantworten, Menschen an Bord von Kriegsschiffen gegen unbemannte ferngelenkte und autonome Systeme Waffensysteme kämpfen zu lassen?
  9. Welches ist die richtige Kombination von herkömmlichen, menschenbetriebenen Systemen und unbemannten Subsystemen unterschiedlicher Autonomie über Wasser, unter Wasser und in der Luft?
  10. Welche Rollen bleiben den Menschen noch auf See?

3 Gedanken zu „Zehn maritime Fragen an die Zukunft

  1. Danken wir dem blog für diese 10 maritimen Fragen. Jede für sich birgt genügend Diskussionsstoff. An dieser Stelle Anmerkungen zu einigen Punkten: In der Tat stellt sich die Frage nach der Rückverlegung von industrieller Produktion in westliche Industriestaaten ebenso wie die Frage nach dem künftigen Volumen an Rohöltransport zur See. Nicht nur Handelsschiffe werden irgendwann unbemannt fahren. Wieviele Besatzungsmitglieder hat ein künftiges U-Boot angesichts fortschreitender Robotik/IT?
    Im Zeitalter autonomer Echtzeitübertragung von Nachrichten ist es spannend, wie ein künftiges Flottendienstboot auszusehen hat. Wie wirkt sich ein maritimer Aufklärungsverbund – FDB, Seefernaufklärer, Drohnen – auf die Zahl der zu ersetzenden FDB für die Deutsche Marine aus?
    Fleet freut sich auf eine anregende Diskussion!

    • In der Tat sind all diese Themen in den zehn Fragen angelegt. Alte Weisheiten über den Charakter der Hohen See stimmen nicht mehr.
      Die gesamte Meeresoberfläche wird aus dem Weltraum einsichtig. Zu den staatlichen Satelliten kommen kommerzielle in größerer Zahl. Ihre Daten kann man kaufen, sodass man keine Weltraumnation mehr sein muss, um die Ozeane zu überwachen. Oft reicht das Geld des Warlords, um zu erfahren, was sich auf See tut.
      Und das ist nur ein Aspekt, der Vieles verändert,
      bemerkt
      der Segler

  2. Zu Segler:
    Mit den gläsernen Ozeanen durch Satellitenbilder wäre ich sehr vorsichtig. Die U.S. Navy übt ständig die Verschleierung der Bewegungen von CSG. Man braucht halt Informationen über heranziehende Wetterfronten, die sowohl optische wie elektronische Aufklärung drastisch reduzieren. Und dann verschwindet auch ein Trägerverband von der Bildfläche.
    Auch sollte man das Konzept der distributed lethality nicht unterschätzen. Einzelfahrer werden über die Vernetzung zu einem schlagkräftigen Verband, der über große Entfernungen wirken kann.

    Allgemein zum Schutz von Unterwasser Datenkabeln und Pipelines: Darüber reden wir bei uns seit Jahren. Haben wir irgendwelche Handlungskonzepte dazu entwickelt?

Ihre Meinung zählt!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.