Trudering und das Maritime


Die Bundeskanzelerin hat Ende Mai im bayerischen Trudering große Aufmerksamkeit diesseits und jenseits des Atlantiks erregt. Sie stellte mit Bezug auf die USA fest: „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt.“ Ihr Fazit lautete: „Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen.“ Damit meinte sie EU-Europa ohne Großbritannien. Die Debatte in Deutschland war heftig und konzentrierte sich vor allem auf das 2%-Ziel der NATO für die nationalen Verteidigungsausgaben. „Meer verstehen“ schaut jetzt genauer hin, was diese neue Lage konkret für Seestreitkräfte bedeutet.

Voranzuschicken ist, dass die USA weiterhin Verbündete in der NATO bleiben, auch wenn sich ihr Präsident erst in einem zweiten Anlauf beim Besuch des rumänischen Präsidenten ausdrücklich zu den Verpflichtungen nach Artikel 5 des NATO-Vertrages bekennen mochte. Gleiches gilt für Großbritannien. Für die EU geht es also nicht darum, in Konkurrenz zur NATO eine eigene Verteidigungsfähigkeit aufzubauen. Vielmehr muss sie ihre militärische Handlungsfähigkeit verbessern, um nicht selbst für kleinere Operationen auf Mittel der NATO und insbesondere der USA angewiesen zu sein. Dadurch versetzt sie sich im übrigen gleichzeitig in die Lage, einen stärkeren Beitrag zur gemeinsamen Verteidigung in der NATO zu leisten. Weiterlesen

Seekrieg aus der Luft – reloaded?


Durch den Blätterwald rauschen Auszüge aus den „Vorläufigen konzeptionellen Vorgaben für das künftige Fähigkeitsprofil der Bundeswehr“, das bis 2032 gegenüber der NATO eingenommen werden soll (F.A.Z. PLUS Beitrag „Bis zu den Sternen“ vom 18. April). Es handelt sich um eine nicht verbindliche Absichtserklärung; nichtdestotrotz führt sie zu einer – berechtigten – Erwartungshaltung im Bündnis. Für den Beitrag der Marine ist unter anderem Folgendes zu vernehmen (Unsere Hervorhebung): „Zeitgleiches Bereitstellen von mindestens 15 schwimmenden Plattformen inklusive Unterstützungseinheiten über alle „Maritime Warfare Areas“ (dreidimensionaler Seekrieg) und zusätzlich von zwei Seefernaufklärern für eine Naval Task Force mit höchster/hoher Reaktionsfähigkeit. … Befähigung zum Kampf im gesamten Intensitätsspektrum, Fortschreibung der Befähigung zur dreidimensionalen Seekriegführung mit der Erweiterung auf die Nutzung des Cyber- und Weltraums und der Wiederherstellung der Befähigung zum Führen Seekrieg aus der Luft.

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Die EU „International Ocean Governance“


Ein Gastbeitrag von Flottillenadmiral Jürgen Ehle

Die globale Ozeanwirtschaft wird auf 1,3 Billionen Euro geschätzt. Klimawandel, Armut und Ernährungssicherheit gehören zu den globalen Herausforderungen, die wirksam angegangen werden können, wenn die Ozeane besser geschützt und nachhaltig bewirtschaftet werden.

Die Kommission und der Europäische Auswärtige Dienst haben am 10. November 2016 eine gemeinsame Mitteilung herausgegeben, in der Maßnahmen für sichere, saubere und nachhaltig bewirtschaftete Ozeane vorgeschlagen werden. Als starker globaler Akteur legt die EU damit eine Agenda für eine bessere Meerespolitik auf der Grundlage eines sektorübergreifenden, auf Regeln beruhenden internationalen Ansatzes fest.

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G-7 und die maritime Sicherheit


Als sich am 14. und 15. April die Außenminister der G-7 in Lübeck trafen, überraschten sie mit der Ankündigung, daß zum ersten Mal das Thema maritime Sicherheit auf der Agenda stehen würde. So heißt es in der entsprechenden Abschlußerklärung der Außenminister von Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Vereinigtes Königreich und Vereinigte Staaten:

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Erfolgsmaße 8 – 8 – 20 eines stillen Helden


8 Fuß Breit, 8 Fuß Hoch und 20 Fuß lang – das sind die Basismaße des stählernen Transportcontainers wie wir ihn unterwegs mit allen möglichen Dingen beladen auf Schiene, Straße oder eben auf See kennen. Etwa 17 Millionen Container sind weltweit im Umlauf, die meisten davon in der Variation TEU 20 (Twenty-foot Equivalent Unit) oder TEU 40 (Forty-foot Equivalent Unit, 40 Fuß lang). Dabei war die Einführung der Containerfracht nicht bloß ein Geniestreich zur Optimierung logistischer Ketten, sondern eine globale wirtschaftliche Revolution, deren Bedeutung erst jetzt aufgrund aktueller Forschung deutlich wird – man könnte den Container auch als einen stillen Helden des 20. Jahrhunderts bezeichnen. Weiterlesen

„Deutschlands maritime Sicherheit erfordert auch Engagement an Land in Somalia“


An dieser Stelle möchten wir eine Beitragsserie eröffnen – wir haben Menschen aus dem öffentlichen Leben Deutschlands gebeten, ihre Meinung zu einem Thema ihrer Wahl unter dem Leitmotiv „Die maritime Dimension Deutschlands“ mit uns zu teilen. Den Anfang macht Dr. Rainer Stinner, MdB und Außenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, er beleuchtet Deutschlands Sicherheit und Engagement vor der somalischen Küste und dem anhaltenden Piraterieproblem. Was taugt die neue Strategie, die Ausrüstung der Piraten auch an Land zu zerstören? Wer sind die Hintermänner? Sind die bisher getroffenen politischen Maßnahmen erfolgreich? Kann es Verantwortung ohne entschloßenes Zupacken geben? Dr. Stinner hat exklusiv für Meer Verstehen einen Kommentar verfasst, der die Lösung der Problematik vornehmlich an Land sieht:

Deutschlands maritime Sicherheit erfordert auch Engagement an Land in Somalia

Für die deutsche Wirtschaft hat das Meer eine entscheidende Bedeutung als Transportweg. Ungefähr die Hälfte unseres außereuropäischen Außenhandels wird über See transportiert. Das entspricht einem Warenwert von ca. 335 Milliarden Euro. Die anhaltende Gefährdung der Schifffahrt durch Piraten vor Somalia ist daher ein ernstes Weiterlesen

Die belgisch-niederländische Marinekooperation im Überblick – Ein Kommentar


Pooling & Sharing ist das neue Buzzword, wenn man über Europa, Sicherheit und Haushalt spricht. Es sollte allen Beteiligten klar sein, dass es ein „weiter so“, im Sinne der nationalen Alleinvorsorge, in Zukunft nicht mehr geben wird. Dabei lohnt sich der Blick über den Tellerrand, denn es gibt in Europa bereits einige interessante militär- und sicherheitsrelevante Kooperation. Begrenzte Haushalte und gleiche Interessen setzen gestalterische Kreativität frei und schaffen neue Strukturen in Europa. Könnten die Großen etwa von den Kleinen lernen?

Kai Schönfeld ist aktiver Marineoffizier und Betreiber des Blogs Sicherheit vernetzt. Auf Meer Verstehen schreibt Schönfeld exklusiv über die sicherheitspolitische Vernetzung und Kooperation der Marinen von Belgien und den Niederlanden: Weiterlesen