Trudering und das Maritime


Die Bundeskanzelerin hat Ende Mai im bayerischen Trudering große Aufmerksamkeit diesseits und jenseits des Atlantiks erregt. Sie stellte mit Bezug auf die USA fest: „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt.“ Ihr Fazit lautete: „Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen.“ Damit meinte sie EU-Europa ohne Großbritannien. Die Debatte in Deutschland war heftig und konzentrierte sich vor allem auf das 2%-Ziel der NATO für die nationalen Verteidigungsausgaben. „Meer verstehen“ schaut jetzt genauer hin, was diese neue Lage konkret für Seestreitkräfte bedeutet.

Voranzuschicken ist, dass die USA weiterhin Verbündete in der NATO bleiben, auch wenn sich ihr Präsident erst in einem zweiten Anlauf beim Besuch des rumänischen Präsidenten ausdrücklich zu den Verpflichtungen nach Artikel 5 des NATO-Vertrages bekennen mochte. Gleiches gilt für Großbritannien. Für die EU geht es also nicht darum, in Konkurrenz zur NATO eine eigene Verteidigungsfähigkeit aufzubauen. Vielmehr muss sie ihre militärische Handlungsfähigkeit verbessern, um nicht selbst für kleinere Operationen auf Mittel der NATO und insbesondere der USA angewiesen zu sein. Dadurch versetzt sie sich im übrigen gleichzeitig in die Lage, einen stärkeren Beitrag zur gemeinsamen Verteidigung in der NATO zu leisten. Weiterlesen

Die EU „International Ocean Governance“


Ein Gastbeitrag von Flottillenadmiral Jürgen Ehle

Die globale Ozeanwirtschaft wird auf 1,3 Billionen Euro geschätzt. Klimawandel, Armut und Ernährungssicherheit gehören zu den globalen Herausforderungen, die wirksam angegangen werden können, wenn die Ozeane besser geschützt und nachhaltig bewirtschaftet werden.

Die Kommission und der Europäische Auswärtige Dienst haben am 10. November 2016 eine gemeinsame Mitteilung herausgegeben, in der Maßnahmen für sichere, saubere und nachhaltig bewirtschaftete Ozeane vorgeschlagen werden. Als starker globaler Akteur legt die EU damit eine Agenda für eine bessere Meerespolitik auf der Grundlage eines sektorübergreifenden, auf Regeln beruhenden internationalen Ansatzes fest.

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„Sea Blindness – Wie man einen strategischen Erzählfaden spinnt“


Länder wie die Slowakei, Ungarn oder auch Tschechien teilen ein Schicksal: Sie alle haben keinen freien Zugang zum Meer. Damit fehlt es diesen Staaten allein aus geographischen Gründen an etwas, worüber die meisten europäischen Nachbarn ganz selbstverständlich seit Jahrhunderten verfügen und wovon sie in vielerlei Hinsicht profitieren.

Denken wir nur an Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Portugal, Niederlande, Belgien, Griechenland, Polen, das Baltikum, Großbritannien oder auch die skandinavischen Länder. Der freie Seezugang prägt das Selbstverständnis der klassischen Seefahrernationen. Er beeinflusst das Bewusstsein der Menschen, inspiriert zu unternehmerischen Handeln und findet Ausdruck in Kunst, Literatur und Musik. Der freie Zugang zum Meer wirkt aber auch auf staatliches Handeln und formt nicht zu Letzt sicherheitspolitische Strategien. Weiterlesen

Sicherheit im Ostseeraum


Das britische Verteidigungsministerium hat unlängst im Auftrag der schwedischen Regierung eine interessante Studie zu den Herausforderungen an die Sicherheit im Ostseeraum veröffentlicht.

Das „Development, Concepts and Doctrine Centre“ des britischen Verteidigungsministeriums kommt, nach zahlreichen Interviews und Beiträgen von Experten ziviler und militärischer Bereiche der Ostseeanrainer zu dem Schluss, dass der Ostseeraum unverändert strategische Bedeutung für ganz Europa habe.

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Über die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der maritimen Wirtschaft


Die maritime Wirtschaft in Deutschland ist eine Branche von hoher gesamtwirtschaftlicher Bedeutung. Von ihr gehen nicht nur bedeutende regionalwirtschaftliche Effekte aus, sie nimmt auch eine Schlüsselrolle für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes und die Sicherung von Wachstum und Beschäftigung in Deutschland ein.

Rund 95% des interkontinentalen Warenaustausches erfolgen über den Seeweg. Als eine führende Exportnation hat Deutschland daher ein überragendes Interesse an einer leistungsstarken, international wettbewerbsfähigen maritimen Wirtschaft. Etwa 60% der deutschen Warenexporte und ein Großteil der Rohstoffimporte werden per Schiff transportiert, und die Häfen sichern einen wichtigen Teil der Grundversorgung der deutschen Industrie; dies gilt auch für den Handel mit Vorprodukten. Mit der fortschreitenden Globalisierung der Märkte und einem prognostizierten weiteren Anstieg des Welthandels wird der Güterverkehr über See weiter zunehmen. Derzeit befinden sich 2.962 Handelsschiffe im Eigentum deutscher Reedereien (Stand: 30.06.2015), die damit die viertgrößte Flotte der Welt stellen. In der Sparte der Containerschifffahrt liegt die deutsche Flotte weiterhin an erster Stelle. Weiterlesen

Europas Expansion als maritimer Prozess


Europas Expansion als maritimer Prozess
Netzwerke privater maritimer und kommerzieller Interessen
Von Wolfgang K.W. Reinhard

Beinahe täglich erfahren wir aus den Medien, dass wieder ein Boot mit wagemutigen Afrikanern, die nach Europa wollten, vor Sizilien oder Südspanien gescheitert ist oder mit knapper Not die Küste erreicht hat. In dem selben Mittelmeer, in dem die maritime Expansion Europas begann, erlebt Europa nach ihrem Ende diese erschreckende Gegenbewegung. Seine Expansion hatte nach mediterranen antiken und mittelalterlichen Vorstufen 1415 mit der portugiesischen Eroberung von Ceuta an der marokkanischen Gegenküste begonnen – nächstes Jahr haben wir das 600-jährige Jubiläum vor uns. Heute besteht die europäische Expansion ins Mittelmeer aus unglaublichen 230 Millionen Touristen im Jahr! Weiterlesen

Das Europa der prosperierenden Regionen – Renaissance der Hanse?


Die Frage, was die Europäer jenseits der Administration der Europäischen Union verbindet, ist eine hoch emotionale: Wie wichtig die regionale Identität auch im modernen Europa ist, kann man an den Unabhängigkeitsbestrebungen der Basken, Flamen, Katalanen, Schotten, Wallonen und den vielen Anderen beobachten. Daraus folgend hat die Frage nach der Identität handfeste wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Dimensionen. Bis vor wenigen Tagen war nicht eindeutig klar, ob es Großbritannien nach 307 Jahren in seiner jetzigen Form nächstes Jahr noch geben würde. Bemerkenswert ist, dass dieser ganze Vorgang so unaufgeregt von statten ging: Weiterlesen