Sea Blindness vs. Defence Blindness – Wie spinnt man einen maritimen Erzählfaden? – Oder: Vom Umgang mit unbequemen Themen


Ein Gastbeitrag von Professor Dr. Marcus Albrecht

Sea Blindness – ein brisantes Thema, das uns alle angeht? Gibt man den Begriff bei Google ein, erhält man lediglich rund 6.000 Treffer hierzu; in den Dimensionen des Internets gemessen ist die Thematik demnach vielmehr eine unbedeutende Randerscheinung, den einzelnen Beiträgen folgend thematisch überwiegend „befeuert“ aus der Marine und der Schiffsindustrie. Aber bedeutet das nun, dass „Sea Blindness“ in Wirklichkeit weder ein aktuelles noch ein wichtiges Thema ist, letztlich ein von Interessenvertretern heraufbeschworenes Problem, Lobbyismus? (Den Begriff „Air Blindness“ gibt es zum Beispiel nicht, trotz durchaus ähnlich gelagerter Problematik.) Oder ist die verschwindend geringe Trefferzahl vielmehr ein Beleg dafür, dass „Sea Blindness“ wirklich existiert, (nicht zuletzt auf Grund der fehlenden Wahrnehmung) Gefährdungspotenzial birgt und es tatsächlich Handlungsbedarf gibt (einen maritimen Erzählfaden zu spinnen)? Weiterlesen

Sea Blindness – Wie spinnt man einen maritimen Erzählfaden


von Patrick Mundstock, dem Gewinner unseres Ausatzwettbewerbes:

Mehr als 95 Prozent des weltweiten internationalen Handels verläuft über die Meere und Ozeane dieser Erde. Auf ihnen sind jedes Jahr rund 47.000 Handelsschiffe aus aller Welt unterwegs und transportieren ca. sieben Milliarden Tonnen Wirtschaftsgüter, Tendenz steigend. Immer größer, immer schneller und immer mehr lautet dabei die Devise der Reedereien. Die Häfen werden gigantischer und das Handelsvolumen wächst jedes Jahr. Somit ist die Prosperität nahezu jeder wirtschaftlich handelnden Nation im besonderen Maße von maritimer Sicherheitspolitik abhängig. Und dennoch sieht sich maritime Sicherheit einer so weitreichenden Problematik gegenüber, dass ihr mittlerweile sogar internationale Organisationen wie die Europäische Union und die Vereinten Nationen vollste Aufmerksamkeit zukommen lassen – „Sea Blindness“ in den Köpfen der Bevölkerung. Weiterlesen

Sea Blindness – Wie spinnt man einen maritimen Erzählfaden?



Mit einem Preis sollten die besten Artikel/Arbeiten junger Offiziere bzw. Offiziersanwärter/-innen ausgezeichnet werden, die ihre Erfahrungen, Vorstellungen und Sichtweisen zu diesem Thema reflektieren und die sich besonders für eine Veröffentlichung im MarineForum eignen.An dem Wettbewerb beteiligten sich Marineoffiziere und Offizieranwärter, deren Beiträge bis zum Einsendeschluss im September beim DMI eingingen. Jurymitglieder (zwei Stabsoffiziere des Marinekommandos und zwei Präsidiumsmitglieder des DMI) bewerteten die Aufsätze. Die Beiträge waren dafür anonymisiert. In Abstimmungsrunden wurden die Preisträger ausgewählt.
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Neue US-Studie zum Unterwasserseekrieg in Nordeuropa – Ein Weckruf ohne deutschen Beitrag


Im Juli 2016 veröffentlichte das renommierte, von Admiral Arleigh Burke gegründete „Center for Strategic International Studies“ (CSIS) in Washington D.C. die Studie „Undersea Warfare in Northern Europe„. Herunterladen und Lektüre der knapp 50 seitigen Arbeit lohnen den Zeitaufwand. Der aufmerksame Leser erfährt in den Danksagungen, dass „Experten aus Finnland, Polen, Schweden, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten“ und ihre entsprechenden nationalen Institute maßgeblich zum Ergebnis beigetragen haben. Ein abschließender Dank ist dem Sponsor der Studie, „Saab North America“ gewidmet und das Autorenteam bringt seine tiefe Wertschätzung für Saabs Respekt vor der intellektuellen Unabhängigkeit [des Teams] zum Ausdruck. Weiterlesen

