Buchbesprechung – Red Star over the Pacific


Wohin entwickelt sich China? Wird China zum Konkurrenten auf den Meeren?

Nicht erst seit den Entwicklungen und Zwischenfällen im Südchinesischen Meer fragen gerade westliche Politiker und Experten, ob die Entwicklung Chinas zu einer maritimen Großmacht zu einer bewaffneten Auseinandersetzung mit den USA und der U.S. Navy im pazifischen Raum führt. Begriffe wie Anti Access/Area Denial (A2/AD), Thykidides Falle, aber auch Hybride Seekriegsführung und Auseinandersetzungen in der „Grey Zone“ bestimmen seit Jahren die amerikanischen Diskussionen zu einer notwendigen Anpassung der maritimen Strategie. Dabei lag und liegt der Schwerpunkt auf einem Vergleich der jeweiligen Kriegsmarinen und ihrer strategischen, operativen und taktischen Möglichkeiten. Die Ende 2018 bei der Naval Institute Press erschienene zweite Auflage des hier zu besprechenden Buches hebt sich erfreulich von den oben angesprochenen Aufsätzen und anderen Veröffentlichungen ab, da die beiden Autoren insbesondere der Frage nachgehen, wie es der politischen Führung gelungen ist, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass die Zukunft des Landes eng mit dem Status einer global agierenden Seemacht verbunden ist. Und hierzu gehört dann insbesondere eine prosperierende Wirtschaft und weltweiter Seehandel. Gerade dieses Kapitel unterstreicht die deutlich veränderte Betrachtung der Autoren acht Jahre nach Erscheinen ihrer ersten Ausgabe. Weiterlesen

Wieviel Gorch Fock bleibt?


Wenn sich die Verteidigungsministerin „große Sorgen um die Gorch Fock“ (Rheinische Post) macht, dann muss man sich in der Tat sorgen. Der am Donnerstag verhängte Ausgabestopp beruht auf einer, kaum nachvollziehbaren, Kostenexplosion. Ursprünglich mit zehn Mio EUR veranschlagt, liegen die Kosten für die Überholung aktuell bei 135 Mio EUR, wovon knapp 70 Mio EUR bereits geflossen sind. Diese Dimension der Kostensteigerung hat selbst die Elbphilharmonie nicht erreicht! Weiterlesen

Maritime Fragen an die Denkfabrik


Am vergangenen Wochenende hat die Verteidigungsministerin bei einem großen Auftritt an der Hamburger Bundeswehruniversität die neue Denkfabrik der Bundeswehr aus der Taufe gehoben. Das Gemeinschaftsprojekt der Führungsakademie und der Helmut-Schmidt-Universität soll unter dem Namen „German Institute for Defence and Strategic Studies“ (GIDS) einen Beitrag zur Strategiefähigkeit der Bundeswehr und der Bundesregierung als Ganzes leisten, wie es die Ministerin ausdrückte.

Meer verstehen teilt die Auffassung der Gründer dieses Instituts, dass es in Deutschland ein erhebliches Defizit an strategischem Denken gibt. Es hofft, dass das GIDS einen Beitrag leisten kann, diese Lücke zu füllen. Weiterlesen

Bundespolizei See: Von 40 mm auf 57 mm


Wie sich die Zeiten ändern! In den Zeiten der Ost-West-Konfrontation verfügten die seegehenden Verbände des Bundesgrenzschutzes über acht Boote in der Ostsee, die mit 40 mm Bordkanonen ausgerüstet waren. Im Konfliktfall sollten sie aus der Ostsee in die Deutsche Bucht verlegt werden, um eingehende Atlantikkonvois auf der letzten Strecke zu begleiten. Das Ende des Kalten Krieges und das Bedürfnis nach der Friedensdividende führten dazu, dass die Bundespolizei See „entmilitarisiert“ wurde: Die 40 mm Bofors wurden abgerüstet. Weiterlesen

Acht Thesen: U-Boot-Operationen in einem sich verändernden Unterwasserumfeld


Im Februar hat in Kiel ein Workshop zum Thema „U-Boot-Operationen in einem sich verändernden Unterwasserumfeld“ stattgefunden.

Für Meer Verstehen wurden die wesentlichen acht Thesen zusammengefasst: Weiterlesen

Klassiker von Seemacht, Technologische Entwicklungen und mögliche zukünftige Formen von Machtprojektion


Ein Aufsatz von Prof. James Holmes, Naval War College, mit dem Titel „The Legacy of Unfinished Revolutions“ in der Oktober Ausgabe 2017 der Proceedings des USNI und seine Aussagen „Submarines, torpedo boats, and aircraft had little place in Corbett ´s or Alfred Thayer Mahan´s scheme of things, in large part because they wrote before those new instruments of war came into their own. Because of this historical accident, the strategic cannon is mostly silent on the subjects of undersea and aerial warfare“ nährt den Verdacht einer gewissen Ignoranz angel-sächsischer Staaten gerade gegenüber französischen Denkern auch zu Beginn der 1930er Jahre. Neben der eher banalen Feststellung, dass U-Boote und Torpedos schon zu Lebzeiten Corbett´s und Mahan´s entwickelt und eingeführt wurden, hätte schon ein Studium der Schriften von Admiral Raoul Castex zu Erkenntnissen geführt, die auch heute von größter Bedeutung sind. Dies gilt umso mehr nach den jüngsten Äußerungen von Präsident Putin zur „Überlegenheit“ neuster russischer Entwicklungen auch für künftige Seekriege.
Classics of Sea Power Weiterlesen

Great Powers, Grand Strategies. The new Game in the South China Sea


Eine Buchrezension von unserem Gastautor Heinz Dieter Jopp

Mit der am 19. Januar 2018 veröffentlichten nationalen Verteidigungsstrategie des Pentagon werden die VR China und Russland als mögliche Gegner definiert, die es auch militärisch zu besiegen gelte. Damit kehrt auch die U.S. Navy zur möglichen parallelen Auseinandersetzung mit der russischen und chinesischen Marine zurück. Dies erinnert ein wenig an das Ende des Kalten Krieges, wo die maritimen Interessen der NATO am Schutz der Versorgungslinien über den Nordatlantik ausgerichtet waren, der auch durch ein aggressives Vorgehen der U.S. Navy gegen sowjetische Marinekräfte im Nordmeer und der Barents See sichergestellt werden sollte. Erst nach dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion wurde über dann offengelegte Pläne erkennbar, dass die sowjetische Marine nicht offensiv gegen die NATO sondern defensiv zum Schutz eigener SSBN ausgerichtet war (Verteidigung der nuklear-strategischen Bastion). Diese Erkenntnis wurde jedoch in der NATO kaum diskutiert. Mit Blick auf die Entwicklungen im West-Pazifik und die Marine der Volksrepublik China (PLAN) sollte man dies nicht aus den Augen verlieren. Weiterlesen