Attraktivität durch Auftragserfüllung – Auf dem Weg zur Deutschen Marine 2.0


Ein Beitrag von Professor Dr. Marcus Albrecht

Überträgt man das Thema, das der Inspekteur der Marine und der Präsident des DMI für den diesjährigen Aufsatzwettbewerb vorgegeben haben, gedanklich einmal auf die deutsche Wirtschaft, käme man zu einer Formulierung, die beispielsweise „Die BMW Group im Spannungsfeld zwischen Markterfolg und Attraktivität“ lauten könnte. Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: In Deutschland käme wohl niemand auf die Idee, einen Gedankenaustausch zu dieser Thematik anzuregen. Die BMW Group ist derzeit Deutschlands attraktivster Arbeitgeber (1) und es gilt unter Absolventen und Fachkräften als besonderes Privileg, bei BMW arbeiten zu dürfen. Und dies, obwohl sich BMW, wie andere Top-Arbeitgeber auch, bei den Einstiegsgehältern durchaus zurückhält, lange Arbeitszeiten (als „Einsatzbereitschaft“ deklariert) zur Tagesordnung gehören und die – zahlreichen – Stationen auf dem Karriereweg einer Führungskraft notwendigerweise, das heißt: vom Unternehmen beabsichtigt, regional sehr weit voneinander entfernt liegen. (2) Jeder Absolvent weiß das und doch wollen alle dorthin. Eine komfortable Position für einen Arbeitgeber bei Marktrahmenbedingungen für das Recruiting, die von Personalexperten gern kurz als „War for Talents“ bezeichnet werden. Weiterlesen

Die Marine im Spannungsfeld zwischen Auftragserfüllung und Attraktivität – Ein Aufsatz von OLtzS Janine Pirrwitz


Der dritte Aufsatz unserer Veröffentlichungsreihe ist von OLtzS Janine Pirrwitz, die mit ihrem Ausführungen ebenfalls einen ersten Platz belegt hat:

Aktuelle Situation

Die Deutsche Marine leistet in multinationaler und zivil-militärischer Kooperation einen ständigen und einzigartigen Beitrag zur maritimen Sicherheit. Die Aufträge der Deutschen Marine sind klar formuliert: Humanitäre Hilfeleistungen beispielsweise bei Naturkatstrophen, Konfliktverhütung und Krisenbewältigung sowie die seewärtige Landesverteidigung. Die Deutsche Marine besitzt hierfür ein vielfältiges, leistungsstarkes und einzigartiges Fähigkeitsspektrum. Am 4. Juni 2015 betonte der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Krause, gegenüber den Kieler Nachrichten: ,,Die Marine ist nicht am Limit! Vielmehr erfüllt die Marine tagtäglich und ohne Abstriche ihre Aufträge. Die Marine zeigt in den Einsätzen Atalanta, UNIFIL, Operation Active Endeavour sowie den ständigen Einsatzverbänden der NATO Präsenz und nimmt an zahlreichen Übungsvorhaben teil.“ Weiterlesen

Die Marine im Spannungsfeld zwischen Auftragserfüllung und Attraktivität – Ein Aufsatz von Kapitänleutnant Katharina Jens


Mit dem Aufsatz von Kapitänleutnant Katharina Jens, eine der beiden Erstplazierten im Aufsatzwettbewerb des DMI und des Inspekteurs der Marine, setzen wir unsere Publikationsreihe fort:

Die Besucherzahlen der diesjährigen maritimen Veranstaltungen sprechen für sich: Eine Million Gäste verzeichneten sowohl Hanse Sail als auch der Hamburger Hafengeburtstag, 1.2 Millionen Besucher konnte die Sail Bremerhaven verbuchen und als unangefochtener Spitzenreiter hat die Kieler Woche im Jahr 2015 3.8 Millionen Menschen an die Küste locken können. Seefahrt ist also mitnichten unbeliebt und das Element Wasser und die auf ihm zur See fahrende Technik noch immer ein Publikumsmagnet. Die Projektion dieser Begeisterung für die Seefahrt auf die Deutsche Marine allerdings – sie misslingt zuweilen und lässt sich deutlich an den rückläufigen Bewerberzahlen ablesen. Maritimes Flair als Grund für einen Wochenendausflug scheint plausibel – als Beweggrund für die Berufswahl jedoch eher weniger ausschlaggebend. Weiterlesen